· 

[Spiritualität #2] Wurzeln meiner Spiritualität

Bildcollage aus menschlichen Schatten vor diversen Uhren | Das Foto stammt von Pixabay
Foto: pixabay.com

Herzlich willkommen zurück auf dem Blog. Das Thema »Spiritualität«, das alle meine Bücher durchzieht, hat dich nicht abgeschreckt. Das freut mich. Erleichtert wische ich mir den Schweiß von der Stirn. Dann können wir mit dem nächsten Beitrag der Jahresblogreihe weitermachen. Letzten Monat haben wir definiert, was Spiritualität ist (hier geht's zu diesem Beitrag). Heute befassen wir uns mit meinen diesbezüglichen Wurzeln. Wo kommen die Gedanken, Themen und Botschaften her, über die ich in meinen Werken spreche? Was inspiriert mich?

Ein dicker Wurzelstrang ist für mich die Religion, in die ich hineingeboren wurde: das (evangelische) Christentum, auch wenn meine Herkunftsfamilie nicht religiös war. Das Wort »Weihnachtskirchgänger« trifft es recht genau. Es war das Umfeld aus Kindergarten und Schule, das das Fundament gelegt hat.

Nach Hause kommen

Ein Einschnitt waren für mich die erste – und später alle weiteren – Ferienfreizeiten mit dem Evangelischen Jugendwerk (EJW). Mit elf Jahren meldeten mich meine Eltern für eine Fahrt an. Im Vorfeld bin ich vor Angst fast umgekommen. Fünfzig, sechzig fremde Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren. Und zudem vierzehn Tage von zu Hause weg! Ich weiß nicht, ob ich Anschluss fand, so schüchtern, wie ich damals war. Doch die tägliche Bibelarbeit, das Beten und miteinander Singen waren für mich ein Nachhause-Kommen. Zum ersten Mal fühlte ich mich verstanden und angenommen. Wie gesagt, weniger von den anderen Kindern, für die ich »seltsam« war, sondern von Gott.

Du bist eher ein auditiver Mensch? Mit einem Klick auf das Bild kommst du zum ergänzenden Podcast, den du dir bei YouTube anhören kannst.

 

> Podcast bei YouTube

Der erste Berufswunsch

Das wollte ich nicht mehr missen und habe meine Eltern immer wieder gebeten, im nächsten Sommer erneut mit zu dürfen. Ich bekam die Erlaubnis – und irgendwann die ebenso sehnlichst gewünschte Bibel. Innerhalb eines Jahres habe ich sie komplett von vorne nach hinten durchgelesen, mir Notizen gemacht und mir weitere Bücher über Religion in der Stadtbibliothek ausgeliehen. Mein Feuer war entfacht und mündete mit Vierzehn in den Berufswunsch, Pfarrerin zu werden.

Die Serie »Holocaust« hat eingeschlagen

In diese Zeit fiel die Ausstrahlung der Serie »Holocaust«, die ich mit zwölf oder dreizehn Jahren nicht hätte schauen dürfen. Und dann heimlich alleine im Bett! Mein Wissensdurst war stärker als das Entsetzen. Ob mir damals bereits bewusst war, dass meine eigene Großmutter das alles real mitgemacht hatte? Dass sie Theresienstadt überlebt hatte und ihre Geschwister sowie weitere Verwandten durch Emigration dem Holocaust entkommen waren? Ich weiß es nicht.

Annäherung an diverse Religionen

Blick in einen aufgeschlagenen Timer mit eingetragenen Terminen | Das Foto stammt von Pixabay
Foto: pixabay.com

Sicher bin ich mir allerdings, dass das der Anfang meiner Annäherung an das Judentum, die jüdische Religion, das Christentum, den christlichen Glauben und die deutsche Geschichte war. Das alles faszinierte mich. Ich las mich durch den Bücherschrank meiner Eltern, stöberte in sämtlichen Bibliotheken, in die ich Zutritt bekam, einschließlich der Universitätsbibliothek, als ich fünfzehn oder sechzehn war. Ich sah Sendungen zum Thema im Fernsehen, und ich hörte Menschen zu, falls sie aus dieser Zeit erzählten. Selbst in Referaten während der Schulzeit und des Studiums ging es bei mir immer um diese Themen.

Ich lernte Iwrit, das moderne Hebräisch, arbeitete in den Semesterferien auf einem Kibbuz und näherte mich meiner israelischen Familie an. Danach ging ich mehrere Jahre lang regelmäßig zum jüdischen Gottesdienst bei den amerikanischen Streitkräften in Frankfurt (heute ist das der Uni-Campus im Westend).

Wie mich als Jugendliche der Berufswunsch »Pfarrerin« inspiriert hatte, ohne ihn letztlich umzusetzen, trieb mich jetzt das Ziel an, zum Judentum zu konvertieren. Wieder hielt mich etwas zurück.

Vielfalt statt Einseitigkeit

Aus der Rückschau habe ich inzwischen begriffen: Ich sollte nicht in die starren Strukturen einer alten Religion eintreten, sondern mich intensiv mit einer Vielzahl von Glaubensrichtungen auseinandersetzen. Dazu zähle ich auch während meiner Schulzeit den griechischen und römischen Götterglauben sowie den Kult um Zarathustra. Dieses Wissen und die Verbindung nach »oben«, die ich seit früher Jugend habe, waren notwendig, um in meine Kraft und an meinen Platz zu kommen.

Den habe ich heute. Doch das ist ein anderes Thema, über das ich in einem späteren Blogartikel schreiben werde.

Das sind die Themen der nächsten Beiträge zur Blogreihe »Spiritualität in meinem Alltag«:

  1. Einführung ins Thema »Spiritualität«
  2. Die Wurzeln meiner Spiritualität
  3. Heutige Quellen meiner Spiritualität
  4. Heiliger Akt des Schreibens
  5. Bedeutung der Selbstliebe
  6. Ich bin das ich bin
  7. Spirituelle Bedeutung des Waldes
  8. Kryon
 /></body></html>

Kommentar schreiben

Kommentare: 0