Projekt »Sandkastentod« von matì

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Kapitel 1 aus »Sandkastentod« von matì

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Kapitel 2 aus »Sandkastentod« von matì

Die Internetbotschaft vom gestrigen Abend hatte ihn dermaßen aufgewühlt, dass er den Streit mit Marie und die alarmierende Nachricht um Gerds Gesundheitszustand für die Nachtstunden verdrängt hatte. An einen Datenbankdefekt von Friend Care mochte er nicht glauben. Entweder trieb ein Internet-Troll seinen Schabernack, oder jemand, der Anni nahegestanden hatte, war im Begriff, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Johannes hatte sofort das Profil der angeblichen Anneliese Wonn besucht. Aber es waren keine persönlichen Daten hinterlegt worden. Das Profilbild war leer und auch sonst gab es keine Hinweise auf die Eigenschaften des Nutzers. Trotzdem fasste er einen Entschluss, nachdem er Annis Namen gelesen hatte.

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Kapitel 3 aus »Sandkastentod« von matì

Johannes schlug immer härter auf den Sandsack ein. Trotzdem pendelte dieser nur träge unter der Aufhängung herum. Obwohl einige Fenster des Trainingssaals geöffnet waren, hing drückend ein Geruch von Schweiß in der Luft. Gegen die Mittagssonne hatte man die Läden auf der Südseite heruntergelassen, die nur spärliches Licht in das Innere der Sporthalle ließen. Die Atmosphäre erinnerte Johannes an die letzten Runden bei dem Poker-Turnier in Aruba.

Als er genügend Wut in Schläge umgesetzt hatte, umklammerte er schwer atmend den Sandsack und schaute zur Seite durch den Raum. In einer Ecke standen drei Männer mit durchtrainierten Körpern und tuschelten miteinander. Einer zeigte auf Johannes und ein anderer mit einem Irokesenschnitt und einem verblassten Tattoo, das als dornige Rosenranke über seine rechte Schulter den Arm hinunter lief, lachte laut auf. Johannes drehte sich schnaufend um und schlug erneut in den Bereich, wo man das brüchige Leder mit Panzerband umwickelt hatte.

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Kapitel 4 aus »Sandkastentod« von matì

Die Augen der toten Anni hatten ihn die ganze Nacht angestarrt. Dabei machte es keinen Unterschied, ob er wach in die Dunkelheit blickte oder in den kurzen Schlafphasen einen immer wiederkehrenden Traum erlebte. Darin folgte er dem Monster, das Anni auf den Armen trug, durch ein Moor, aus dessen Grund gelblicher Dunst aufstieg. Annis Blick war starr und doch fordernd, als flehe er darum, sie nicht alleine zu lassen. Nachdem Johannes der Gestalt zu einer Stelle im Moor gefolgt war, wo ein hölzernes Kreuz aus dem Morast ragte, blieb sie unvermittelt stehen und drehte sich um. Der Kopf des Monsters bestand aus einer riesigen Murmel, in deren türkis schimmernden Innern eine Gestalt zu erkennen war, die ein Mädchen auf den Armen trug. Dieses Bild zerfloss nach einer Weile zu einem schwarzen geschwungenen Strich, der der Murmel ein breites Grinsen verlieh, als wäre sie ein boshafter Smiley. An dieser Stelle wachte Johannes jedes Mal auf und erblickte in der Dunkelheit seines Zimmers erneut Annis Augen.

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Kapitel 5 aus »Sandkastentod« von matì

»Was? Sagten Sie Mord?« Die Frau hinter der Glasscheibe schaute Johannes mit einem strengen Blick an. »Warten Sie hier und bewegen Sie sich nicht von der Stelle.«

Der Polizist im Nachbarraum hatte die Worte der Frau vernommen und war in die Pförtnerloge gestürmt. »Ich bin der Wachhabende. Was ist hier los? Habe ‚Mord‘ gehört.«

Die Pförtnerin rollte auf ihrem Stuhl nach hinten, um dem Beamten Platz zu machen. »Der Mann hier will einen Mord melden.«

Johannes schaute sich peinlich berührt um und ihn empfingen die neugierigen Blicke der Wartenden hinter ihm. Die wiederum hielten respektvollen Abstand, da Mozart wie ein toter Frosch neben Johannes lag, damit den Eingang zur Polizeistation versperrte und mit hochgezogener Stirn die Menschenansammlung betrachtete. »Hören Sie, ich will keinen Mord melden, sondern würde gerne in die Untersuchungsakten eines Mordes einsehen. Ist das möglich?«

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Kapitel 6 aus »Sandkastentod« von matì

Illustration zum Projekt »Sandkastentod« von matì
Projekt »Sandkastentod« von matì | Illustration vom Autor zur Verfügung gestellt.
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Weihnachtsspecial aus »Sandkastentod« von matì

»Kommen Sie schon, erlösen Sie mich, Frau Pirkner.« Johannes steuerte die Ansicht von Paly Root zurück auf die schneebedeckte Metzgerstraße und hinauf zum Altstädter Markt. Wulste aus Schnee hingen wie Wattebäusche vom Goldschmiedehaus herunter. Schemenhaft konnte er nach ein paar Minuten Gestalten auf dem Bildschirm erkennen, die sich ihren Weg durch das winterliche Hanau bahnten. Er wollte die Menschen wieder zum Laufen animieren und bewegte den Stundenregler vorwärts.

»Du grinst wie ein Honigkuchenpferd, weißt du das überhaupt?« Marie war schon mit Hut und Mantel gewappnet.

»Marie, das hier ist einmalig. Es zeigt die Vergangenheit. Meine Vergangenheit.«

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Kapitel 8 aus »Sandkastentod« von matì

Kurz nachdem Marie das Apartment verlassen hatte, schnappte Johannes den Laptop und warf Mozart einen auffordernden Blick zu. Der Conti sprang sofort von seinem Platz auf und trippelte zur Wohnungstür. »Zeit für ein kleines Experiment. Bist du dabei?« Johannes musste lachen, denn Mozarts Ausdruck verriet, dass der wohl überall dabei wäre, allein, um der Tristesse des Apartments zu entkommen.

Als Johannes am Affentorplatz stand und auf Mozart warten musste, der an jedem Hauseingang stehen blieb und intensiv mit Zeitunglesen beschäftigt war, pfiff das Smartphone in der Brusttasche seines Jacketts Twisted Nerve aus Tarantinos Kill Bill. »Gerd ... du bist in Frankfurt? ... Nein, ich bin nicht zu Hause. Lust auf Frühstück? ... das kleine Café am Affentorplatz ... ja, das mit der Terrasse ... bis gleich.«

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Kapitel 9 aus »Sandkastentod« von matì

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Projekt »Sandkastentod« von matì | Illustration vom Autor zur Verfügung gestellt.
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