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[Selfpublishing #4] Selfpublishing als Weg zur Selbstverwirklichung?

Ein Waldweg, umgeben von Holzzäunen, führt sanft bergan. Das Foto ist von pixabay.
Foto: pixabay.com

Im letzten Blogbeitrag meiner Reihe »Selfpublishing und ich« ging es um meine Assoziationen, die ich mit dem Selfpublishing, d.h. mit dem Veröffentlichen ohne Verlag verbinde. Für mich sind das die Begriffe »Freiheit« und »Selbstverwirklichung«. Über das Thema »Freiheit« habe ich mich im letzten Artikel der Reihe geäußert; dieses Mal möchte ich Dich mit auf die Reise zur »Selbstverwirklichung« nehmen. Für mich ein faszinierender Aspekt.

Beginnen wir am Ursprung des Selfpublishings. Meiner Meinung nach ist das der dringende Wunsch, sich durch das Schreiben auszudrücken, während des Schreibprozesses nachzudenken, Dinge zu verarbeiten und in Kontakt mit sich selbst zu kommen. Ich vermute, dies ist ein tief in uns verankertes Bedürfnis, seitdem die Menschheit vor tausenden von Jahren angefangen hat, sich mit Bildern und später unterschiedlichsten Schriftformen mitzuteilen. Irgendwann wurden aus handschriftlichen »Sammlungen« wie Tagebüchern, Briefen oder Notizen gedruckte Werke — Johannes Gutenberg sei Dank. Und vor gar nicht allzu langer Zeit wurden Schreibmaschinen durch Computer abgelöst, die unser Geschriebenes sogar abspeichern, gestalten und in die Welt hinaus schicken können, sei es als Mail, Blogbeitrag oder selbstveröffentlichtes Buch. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass wir die notwendigen Programme besitzen und beherrschen.

Heute kann jeder alles veröffentlichen

Okay, ich habe die Zusammenhänge etwas vereinfacht, aber mir ging es um die Bedeutung und die Entwicklung des Schreibens von ihren Anfängen bis zum — für mich logischen — Höhepunkt im Selfpublishing. Aus dieser Perspektive betrachtet zeigt sich mir die Verbindung zur »Selbstverwirklichung«: Wir können heute jeden Gedanken in Sekundenschnelle mit der gesamten Welt teilen. Wenn Du keine Rechte verletzt, hast Du die Freiheit (ja, da sind wir wieder beim vorangegangenen Artikel), Dich zu jedem Thema zu äußern, daraus ein Buch zu erstellen (oder erstellen zu lassen) und es in allen verfügbaren Buchportalen zum Kauf anzubieten.

Und das ist gut so.

»Wie? Was? Spinnt die?«, höre ich bereits die bestenfalls verwunderten, schlimmstenfalls erbosten Ausrufe in den Kommentaren. Doch ich bleibe dabei: Dass heute jeder alles und zu jedem Thema veröffentlichen kann, ist grundsätzlich positiv. Wir brauchen niemanden mehr, vor dem wir auf die Knie fallen und um Annahme eines Manuskripts bitten müssen.

Für wen schreibe ich eigentlich?

Ein Kompass auf einer alten Landkarte. Das Bild stammt von pixabay.com.
Foto: pixabay.com

Als erster Schritt sind diese Freiheit und die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung ein großer Gewinn, über den ich mich wirklich freue. Doch wenn ich von einem ersten Schritt spreche, folgt diesem naturgemäß ein zweiter: nämlich die Differenzierung.

Ja, ich kann dank des Selfpublishings heute alles schreiben und veröffentlichen, was mir durchs Hirn schießt. Die Frage an dieser Stelle lautet in meinen Augen dann allerdings: Ist das, was ich zu Papier gebracht habe, tatsächlich für andere Menschen interessant? Hilft es anderen — oder hat mein Schreiben in erster Linie mir gedient, um mit einem ganz bestimmten Thema fertig zu werden (Missbrauch in der Kindheit, Scheidung, Verlust eines geliebten Menschen uvm.)? Oder habe ich mir (als haptischer Typ) durch das Schreiben mit der Hand Wissen angeeignet? Habe ich ein Expertenwissen, das ich weitergeben möchte, weil ich aus meiner täglichen (Coaching-, Therapeuten-)Praxis weiß, dass ich andere damit unterstützen kann?

Diese Fragen kann nur jeder für sich selbst beantworten — und dann nach seinem Wissen und Gewissen handeln.

Leser und Leserinnen entscheiden über den Erfolg eines jeden Buchs

Wenden wir uns einem anderen Aspekt zu, der mit dem eben Gesagten in Wechselwirkung steht. Wenn es Menschen gibt, die schreiben und veröffentlichen, braucht es auf der anderen Seite Personen, die die Texte lesen. Mitunter bilden beide Gruppen eine Schnittmenge, das tut hier nichts zur Sache. Entscheidend ist für mich an dieser Stelle, dass uns bewusst ist, welche Macht wir als Leser und Leserinnen eigentlich haben. Wir sind diejenigen, die die Bücher kaufen und lesen. Diejenigen, die für die Gedanken eines anderen Geld bezahlen.

Genau deswegen bin ich persönlich an diesem Punkt sehr pingelig. Da muss mich die Online-Leseprobe oder das physische Buch im stationären Buchhandel wirklich überzeugen. Erst dann entscheide ich — in Kombination mit Cover und Klappentext —, ob ich das Buch erwerbe. Und genau deswegen sehe ich es ausgesprochen entspannt, dass heute jeder alles schreiben und veröffentlichen kann. Ich bin ja nicht gezwungen, jedes publizierte Werk zu kaufen. Ich kann auswählen, worauf ich wirklich Lust habe.

Fazit

Unter den genannten Aspekten hat Selfpublishing für mich sehr viel mit Selbstverwirklichung zu tun. Allerdings in Wechselwirkung mit meiner Zielgruppe. Die zu kennen und genau für sie zu schreiben, das erscheint mir ein wesentlicher Punkt zu sein. Denn es macht einen großen Unterschied, ob ich nur für mich formuliere, um »etwas loszuwerden«, oder ob ich ganz gezielt Inhalte für andere zu Papier bringe.

Die nächsten Teile der Beitragsreihe erscheinen jeweils exklusiv am Monatsende im Newsletter und zur Mitte des Folgemonats hier auf dem Blog.

  1. Mein Weg ins Selfpublishing
  2. Was unterscheidet den Verlagsautor vom Selfpublisher?
  3. Wie steht es um die Freiheit als Selfpublisher wirklich?
  4. Ist Selfpublishing der Weg zur Selbstverwirklichung?
  5. Wie sieht es mit der Arbeitsbelastung aus?
  6. Gibt es Konkurrenz unter verlagsunabhängigen Kollegen?
  7. Wo findet das Marketing statt?
  8. Wie kommen Indie-Bücher in den Buchhandel?
  9. Lesung gesucht – der Selfpublisher und der Kontakt zu Leser*innen

Du hast weitere Vorschläge oder Wünsche? Dann schreib sie mir gern in den Kommentarbereich. Genauso Deine Meinung zum Thema.

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