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[Selfpublishing #1] Selbst ist die Autorin

Herzlich willkommen zu meiner neuen Jahresbeitragsreihe über das Thema »Selfpublishing und ich«. Mir geht es in den geplanten Blogartikeln um meine Position innerhalb des Selfpublishings. Ich zeige dir meinen Weg und alles, was ich am Wegrand beobachte. Natürlich sind auch diese Artikel – wie schon im vergangenen Jahr – sehr persönlich und zeigen den Menschen hinter der Autorin »Kari Lessír«. Wenn du also schon immer wissen wolltest, warum ich mich für das Selfpublishing entschieden habe und was es aus meiner Perspektive auszeichnet, bist du hier genau richtig.

Wie auch schon bei den vergangenen Beiträgen freue ich mich immer über Rückmeldung. So ein Blog ist für mich kein Ort für Monologe. Ich mag den Austausch und freue mich über deine Meinung: Was gefällt dir? Wo hast du einen anderen Standpunkt? Was könnte ich verändern – und warum? Ich bin gespannt auf dein Feedback.

Was genau ist Selfpublishing?

Okay, es muss an meiner wissenschaftlichen Vergangenheit liegen, dass ich Beiträge über allgemeine und damit möglicherweise missverständliche Begriffe erstmal auf einen gemeinsamen Nenner hebe. Ich erlaube mir also an dieser Stelle als Einstieg in die Beitragsreihe eine Begriffsdefinition des Selfpublishings. Damit wir über dasselbe reden, wenn wir im Verlauf der nächsten Monate miteinander ins Gespräch kommen ;-)

Laut Wikipedia ist Selfpublishing – oder das deutsche »Selbstverlegen« – zuerst einmal das »Veröffentlichen eines Werkes (neben Büchern kann das auch andere Kunstformen wie Musik betreffen) durch den Künstler bzw. Autor selbst«. Im engeren Sinne bedeutet es, dass der Autor zu diesem Zweck einen Eigen- oder Kleinverlag gegründet hat, wodurch er zum »Selbstverleger« wird. Fasst man den Begriff etwas weiter, genügt es, ein Werk über eine »Selfpublishing-Plattform« publiziert zu haben und im Impressum mit dem eigenen Namen als verantwortlich zu stehen. Dass manche Selfpublishing-Dienstleister dies umgehen, indem sie dort selbst als »Verlag« genannt werden müssen, ist eine Variation des Phänomens »Selfpublishing«, ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Autor auf eigene Rechnung und Verantwortung handelt. Er trägt das gesamte unternehmerische Risiko.

Damit steht die Definition

Jetzt sollte klar sein, was Selfpublishing ist: nämlich das Veröffentlichen durch den Autor selbst, egal ob er dies direkt in kompletter Eigenregie, über einen Dienstleister oder einen selbstgegründeten Kleinverlag tut.

Ich persönlich habe zeitweilig über die letzte Variante nachgedacht, aber nachdem meine Recherchen gezeigt haben, welche finanziellen, fiskalischen und unternehmerischen Konsequenzen das hätte, habe ich mich dagegen entschieden. Ich bin Selfpublisherin über einen Dienstleister, der mir einen Teil meiner Arbeit abnimmt. Mehr dazu in einem späteren Beitrag.

Was hat mich dazu bewogen, ins Selfpublishing einzusteigen?

Es war einmal … nein, keine Angst, ich erzähle jetzt kein Märchen, aber meine Schreibanfänge liegen schon ziemlich weit zurück. 2003 drängte meine erste Geschichte ans Tageslicht. Drei Jahre lang habe ich an ihr geschrieben, überarbeitet, umformuliert und parallel dazu immer wieder nach Verlagen gesucht, Bewerbungen versendet und auf der Frankfurter Buchmesse Kontakte zu knüpfen versucht, jedoch ohne Erfolg. Mir ging es damals wie Tausenden anderer Jungautor*innen. Niemand hatte Interesse an einer Liebesgeschichte um einen Blinden.

Also verschwand das Manuskript in der berühmt-berüchtigten Schublade und ich verabschiedete mich komplett vom Schreiben. Mein damaliger Arbeitgeber, ein internationaler Fachverlag, bot mir eine Führungsposition an und ich beschloss, diesem Ruf zu folgen und mich auf eine klassische Karriere zu konzentrieren.

Ein erstes Burnout später war ich schlauer: Das Schreiben ließ sich nicht einfach mal so aus meinem Leben streichen, nur weil ich keinen Verlag zum Veröffentlichen gefunden hatte. Inzwischen hatten wir das Jahr 2008 und mein damaliger Arbeitgeber kooperierte erfolgreich bei Buchkleinauflagen bis fünfhundert Stück mit einem neuen Print-on-Demand-Anbieter: BoD. Ich witterte Morgenluft und probierte dieses Konzept mit meinem angeblich nicht markttauglichen Manuskript.

Der Erfolg gab mir recht

Die Resonanz auf das Buch war gigantisch, gerade weil das Selfpublishing damals etwas ganz Neues war. Meine Verlagskollegen stürzten sich auf das Werk, ich bekam Aufmerksamkeit in Gestalt mehrerer Artikel in der lokalen Tageszeitung, kooperierte mit einem Hersteller für Blindenhilfsmittel und wurde mit dem Roman für den damaligen BoD-AutorenAward nominiert. Dabei ist das Buch wirklich ganz klassisch im »Selbst-ist-die-Frau«-Verfahren des Selfpublishings entstanden: Bis auf das Cover habe ich damals alles selbst gemacht. Statt eines Lektorats haben mich Testleser*innen unterstützt und für Rechtschreibung, Zeichensetzung und Buchsatz war ich selbst zuständig.

Dieses Buch ist noch heute auf dem Markt und begeistert die Leser*innen – in einer vollständig überarbeiteten Neuauflage mit neuem Titel und Cover: »Blind Date mit der Liebe«.

Ganz allein geht es heute nicht (mehr)

Danach war für mich klar, dass ich sehr gut alleine ein Buch auf die Welt bringen kann – dem Selfpublishing sei Dank. Und so sind auch die nächsten Veröffentlichungen in Eigenregie erschienen. Mit jedem neuen Werk habe ich einen anderen Anbieter, d.h. Selfpublishing-Dienstleister ausprobiert, bis ich den für mich passenden gefunden habe und ihm seitdem treu bin.

Hier nun eine Aufstellung der meines Erachtens wichtigsten Dienstleister in alphabetischer Reihenfolge, was keinerlei Wertung darstellt:

Im Unterschied zu meiner Erstveröffentlichung arbeite ich heute mit einem Pool von Dienstleistern zusammen, da ich erkannt habe, dass ich nicht alles alleine machen MUSS, selbst wenn ich es rein technisch könnte. So habe ich heute Lektorinnen, Korrektorinnen, eine Layouterin fürs Buchcover und eine Marketing-Fachfrau, die für mich da sind, wenn ich sie brauche. Lediglich den Buch- und eBooksatz mache ich noch selbst, weil mir das Spaß macht und ich das im Verlag gelernt habe. Zudem werde ich diese Arbeiten in Zukunft auch für andere Autor*innen anbieten, denn auch im Selfpublishing sollten Bücher professionell layoutet sein. Das ist zumindest meine Meinung.

Die nächsten Teile der Beitragsreihe erscheinen jeweils exklusiv am Monatsende im Newsletter und zur Mitte des Folgemonats hier auf dem Blog.

  1. Mein Weg ins Selfpublishing
  2. Was unterscheidet den Verlagsautor vom Selfpublisher?
  3. Wie steht es um die Freiheit als Selfpublisher wirklich?
  4. Ist Selfpublishing der Weg zur Selbstverwirklichung?
  5. Wie sieht es mit der Arbeitsbelastung aus?
  6. Gibt es Konkurrenz unter verlagsunabhängigen Kollegen?
  7. Wo findet das Marketing statt?
  8. Wie kommen Indie-Bücher in den Buchhandel?
  9. Lesung gesucht – der Selfpublisher und der Kontakt zu Leser*innen

Du hast weitere Vorschläge oder Wünsche? Dann schreib sie mir gern in den Kommentarbereich. Genauso Deine Meinung zum Thema.

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Kommentare: 5
  • #1

    Josie Kju (Sonntag, 18 Februar 2018 19:37)

    Ganz toll beschrieben!

  • #2

    Kari (Sonntag, 18 Februar 2018 21:20)

    Liebe Josie,
    vielen Dank! Dein Feedback freut mich riesig.
    Herzliche Grüße
    Kari

  • #3

    Myna Kaltschnee (Montag, 19 Februar 2018 17:03)

    Hallo Kari,

    ein interessanter Artikel. Ich bin schon sehr auf die weiterführenden Artikel gespannt. Ich bin momentan am Überlegen, ob Selfpublishing auch etwas für mich wäre. Ich könnte es mir jedenfalls gut vorstellen.

    Liebste Grüße
    Myna

  • #4

    Kari (Montag, 19 Februar 2018 17:16)

    Hi Myna,

    Danke für dein Lob. Ich versuche ja, einen kleinen Einblick zu geben in all die Themen, die zum Selfpublishing dazugehören. Bücher selbst zu verlegen ist ausgesprochen vielseitig. Es wird nie langweilig, wenn man das ernsthaft betreibt.

    Liebe Grüße
    Kari

  • #5

    Nik (Dienstag, 06 März 2018 10:52)

    Sehr informativ!