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[Werkstatt #10] Netzwerken für Autoren 2.0

Eine Weltkugel aus Porträtfotos vor dem Hintergrund des Universums.
Weltweites Netzwerken – ist das auch für Autor*innen möglich? | Foto: pixabay.com

»Netzwerken« ist ein Schlagwort, dass mir gefühlt überall in den sozialen Medien über den Weg läuft. Oft ist es noch ergänzt mit dem Hinweis »Ohne Netzwerken läuft nichts«: Verbinde dich mit jedem; du weißt nie, ob du die Person (und ihre Kontakte) nicht irgendwann brauchen kannst. Das klingt im ersten Moment gut. Logisch betrachtet macht das ja auch Sinn, oder? Wenn ich »etwas« zu bieten habe, brauche ich möglichst viele Interessent*innen, die mein »Etwas« brauchen können und idealerweise großartig finden. Dann kann ich es ihnen verkaufen – und schon fließen die Euros.

Weil ich diese Argumentation nachvollziehen kann, habe ich genau das umzusetzen versucht. Ich bin Netzwerken beigetreten und habe mich zu Netzwerktreffen aufgemacht. Voller Energie und guter Laune. Trotzdem kam ich mir immer fehl am Platz vor unter all den Beratern, Trainern, Coachs, Dienstleistern und Handwerkern. Sie alle hatten ein handfestes Produkt im Angebot, das sie an den Abenden vorstellten und zu verkaufen suchten. Und ich? Ich hatte Bücher im Gepäck, d.h. Eintauchen in eine Fantasiewelt für ein, zwei Abende im Gegenwert von 12,99 EUR. Dem standen Waren oder Produkte im drei- oder vierstelligen Eurobereich gegenüber. Die Relation hat irgendwie nicht gestimmt.

Ich fühlte mich wie ein Schaf unter Wölfen, das dem Rudel weiszumachen suchte, ein vollwertiges Mitglied ihrer Jagdgemeinschaft zu sein. Nur leider glaubte ich selbst nicht daran; wie sollte ich die anderen davon überzeugen?

Sind zwei, drei verkaufte Bücher ein Erfolg?

Was ich suchte, waren Möglichkeiten zu Lesungen, um meine Bekanntheit zu steigern. Und Wege, vom lokalen Buchhandel wahrgenommen zu werden, denn die direkte Buchhandelsansprache hatte damals wie heute nur wenig Erfolg. Lediglich eine kleine Buchhandlung in einem Wiesbadener Vorort (die Schirner-Buchhandlung »Morgana«) sowie der Frankfurter Hugendubel im Steinweg führen meine Bücher.

Natürlich habe ich an den Netzwerkabenden zwei, drei Exemplare verkauft und im direkten Kontakt entsprechend zwei, drei Menschen für mich und mein Auftreten interessiert, aber ob das nachhaltig war, kann ich nicht sagen. Rein finanziell hat es nichts gebracht: Zwei, drei Stunden meiner Zeit stehen in keinem Verhältnis zum Brutto-Umsatz von rund fünf, sechs EUR.

Seminare zum persönlichen Kennenlernen

Ich habe versucht, den Tipp einer Netzwerkkollegin umzusetzen, und ein Seminar angeboten. Kostenlos, wohlgemerkt – um mich kennenzulernen. Aber je näher der Termin rückte, desto schlechter fühlte ich mich, bis ich schließlich richtig krank wurde und das Seminar absagen musste. Mein Körper sagt mir für gewöhnlich auf diese Art und Weise, dass ich auf dem berühmten »Holzweg« bin. Okay, inzwischen habe ich es begriffen und dergleichen Aktionen für die Zukunft gestrichen.

Diese Form des Netzwerkens ist für mich als Schriftstellerin offensichtlich die falsche. Was also tun? Netzwerken komplett aus dem Sprachgebrauch streichen?

So sieht mein Netzwerken heute aus

Nein. Dagegen stimmten mein gesunder Menschenverstand und meine Begeisterung fürs Netzwerken. Ich liebe es ja, mit Menschen in Kontakt zu kommen und mich mit ihnen auszutauschen. Ich kann mich stundenlang in persönliche Gespräche vertiefen und mich mit völlig Fremden über »Gott und die Welt« unterhalten. Also habe ich genau diese Freude als Wegweiser genutzt und ließ mich zu Autorenkolleg*innen führen, mit denen ich auf einer Wellenlänge schwimme. Dadurch macht das Netzwerken nämlich Spaß und ist obendrein noch effektiv. Allerdings – und das ist der kleine »Haken« – ist dieses Netzwerken in erster Linie auf die Onlinewelt beschränkt, ergänzt mit gelegentlichen persönlichen Treffen.

Auf diese Art und Weise habe ich den Autorinnenclub kennengelernt, mit dem wir uns als weibliche Autorinnen unterstützen – fachlich und mit Reichweite. Die Mitglieder stehen füreinander ein, machen füreinander Werbung und helfen einander, wo es nur geht. Darüber hinaus bin ich dem Selfpublisher-Verband beigetreten, der sich für die Belange und Rechte von verlagsunabhängigen Autor*innen stark macht.

Was steckt hinter meinen Buchempfehlungen?

Sich als Autor*innen gegenseitig zu unterstützen ist in meinen Augen ein hehres Ziel. Allerdings ist es mir persönlich dabei sehr wichtig, auch an diesem Punkt authentisch zu sein. Ich empfehle Bücher meiner Kolleg*innen grundsätzlich nur dann, wenn ich sie zum einen selbst gelesen und zum anderen für gut befunden habe. »Gut« meint dabei, handwerklich, sprachlich und inhaltlich absolut überzeugend. Die Bücher müssen mir nicht zwingend gefallen und auch nicht meinen Geschmack treffen; sie müssen einfach gut gemacht sein.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass eine solche »Sachempfehlung« nie am Menschen orientiert ist. Ich empfehle Bücher unabhängig von meinen persönlichen Freundschaften oder Vorlieben. Dass ich eine Autor*in als Mensch schätze und/oder mag, beeinflusst meine Meinung zum Buch nicht. Zumindest gebe ich mir große Mühe, möglichst neutral zu urteilen.

Darf ich mir noch was wünschen?

Es wäre schön, Netzwerken wäre in der realen Welt für Autor*innen einfacher, als ich es bislang erlebt habe. Gerade der Kontakt zum lokalen Buchhandel und der Weg zu Lesungen ist da sehr steinig. Es braucht – so zumindest meine Erfahrung – immer jemanden, der das Buch bereits gelesen hat und es dem Buchhändler vor Ort empfiehlt. Ich selbst bin bei direkten Ansprachen bisher in der Regel abgeblitzt. Warum? An dem Punkt bin ich ehrlich gesagt ratlos, gebe aber nicht auf, denn ich bin überzeugt davon, dass meine Bücher lesenswert sind und auch den lokalen Buchhandel bereichern könnten.

Nun, zwei Buchhändler kommen bislang ja schon in den Genuss, meine Bücher vor Ort anbieten zu können, und dafür bin ich extrem dankbar. Ich glaube einfach daran, dass es in Zukunft noch mehr werden. Deutschland ist schließlich groß, und Österreich und die Schweiz wunderbare deutschsprachige Nachbarn.

Die nächsten Teile der Beitragsreihe erscheinen jeweils exklusiv am Monatsende im Newsletter und zur Mitte des Folgemonats hier auf dem Blog.

  1. Ausbildung zum Autor
  2. Ideenentwicklung
  3. Figurenentwicklung
  4. Handlungsentwicklung/Plotten
  5. Dramaturgie
  6. Recherche
  7. Rohmanuskript vs. Überarbeitung
  8. Buchsatz
  9. Rezensenten-Team
  10. Netzwerken
  11. Marketing

Du hast weitere Vorschläge oder Wünsche? Dann schreib sie mir gern in den Kommentarbereich. Genauso Deine Meinung zum Thema.

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Folgende Verlinkung kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung:

Schirner-Buchhandlung »Morgana«: http://morgana-online.de/
Hugendubel Frankfurt, Steinweg: http://www.hugendubel.de/de/

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Kommentare: 10
  • #1

    Caroline Régnard-Mayer (Samstag, 25 November 2017 12:07)

    Liebe Kari,
    dein heutiger Blogbeitrag hat mir gut gefallen, denn ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Du weißt ja, dass ich vordergründig über das Thema MS schreibe und da habe ich meinen Weg gefunden: viele Lesungen, Fachzeitschriften und seit neustem kommen Blogger und medizin. App-Betreiber auf mich zu. Hier konnte ich bereits einige Gastbeiträge schreiben. In den sozialen Netzwerken fass ich auch immer mehr Fuß, nur leider sind MS-Autoren schwer dazu bewegen, zusammen zu arbeiten. Auch Blogger. Jeder hat Angst, der andere könnte ein oder zwei Bücher mehr verkaufen. Schade ... so bestreite ich alleine weiter meinen Weg. In den Selfpublisher Verband bin ich auch eingetreten. Im Dezember veranstalte ich mit neobooks eine Leserunde auf LovelyBooks, was mich natürlich megastolz macht, da neobooks auf mich zu kam.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und freue mich auf dein neues Buch im nächsten Jahr.
    Liebe Grüße
    Caro

  • #2

    Kari (Samstag, 25 November 2017 19:47)

    Liebe Caro,
    Danke schön für deinen Kommentar. Das Netzwerken ist wirklich nicht einfach. Ich glaube, man muss seine "Verbindung" finden, die wirklich zu einem passt. Ansonsten verbiegt man sich nur, strampelt wie blöd, und es bringt letztlich doch nichts.
    Die Aktion mit neobooks ist großartig! Herzlichen Glückwunsch. Dass dein neues Buch dort Monatsfavorit geworden ist, ist sensationell. Super. Das bestätigt deine Arbeit und deine Entwicklung als Autorin. Sehr, sehr schön.
    Liebe Grüße
    Kari

  • #3

    Sabrina Kyrell (Freitag, 08 Dezember 2017 23:13)

    Liebe Kari,
    vielen Dank für den interessanten Artikel. Ja, das Netzwerken hat so seine Tücken. Ich tummle mich auf fast allen Social Media Kanälen, aber die Zeit, die ich da hineinstecke, tut mir manchmal weh. Denn sie fehlt mir an anderer Stelle.
    Aber dennoch sind dadurch nette Kontakte entstanden, die ich nicht mehr missen will. Der Schritt zum Kennenlernen im echten Leben ist da nicht mehr weit und das macht dann richtig Spaß.
    Netzwerken sollte wirklich eine persönliche Sache sein.

  • #4

    Kari (Freitag, 15 Dezember 2017 10:36)

    Liebe Sabrina,
    dank des virtuellen Netzwerkens haben wir uns auch irgendwann endlich persönlich kennengelernt. Daraus ist wiederum Neues entstanden.
    Ich denke, du sprichst einen wichtigen Punkt an: Irgendwann ist es Zeit, Netzwerken zum persönlichen Treffen zu erweitern.
    Liebe Grüße
    Kari

  • #5

    Irene Lauretti (Freitag, 15 Dezember 2017 14:00)

    Einfach toll, Dein Einsatz, Elan und Kreativität! Es braucht mehr Frauen wie Dich! !!

  • #6

    Kari (Freitag, 15 Dezember 2017 14:09)

    Danke schön, liebe Irene. Dein Zuspruch tut mir sehr gut. Und freut mich natürlich ungemein.
    Liebe Grüße
    Kari

  • #7

    Durgakarma (Sonntag, 17 Dezember 2017 01:33)

    Hallo Kari,
    Du machst es toll und als Ergänzung fehlt nur, Recherchiere zusammen mit deinen Lesern. Habe das bei Lea Motte erlebt. Netzwerk Partys sind dagegen in der Tat mühsam, da dort entweder Kollegen anzutreffen sind oder wie bei dir mit Handwerkern nicht mal eine Zielgruppe vorhanden ist.

    Danke für die tollen Beiträge


    Der Michael

  • #8

    Kari (Sonntag, 17 Dezember 2017 17:54)

    Hallo Michael,

    »recherchiere zusammen mit deinen Lesern«. Interessanter Gedanke. Das habe ich wirklich noch nicht intensiv genug gemacht. Du hast vollkommen recht. Ich werde mir das in Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Wozu habe ich denn Leser- und Rezensentengruppen? Die Mitglieder haben mit Sicherheit Lust, mehr eingebunden zu werden. Danke für die Anregung!
    Und natürlich freue ich mich, dass dir meine Beiträge gefallen. :-)

    Herzliche Grüße
    Kari

  • #9

    Elisabeth Mecklenburg (Sonntag, 25 Februar 2018 09:29)

    Hallo liebe Kari,
    wie immer lese ich begeistert deine Blogbeiträge, sie sind sehr informativ, ehrlich und sehr aufschlussreich. In vielen Dingen sehe ich auch diese Schwierigkeiten, die mir als Selfpublisher begegnen und ich hoffe sehr für die Zukunft, das wir einfach alle mehr zusammenhalten und auch zusammenarbeiten. Beim SelfpublisherVerband werde ich mich auch noch anmelden, das finde ich auch eine gute Sache.
    Mach weiter so, liebe Kari und ich freue mich schon, wenn wir uns spätestens im Sommer wieder auf der Buchmesse treffen werden :-)
    Liebe Grüße
    Lisa

  • #10

    Kari (Sonntag, 25 Februar 2018 11:59)

    Liebe Lisa,
    Danke schön für deine Rückmeldung – und dein Lob. Das Wort "zusammen" ist für uns Menschen offensichtlich sehr schwierig umzusetzen. Auch "gemeinsam" ist so ein komplexes "Ding", das uns vor ungeahnte Herausforderungen stellt.
    Ja, probier es mal mit dem Selfpublisher-Verband. Das ist eine gute Adresse für verlagsunabhängige Autoren. Der Vorstand ist sehr rührig und achtet dabei deutlich auf "gemeinsam" und "zusammen".
    Ich freue mich auch, dich auf einer der nächsten Buchmessen wiederzusehen.
    LG Kari