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[Spiritualität #7] Was hat der Wald uns zu sagen?

Bildcollage aus menschlichen Schatten vor diversen Uhren | Das Foto stammt von Pixabay
Foto: pixabay.com

Der Wald ist in »aller Munde«. Zumindest mir kommt es in den vergangenen Wochen so vor. Auf der einen Seite wird er aufgrund der langanhaltenden Trockenheit von Bränden bedroht. Auch Schädlinge setzen ihm in Deutschland zu, sodass sich Waldbesitzer und Forstverwaltungen genötigt sehen, mit Pestiziden dagegen vorzugehen. Auf der anderen Seite ist der Wald bei uns ein Wirtschaftsgut, das Ertrag abwerfen soll. Bäume sollen — vielleicht sogar »müssen« — möglichst gewinnbringend verkauft werden. Das erfolgt in der modernen Waldwirtschaft meist mit sogenannten Holzvollerntern, die breite Schneisen in den Wald fahren und Menschen wie mir die Tränen in die Augen treiben.

Wen meine ich konkret mit »Menschen wie mir«? Steigen wir mit diesem Aspekt ins Thema ein. Ich gehöre zu denen, die leidenschaftlich gern im Wald sind. Ich liebe die Energie des Waldes, die Ruhe, die Kühle, den Kontakt zu Bäumen und zum Waldboden. Neudeutsch bezeichnet man das gerne als »Waldbaden«, aber das verbinde ich für mich nicht mit meinen Waldspaziergängen. Ich brauche keine Anleitung und Begleitung, um in den Wald zu gehen. Ich mache das schon immer auf meine Weise — und vor allen Dingen alleine.

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Ich frage Bäume um Erlaubnis

Am liebsten gehe ich sonntagmorgens, wenn gefühlt alle Welt schläft, in den Wald, suche mir die kleinen unbefestigten Pfade, ziehe Schuhe und Socken aus und lasse mich treiben. Manchmal ruft mich ein Baum oder ein Vogel, der in einem Baum sitzt und laut singt. Dann nähere ich mich, bitte um Erlaubnis, den Baum berühren zu dürfen, und tauche in sein Energiefeld ein. Ich lege meine Hände an den Stamm und verliere mich im gegenseitigen Austausch. Tatsächlich spüre ich die Energie fließen — aus meinen Händen in den Baumstamm, über die Füße in die Erde hinein und zugleich über die Hände vom Baum zu mir zurück.

Wer so etwas schon einmal ausprobiert hat, wird mir zustimmen: Danach gibt es weder Stress noch Druck. Wer sich mit einem Baum verbunden hat, ist für den Rest des Tages ein neuer Mensch: tiefenentspannt gewissermaßen.

Aus der Stadt zum Wald und zu den Wurzeln

Blick in einen aufgeschlagenen Timer mit eingetragenen Terminen | Das Foto stammt von Pixabay
Foto: pixabay.com

Bewusst lebe ich die Verbindung zu Bäumen, seitdem ich als junge Erwachsene aus dem Elternhaus ausgezogen bin. Weg aus dem Hochhaus in der City von Frankfurt am Main. Seitdem habe ich mir immer Wohnungen in direkter Nähe von Bäumen gesucht: Auf den Grundstücken selbst gab es immer alte Bäume und in der Nähe Parks mit alten Baumbeständen; und seit über zehn Jahren bin ich in wenigen Minuten zu Fuß in den Wald gelaufen.

Ich bin davon überzeugt, dass ich diese Sehnsucht von meiner Oma mütterlicherseits »mitbekommen« habe. Sie war die Enkelin einer kräuterkundigen Frau, die am Ende ihres Lebens am Waldrand in einem Haus mit eigenem Garten gelebt hat. In meiner Kindheit habe ich sie oft auf ihren täglichen Waldspaziergängen begleitet. Wenn ich daran denke, geht mir heute noch das Herz auf …

Es gehört Mut dazu – und die Erlaubnis der Bäume

Mitte der Neunziger Jahre habe ich eine Dame beobachtet, die einen Baum umarmte. Ich fand das damals äußerst seltsam. Warum tat sie das? Heute weiß ich es, habe allerdings lange gebraucht, um mich selbst zu trauen, einen Baum bewusst zu berühren. Ganz wichtig ist mir dabei, wirklich ernsthaft um Erlaubnis zu fragen. Und wenn ein Nein kommt, dann den Baum auch tatsächlich in Ruhe zu lassen. Ich verbinde mich nur mit den Bäumen, die mich zu sich rufen und mir ihr Ja zur Annäherung geben.

Bäume kommunizieren untereinander

Heute weiß die Wissenschaft, dass Bäume untereinander vernetzt sind. So profitiert ein ganzer Waldabschnitt von einem solch wertschätzenden, liebevollen Kontakt — wie im Umkehrschluss ein ganzer Wald darunter leidet, wenn sich Holzvollernter durch eine Waldfläche arbeiten und einzelne Bäume fällen. Ich habe vergangenen Herbst erlebt, dass ein betroffener Waldabschnitt danach tot war, obwohl natürlich ausreichend Bäume stehen geblieben sind. Doch das Entsetzen, der Schmerz und die Verletzung des Ökosystems war deutlich zu spüren. Bis weit in den Frühling hinein, d.h. über ein halbes Jahr hinweg.

Wenn du dir das nicht vorstellen kannst, empfehle ich dir folgendes Buch von Peter Wohlleben: »Das geheime Leben der Bäume«. Mir hat es vor vielen Jahren die Augen und weitere Sinne geöffnet.

Sein neuestes Buch »Das geheime Band zwischen Mensch und Natur« habe ich noch nicht gelesen; es steht allerdings ganz vorne auf meiner Liste.

Bäume sind Speicher – für Wissen …

Bäume sind aufgrund ihrer Vernetzung eine Art »Wissensspeicher«. Sie übertragen nicht nur untereinander, was in ihrem Ökosystem an einer Stelle passiert (Schädlingsbefall, Feuer, Abholzen uvm.), sondern sie lagern Wissen auch ein. Gerade sehr alte Bäume haben viel »gesehen« und »erlebt«. Viele Veränderungen und Entwicklungen auf unserem Planeten. Sie könnten uns mit Sicherheit einiges erzählen, wenn wir ihnen denn zuhören könnten — und würden.

… und für CO₂

Ein weiterer Aspekt, der Bäume sehr wichtig macht für die Zukunft unseres Planeten, geistert seit Kurzem ebenfalls durch die Medien: ihre Fähigkeit, CO₂ zu speichern. Hinzukommt, dass sie — gerade in sommerlich aufgeheizten Städten — kühlen und Schatten spenden. Ich bilde mir ein, der Schatten unter einem Baum hat eine ganz andere Qualität als der unter einem Sonnenschirm oder einer Markise.

Ein pfleglicher Umgang mit der Ressource Wald ist mit Sicherheit ein sinnvoller Baustein, um auf unserem Planeten auch in Zukunft ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Manchmal lese ich von Ländern auf anderen Kontinenten, in denen Menschen gemeinsam Hand in Hand Bäume pflanzen und so dürre Landstriche ergrünen lassen. Wäre das nicht eine schöne Idee auch bei uns in Deutschland? Mir jedenfalls gefällt dieser Gedanke. Vielleicht gibt es irgendwann statt freitäglicher Demonstrationen, die die Angst vor dem nahen Weltuntergang schüren, konstruktive, positive Pflanz- und Pflegeaktionen für die Gemeinschaft aller Lebewesen auf diesem Planeten mit z. B. Gärtnern, Gießen oder Müllsammeln. Ideen und Möglichkeiten gibt es dazu bestimmt reichlich, wenn wir uns erlauben, in diese Richtung zu denken.

Das sind die Themen der nächsten Beiträge zur Blogreihe »Spiritualität in meinem Alltag«:

  1. Einführung ins Thema »Spiritualität«
  2. Die Wurzeln meiner Spiritualität
  3. Heutige Quellen meiner Spiritualität
  4. Heiliger Akt des Schreibens
  5. Bedeutung der Selbstliebe
  6. Ich bin das ich bin
  7. Spirituelle Bedeutung des Waldes
  8. Spirituelle Bedeutung des Reisens
  9. Kryon

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