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[Selfpublishing #5] Wie ist das mit der Arbeitsbelastung?

Bildcollage aus menschlichen Schatten vor diversen Uhren | Das Foto stammt von Pixabay
Foto: pixabay.com

Als ich Anfang des Jahres den Redaktionsplan für 2018 erstellt habe, hatte ich keine Ahnung, wie präsent das Thema »Arbeitsbelastung« für mich als Selfpublisherin genau zum jetzigen Zeitpunkt sein würde. Während ich diesen Artikel konzipiere und überarbeite, haben wir Mai bzw. Juni 2018 — und ich hänge meinem Terminplan um drei bis vier Wochen hinterher. Warum? Aufgrund der übermäßigen außerplanmäßigen Arbeitsbelastung.

Wenn Du Dich nun fragst, ob ich nicht ein wenig übertreibe, schließlich ist der Sinn eines Redaktionsplans ja genau der, sich rechtzeitig optimal zu organisieren, erwidere ich Dir: »Danke für den Einwurf, der uns mitten in das Thema des heutigen Beitrags führt.«

Welche Arbeitsbelastung hat ein Selfpublisher bzw. eine Selfpublisherin?

Das bisschen Schreiben ist doch nun wirklich keine »Arbeit«; das ist Spaß – oder sollte es zumindest sein, sonst hätte ich meinen Beruf verfehlt.

 

Fangen wir vorne an: Das Autorenleben besteht nicht nur aus Schreiben. Im Falle eines Selfpublishers bzw. einer Selfpublisherin sind es maximal fünfzig Prozent der Arbeit. Ich schätze, es sind sogar weniger. Dreißig, höchstens vierzig Prozent meiner Erfahrung nach. Der »Rest« sind Recherche, Überarbeiten, Gestalten der Veröffentlichungsformate und extrem viel Marketing. Gut gemachtes Marketing, das vorwiegend aus Netzwerken und Beziehungspflege in den sozialen Medien besteht. Dazu habe ich bereits einige Blogartikel geschrieben. Schau mal hier und dort.

Schreiben als Berufung

Bildcollage aus einer Waldsilhouette und einem dahinterliegenden Ziffernblatt einer Uhr | Das Foto stammt von Pixabay
Foto: pixabay.com

Autorin, vielleicht sogar Schriftstellerin zu sein ist für mich eine Berufung. Das Leben, mein Leben hat mir keine andere Wahl gelassen. Wie viele andere Menschen auch habe ich nach dem Abitur studiert, Praktika absolviert und dann einen Beruf ergriffen, in dem ich zwanzig Jahre lang als Angestellte tätig war. Geschrieben habe ich immer, teilweise im Rahmen meines Berufes im Verlag, teilweise nachts nebenher. Und dieses »Nachts Nebenher« war irgendwann so stark, dass ich es nicht mehr unterdrücken konnte. Ja, ich habe es versucht. Ich habe das Schreiben aufgegeben, als mich Hauptberuf, zwei Nebenjobs und eine Weiterbildung plus die alleinige Verantwortung für ein Kind in die Knie zwangen (Stichwort »Burnout«). Aber glücklich gemacht hat mich das bei Weitem nicht. Ich fühlte mich leer und das Leben erschien mir sinnlos. Ich habe nur noch funktioniert, damit am Ende des Monats das Konto ausgeglichen war.

Als auch dieser »normale« Weg erneut in ein Burnout geführt hat, habe ich mich aus allem rausgezogen – und mich gefragt, wie es weitergehen soll. Offensichtlich war es an der Zeit, mein Leben komplett umzukrempeln. Genau das habe ich getan und bin seitdem dort, wo ich heute stehe.

Selfpublishing ist Arbeit. Viel Arbeit.

Damit sind wir wieder beim Thema »Arbeitsbelastung«. Meine Art des Selfpublishings, nämlich komplett für alles verantwortlich zu sein und, ähnlich einem Verlag, den vollständigen Veröffentlichungsprozess zu steuern, zieht eine hohe Arbeitsbelastung nach sich. Für mich ist das ein Fulltime-Job, den ich mit Begeisterung erledige. Ohne dieses Brennen für mein Tun könnte ich dieser Arbeit nicht nachgehen. Ich persönlich kann und will anders nicht mehr arbeiten.

Hinzukommt, dass ich meine Berufserfahrung durch die Verlagsarbeit und die Arbeit als Selfpublisherin auch anderen Autoren zur Verfügung stelle. Dies geschieht zum einen im Rahmen des Autorinnenclubs für die dortigen Kolleginnen, zum anderen biete ich mein Können auch anderen Autoren und Autorinnen an. Dafür habe ich Anfang des Jahres ein zweites Unternehmen gegründet.

Mein Fazit zum Thema

Wer das Selfpublishing als ernsthaften Weg betrachtet, um seine Gedanken, sein Fachwissen oder seine Geschichten mit der Welt zu teilen, der sollte sich darüber im Klaren sein, wie hoch die Arbeitsbelastung tatsächlich sein wird. Es ist ein anspruchsvoller Weg, insbesondere wenn er nebenberuflich in der Freizeit erfolgt. Mir nötigt dies sehr viel Respekt ab. Das funktioniert nur mit gutem Zeitmanagement, Unterstützung durch Familie, Freunde und Dienstleister sowie einem inneren Brennen, das immer wieder von Neuem dazu motiviert durchzuhalten.

Da wäre noch was …

Blick in einen aufgeschlagenen Timer mit eingetragenen Terminen | Das Foto stammt von Pixabay
Foto: pixabay.com

»Zeitmanagement« ist ein Punkt, den ich an dieser Stelle kurz streifen möchte, weil er hilft, die Arbeitsbelastung zu bewältigen. Im Internet gibt es dazu etliche Seiten und Beiträge; deswegen nur kurz meine persönlichen Tools:

● ein Timer in Papierform, in dem ich alle Termine, Aufgaben und Projekte – beruflich wie privat – eintrage und priorisiere
● ein strikter Abgleich mit einem Online-Terminkalender, der mit Smartphone und PC synchronisiert ist und mich akkustisch und optisch an feststehende Termine erinnert
● das Arbeiten mit der Promodoro-Technik
● der Einsatz von Musik per Kopfhörer, um mir eine störungsfreie Umgebung zu schaffen
● regelmäßige Zeitinseln für Meditation, Sport und Spazierengehen in der Natur, um in der Balance zu bleiben
ein freier Tag pro Woche, an dem nicht gearbeitet und in Zukunft auch das Internet ausgeschaltet bleiben wird.

Das ist mein Weg, mit der hohen Arbeitsbelastung klar zu kommen und dabei gesund und ausgeglichen zu bleiben. Vielleicht inspiriert er dich ja für dein persönliches Vorgehen. Ich wünsche dir auf alle Fälle viel Erfolg dabei.

Die nächsten Teile der Beitragsreihe erscheinen jeweils exklusiv am Monatsende im Newsletter und zur Mitte des Folgemonats hier auf dem Blog.

  1. Mein Weg ins Selfpublishing
  2. Was unterscheidet den Verlagsautor vom Selfpublisher?
  3. Wie steht es um die Freiheit als Selfpublisher wirklich?
  4. Ist Selfpublishing der Weg zur Selbstverwirklichung?
  5. Wie sieht es mit der Arbeitsbelastung aus?
  6. Gibt es Konkurrenz unter verlagsunabhängigen Kollegen?
  7. Lesung gesucht – der Selfpublisher und der Kontakt zu Leser*innen
  8. Wo findet das Marketing statt?
  9. Wie kommen Indie-Bücher in den Buchhandel?

Du hast weitere Vorschläge oder Wünsche? Dann schreib sie mir gern in den Kommentarbereich. Genauso Deine Meinung zum Thema.

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