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[Selfpublishing #9] Ich will mein Buch im Buchhandel sehen

Bildcollage aus menschlichen Schatten vor diversen Uhren | Das Foto stammt von Pixabay
Foto: pixabay.com

Provokanter Titel, ich weiß. Vielleicht klingt er auch ein wenig arrogant, denn als Selbpublisherin habe ich mich ja gerade für den Weg "außerhalb" des klassischen Buchbetriebs aus Verlag und Buchhandel entschieden. ABER wir schreiben inzwischen das Jahr 2019. Das Selfpublishing ist aus der "Schmuddelecke" des Buchschreibens und -verlegens herausgetreten. Warum sollte ich dann nicht den Wunsch hegen, mein Buch im lokalen Buchhandel ausliegen zu sehen und dort zu verkaufen?

Für mich persönlich ist der örtliche Buchhandel die "Königsdisziplin": die größte Herausforderung, der ich mich stellen darf und in Zukunft auch wieder verstärkt stellen werde. Nicht umsonst heißt es, der Weg führt durch die Angst. Wobei hier "Angst" eher sinnbildlich zu verstehen ist – als Scheu, als "Die wollen eh nichts von mir wissen, dann lassen wir es doch gleich". Darüber erzähle ich dir ein wenig mehr.

 

Mein Buch ist das tollste überhaupt

Mit meinem ersten selbstverlegten Buch ging es mir 2008 so, wie vielen anderen Selfpublishern und Selfpublisherinnen auch heute noch: Ich war stolz und überglücklich, endlich mein Baby in den Händen zu halten, an dem ich fünf Jahre lang hart gearbeitet hatte. Das mich gefühlt tausend Wochenenden und ebensoviele Nächte begleitet hatte. Natürlich würde jede Buchhandlung ebenso begeistert davon sein und es ins Programm aufnehmen.

Dachte ich.

Die Realtität sah anders aus: Ich bin fast überall abgeblitzt, teilweise ausgelacht worden wegen der "dilletantischen" Aufmachung. Dabei hatte ich für das Cover einen Haufen Geld bezahlt. Aber, wie gesagt, ich hatte keine Ahnung von genrespezifischen Buchumschlägen. Nur zwei Wiesbadener Buchhandlungen waren bereit gewesen, sich das Buch überhaupt anzuschauen und auch auszulegen. In beiden wurden die Exemplare verkauft, nur von einer habe ich das Geld ausgezahlt bekommen (abzgl. des Buchhandelsrabatts natürlich). Und das waren genau die Buchhandlungen, in die ich selbst immer zum Bücherkaufen ging. D. h. hier hatte ich wahrscheinlich einen Treue-Kundin-Bonus.

Nur eine Buchhandlung hat meine Bücher auf Lager

Je mehr Bücher ich dann im weiteren Verlauf meiner Autorin- und Selfpublisherin-Karriere veröffentlichte, desto zurückhaltender wurde ich mit lokalen Buchhandlungen. In Buchläden, die ich noch nie zuvor betreten hatte, ging ich gar nicht erst rein, um zu fragen, ob sie mein Buch ausstellen würden. Große Ketten habe ich ebenso gemieden; da rechnete ich mir null Chancen aus. Lediglich die beiden spirituellen Buchhandlungen Wiesbadens habe ich angeschrieben – mit einer 50-prozentigen Erfolgsquote: Meine spirituelle Seelenreise-Reihe steht im Stadtteil Wiesbaden-Biebrich in der Schirner-Buchhandlung "Ambrosius" zum Verkauf. Ganz offiziell und ohne Auslieferung über mich. Der dortige Buchhändler hat direkt im Barsortiment geordert und tut dies auch weiterhin. Lediglich Werbematerial bringe ich ihm gelegentlich vorbei.

Was habe ich daraus für mich gelernt?

Wenn ich als Autorin möchte, dass meine Bücher im örtlichen Buchhandel verkauft werden, ist es wichtig, zu den Buchhandlungen einen persönlichen Kontakt zu pflegen. Also zumindest dort meine eigenen Buchkäufe zu tätigen. Dann kennt man mein Gesicht und ich kann bei Gelegenheit auch mal was in eigener Sache fallenlassen. Wenn es eine kleine, Inhaber geführte Buchhandlung ist, sind die Chancen natürlich noch besser, weil ich mich mit dem Inhaber über dieses und jenes unterhalten kann und er mich so vielleicht in Erinnerung behält.

Was braucht der Buchhändler von mir?

Blick in einen aufgeschlagenen Timer mit eingetragenen Terminen | Das Foto stammt von Pixabay
Foto: pixabay.com

Da sind wir bei einem ganz wichtigen Punkt: Als Selfpublisher bzw. Selfpublisherin läuft die Aufnahme ins Sortiment einer Buchhandlung noch immer in erster Linie über den persönlichen Kontakt. Der Autor bzw. die Autorin muss persönlich in den Laden kommen, sich und ihr Werk vorstellen und dann die Entscheidung des Buchhändlers akzeptieren. Heulen, Jammern oder Beleidigtsein bringen gar nichts.

Voraussetzung dafür sind allerdings ein paar grundsätzliche Formalien:

  • Das Buch hat eine deutsche ISBN (und, nein, die von Amazon zur Verfügung gestellte genügt nicht),
  • ist im VLB gelistet und
  • über mindestens einen Barsortimenter zu beziehen (besser sind natürlich alle, die da wären: Libri, KNV, Köhnemann und Umbreit).

Das kann man entweder selbst organisieren oder über einen Dienstleister wie BoD, epubli, tredition oder NovaMD organisieren lassen. Wenn diese drei Punkte bei (D)einem selbstverlegten Buch nicht gegeben sind, kannst Du Dir den Weg in den Buchhandel sparen. Klingt hart, ist aber so.

Warum nicht nur bei Amazon?

Wenn Du Dein Printbuch ausschließlich über Amazon veröffentlichst, weil

  • das Handling unkompliziert ist,
  • die Lieferzeiten von Anfang an kurz gehalten sind,
  • Du günstige Preise anbieten kannst bzw. im Umkehrschluss eine hohe Gewinnmarge einstreichen kannst,
  • Du schnell und unkompliziert ein Word-Dokument hochladen kannst und "KDP das schon macht",

... dann hast Du Dich bewusst für diesen Weg entschieden – im Wissen, dass Du einen Großteil der deutschen Leserinnen und Leser ausschließt. Viele kaufen auch heute noch im traditionellen Buchhandel und – das solltest Du nicht außer Acht lassen – hegen eine mitunter ideologische Abneigung gegen das US-Unternehmen Amazon. ABER, wie gesagt, dass ist (D)eine persönliche Entscheidung, in die ich Dir keinesfalls reinreden will und werde.

Das war’s mit dem Blogthema 2018

Damit schließe ich meine Jahresblogreihe über das Selfpublishing. Ich hoffe, Du hast interessante Aspekte gefunden, die Dich in Deiner Autorenentwicklung weitergebracht haben. Für 2019 werde ich – nach einer Umfrage unter meinen Leserinnen und Lesern – über "Spiritualität in meinem Alltag" bloggen. Du bist herzlich eingeladen, auch dieser Blogreihe zu folgen. Gerne per Newsletter oder über das RSS-Abonnement.

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Kommentare: 4
  • #1

    Ruprecht Frieling (Freitag, 11 Januar 2019 09:57)

    Der von dir sehr schön beschriebene Weg der persönlichen Kontaktaufnahme funktioniert natürlich nur in Orten, in denen es noch einen Buchladen gibt. Was empfiehlst du denn denjenigen, die keinen direkten Zugang haben?

  • #2

    Kari (Freitag, 11 Januar 2019 15:15)

    Lieber Rupi,
    erst einmal herzlichen Dank für deinen Kommentar zum Blogbeitrag. Du triffst genau den wunden Punkt der Achse »stationärer Buchhandel – verlagsunabhängiger Autor«. Eine automatisch funktionierende Verbindung gibt es nicht, zumindest meines Wissens nicht. Vielleicht noch nicht, doch auch Verlage benötigen den Buchhandelsvertreter, der herumreist und den Buchhandlungen die Kataloge vorstellt und ihnen einzelne Titel empfiehlt. So braucht es auch den Selfpublisher, der quasi die Vertreterfunktion übernimmt, sich in Bewegung setzt und im Buchhandel vorspricht. Und wenn es keinen Buchladen mehr vor Ort gibt, wird er (oder sie) sich ins Auto oder die öffentlichen Verkehrsmittel setzen und auf diesem Weg zur gewünschten Buchhandlung fahren müssen. Alternativ gibt es vielleicht einen Freund, Angehörigen oder Kollegen, der dies für ihn in die Hand nimmt.
    Manchmal hilft auch ein kurzes Schreiben – ein tatsächlicher Brief mit Infomaterial –, den sich der Buchhändler ansehen kann (oder in den Müll wirft). Von E-Mails rate ich ab, da es dafür eine Einwilligung zur elektronischen Werbung benötigt. Und Anrufe im Vorhinein können Erfolg haben, müssen aber nicht, denn Buchhändler sind in der Regel mit Kunden beschäftigt und haben wenig Zeit für »Plaudereien« am Telefon.
    Ich hoffe, dir mit meiner Antwort weitergeholfen zu haben.
    Viele Grüße
    Kari

  • #3

    Michael (Donnerstag, 24 Januar 2019 20:16)

    Ja, der Buchhändler hat es schwer. Jedes Jahr hat er 60 000 - 70 000 Titel neu zu bewältigen von konservativen Buchverlage, dann kommen - die ehrenwerten - Self publisher. Wie soll ein einzelner Händler das händen? Jedes Buch ist wichtig, jedes wird ernst genommen. Leider fallen immer Titel bei der Fleisch ä Buchbeschau hinten runter- allein schon aus finanziellen Gründen, denn der Buchhändler muß in Vorleistung gehen und kauft nach seinem Gusto...

  • #4

    Kari (Donnerstag, 24 Januar 2019 20:29)

    Danke für deinen Kommentar, Michael. Genau WEIL der Buchhändler Herr seines Ladens ist, halte ich es für wichtig, gerade als Selfpublisher dort persönlich vorzusprechen und das eigene Werk vorzustellen. Quasi als Verlagsvertreter »in klein«.
    Und da der Buchhändler in Vorlage geht, gibt es über die Barsortimenter die Möglichkeit, nicht verkaufte Exemplare remittieren zu lassen. In Maßen, aber immerhin.