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[Selfpublishing #7.1] Wie gestalte ich eine erfolgreiche Lesung?

Nächtlicher Sternenhimmel mit Milchstraße und Sternschnuppen | Das Foto stammt von Pixabay
Foto: pixabay.com

Kommen wir im zweiten Teil des Blogbeitrags zu all den nachfolgenden Schritten, die es braucht, um eine Lesung – online wie im realen Leben – erfolgreich »über die Bühne« zu bringen. Einen Lesetermin ergattert zu haben, ist der erste große Erfolg, doch dann heißt es, wie überzeugst Du Dein Publikum?

Ich unterteile meine Tipps in »Vorbereitung« und »Veranstaltung«. Sicher erfinde ich hier nichts Neues, habe aber das Gefühl, ich sollte die Punkte zumindest erwähnen. Ob Du Dich von ihnen inspirieren lässt, bleibt dabei Dir selbst überlassen.

Vorbereitungen für die Lesung

1. Bücher und Werbematerial

Hast Du für die Veranstaltung ausreichend Bücher, um sie zu signieren und zu verkaufen? Hast Du Werbematerial, das sich Deine Leserinnen und Leser mitnehmen können, um in Ruhe darüber nachzudenken, ob sie mehr von Dir lesen wollen? Das können Leseproben, Autogrammkarten, Kugelschreiber oder sonstige Goodys sein.

2. Gestaltung der Veranstaltung

Hast Du eine Idee, in welcher Form Du den Abend – oder die Lesezeit – ablaufen lassen möchtest? Hast Du nur einen kurzen Leseslot oder bedarf es eines abendfüllenden Programms inklusive Pause? Davon hängt ab, wieviel Zeit Dir zum Lesen zur Verfügung steht.

Dabei ist es meiner Erfahrung nach sinnvoll, nicht die komplette Zeit zum Lesen einzuplanen. Du benötigst eine An- und Abmoderation und leitest immer wieder zu den einzelnen Lesestellen über, indem Du das Publikum auf die jeweiligen Inhalte vorbereitest. Machst Du das sachlich – oder humorvoll mit einem kleinen Augenzwinkern? Vielleicht willst Du sogar eine Comedyshow daraus machen, wie Vera Nentwich das so genial umsetzt. Bei ihr kannst Du auch gerne vorbeischauen, um zu erfahren, wie viel »Vorbereitung« dafür notwendig ist.

Wenn Du ein Sachbuch präsentierst, ist es eventuell sinnvoll, eine Präsentation parallel zur Lesung laufen zu lassen, damit das Publikum die Inhalte auch »vor Augen« hat. Also wäre zu klären, ob der Veranstalter das entsprechende Equipment zur Verfügung stellt – oder ob Du es mitbringen musst. Und auch dafür solltest Du Deine Veranstaltung mit Hilfe von Moderationskarten o.ä. planen.

Möchtest Du Deine Lesung mit einem anderen Künstler ergänzen bzw. auflockern? Viele Autoren arbeiten mit einem Musiker oder einer Band zusammen. Wäre das was für Dein Buch bzw. Deine Zielgruppe? Dann gehört auch dieser Punkt auf Deine Vorbereitungsliste.

Welche Stellen willst Du lesen? Wähle sie mit Bedacht aus – entsprechend Deiner Veranstaltungsdramaturgie –, und übe mehrfach vor dem Spiegel, sie laut zu lesen. Das hilft Dir bei der eigentlichen Veranstaltung, um locker und entspannt zu bleiben.

3. Deine Stimme

Symbolbild für eine weltweite Vernetzung durch das Internet | Das Foto stammt von Pixabay
Foto: pixabay.com

... ist logischerweise bei einer solchen Veranstaltung zentral. Also solltest Du ihrer Wirkung sicher sein. Ich nehme mich beim Üben im Vorfeld gerne auf, um zu hören, ob meine Stimme abwechslungsreich klingt und möglichst wenig durch einen Dialekt eingefärbt ist. Um verschiedene Personen, Situationen, Emotionen und auch eine neutrale Erzählstimme lesen zu können, sollte ich unterschiedliche Tonlagen und Sprachbilder zum Ausdruck bringen können. Eine junge Frau klingt anders als ein älterer Mann, ein arroganter Schnösel anders als eine frisch verliebte Jugendliche, Hass will anders vorgetragen werden als Freude oder Glück. Okay, ich glaube, Du verstehst, was ich meine.

Wenn Du das – zumindest in Maßen – beherrschst, ist das super. Andernfalls könntest Du darüber nachdenken, ein Sprechtraining zu buchen. Ich habe sowas mal bei einem Theater-Schauspieler gemacht und bin noch heute sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Meine Zuhörer übrigens auch 😉

Während der Veranstaltung

4. Wirke mit Deinem Wesen

Nun, zumindest mit dem, was für Dein Publikum sicht- und hörbar ist. Was ich damit meine? Egal, wie nervös Du sein solltest, ist es wichtig, bei der Lesung in Kontakt mit deinen Zuhörern zu sein. Wende dich ihnen mit einer »offenen« Körperhaltung zu: keine übereinandergeschlagene Beine, keine vor der Brust verschränkten Arme, kein Verstecken hinter Bücherstapeln oder vors Gesicht gehaltenen DIN A4-Blättern, aus denen Du vorträgst. Schau Dein Publikum offen an. Sieh den Zuhörern ins Gesicht. Nicke ihnen zu, lächle, wenn es passt – oder runzle die Stirn, je nachdem, was der Text oder Deine Moderation erforderlich machen.

Wenn es Dir möglich ist, sprich frei. Und auch beim Vorlesen kannst Du immer mal wieder den Blick vom Buch heben und Kontakt zu Deinen Zuhörern suchen. Schau, ob sie interessiert sind – oder vielleicht schon abgeschaltet haben. Auf diese Art und Weise habe ich schon Lesungen abgekürzt oder verlängert ...

5. Gestalte Deine Lesung lebendig

Scherze mit Deinen Zuhörern. Flirte mit ihnen. Reiß sie mit. Berühre sie, damit sie weder Dich noch Dein Buch vergessen. Warum hinter einem Tisch verschanzen, wenn Du auch im Stehen oder gar in Aktion lesen bzw. moderieren kannst?

Gibt es ein Maskottchen für Dein Buch? Bring es mit und lass es lebendig werden.

Rock die Veranstaltung! Ich wünsche Dir viel Erfolg damit.

Die nächsten Teile der Beitragsreihe erscheinen jeweils exklusiv am Monatsende im Newsletter und zur Mitte des Folgemonats hier auf dem Blog.

  1. Mein Weg ins Selfpublishing
  2. Was unterscheidet den Verlagsautor vom Selfpublisher?
  3. Wie steht es um die Freiheit als Selfpublisher wirklich?
  4. Ist Selfpublishing der Weg zur Selbstverwirklichung?
  5. Wie sieht es mit der Arbeitsbelastung aus?
  6. Gibt es Konkurrenz unter verlagsunabhängigen Kollegen?
  7. Lesung gesucht – der Selfpublisher und der Kontakt zu Leser*innen
  8. Wo findet das Marketing statt?
  9. Wie kommen Indie-Bücher in den Buchhandel?

Du hast weitere Vorschläge oder Wünsche? Dann schreib sie mir gern in den Kommentarbereich. Genauso Deine Meinung zum Thema.

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