· 

Wie finde ich das Cover zum Buch?

Ein alter Friedhof mit schief stehenden Grabsteinen

Ein Buch besteht nicht nur aus einer Geschichte, die entworfen, geschrieben und überarbeitet wird. Genauso wichtig, dabei in meinen Augen aber noch viel auffälliger, ist das Mäntelchen, das ich meiner Geschichte überstreife, bevor ich sie — bildlich gesprochen — zum Spielen auf die Straße schicke. Ich spreche vom Cover, mit dem ich Dich sowie andere Leser und Leserinnen auf den Inhalt aufmerksam mache. Das Cover soll neugierig machen, braucht einen markanten Titel, der alles (und doch nichts) verrät, und auf der Rückseite einen Klappentext, der Dich endgültig ins Buch hineinzieht und zum Lesen verführt.

Ganz schön viele Anforderungen auf einen Schlag, oder? Tja, wie komme ich denn nun zu so einem Cover, das all die genannten Punkte abdeckt? »Outsourcen«. In andere, professionelle Hände geben. Ein Cover mache ich persönlich niemals selbst. Dafür muss man meines Erachtens als Grafiker bzw. Coverdesigner ein Künstler sein, der oder die sein Handwerk beherrscht. Für mich ist das die richtige Entscheidung, allerdings kenne ich auch Autoren, die selbst wunderbare Cover gestalten können, so z. B. Benjamin Spang und Heike Fröhling. Kreative Tausendsassas, vor denen ich meinen Hut ziehe.

Hier nun mein Weg

Da ich also mit einem Dienstleister für meine Buchcover zusammenarbeite, ist es notwendig, mir im Vorhinein Gedanken zu machen. Ich starte damit bereits während des Schreibprozesses. Am liebsten ist es mir, wenn ich die Rohfassung eines Buches abgeschlossen habe und bereits in der Überarbeitung stecke, weil ich dann die Schwerpunkte der Geschichte und die Figuren genau kenne. Oftmals beginne ich allerdings schon deutlich früher, weil auch mein Dienstleister einen vollen Terminkalender hat, was ich in meine Planung miteinbeziehen muss.

1. Termin

Der erste Schritt ist für mich immer die Terminbuchung bei dem Grafiker bzw. der Grafikerin meiner Wahl. Drei bis vier Monate vor meinem Wunschtermin kümmere ich mich um einen Zeitslot, um eBook- und Printversion des Covers sowie begleitendes Material erstellen zu lassen, z. B. andere Größenformate für Leseproben oder Autogrammkarten und freigestellte Versionen des Covers für Marketingaktionen.

2. Titelsuche

Sobald ich die Handlung eines Buchs in Gänze erfasst habe, suche ich nach einem passenden Buchtitel. Dafür braucht es die »eierlegende Wollmilchsau«, sprich einen Titel, der zur Story passt und noch nie verwendet wurde. Gar nicht so einfach, manchmal sogar schier unmöglich.

Wenn ich dann ein paar Ideen habe, gebe ich sie bei Amazon ein, um zu überprüfen, ob es die Titel bereits gibt bzw. gegeben hat. Anschließend checke ich sie beim »Titelschutz« unter buchmarkt.de. Wenn der Titel auch dort frei und nicht vergeben ist, kann ich ihn nehmen.

So abgeklopfte Titelvorschläge stelle ich dann in meiner Rezensenten-Team-Gruppe zur Diskussion. Ich bin an dem Punkt betriebsblind. Außerdem sehen Leser und Leserinnen meine Titelvorschläge immer noch mal aus einer komplett anderen Perspektive.

3. Titelschutz

Sobald ich nun mit meinem Rezensenten-Team einen Buchtitel herausgearbeitet habe, der uns alle begeistert, lasse ich diesen (und ein, zwei andere Versionen) für die kommenden sechs Monate reservieren. Damit ist mein Titel für alle anderen gesperrt. Auch das erfolgt über die Titelschutz-Seite bei buchmarkt.de.

4. Infomaterial für den Coverdesigner bzw. die -designerin

Etwa eine Woche, bevor der Grafiker bzw. die Grafikerin ans Werk gehen wird, stelle ich Informationen zusammen, damit er/sie direkt loslegen kann. Dabei gebe ich Einblick in:

  • Die Prämisse plus eine kurze Inhaltsangabe in vier, fünf Sätzen
  • Das Genre
  • Die Hauptfiguren und deren Charakteristika
  • Den präferierten Buchtitel (und ob das Buch zu einer Reihe gehört)
  • Die Maße fürs eBook
  • Die Maße fürs Taschenbuch, wobei die Rückenbreite an dieser Stelle nur geschätzt werden kann, aber meist treffe ich dennoch ins Schwarze …

Weitere Vorgaben gibt es von meiner Seite aus nicht, um die Kreativität meines Gegenübers nicht unnötig einzuschränken.

5. Coverentwürfe

Und wenn dann endlich die ersten Vorschläge fürs Cover eintrudeln, bin ich jedes Mal aufs Neue überrascht, was aus meinen wenigen Hinweisen Großartiges entstanden ist. Auch an dieser Stelle diskutiere ich alle Vorschläge mit meinem Rezensenten-Team, das mir mit seinem Feedback eine unschätzbare Hilfe ist. Wofür sich die meisten von ihnen einschließlich mir aussprechen, das wird dann das finale Cover.

Cover der Seelenreise-Novelle »Am Abgrund der Dunkelheit« von Kari Lessír
Das finale Cover der Seelenreise-Novelle »Am Abgrund der Dunkelheit« | © Juliane Schneeweiss, www.juliane-schneeweiss.com

Zum Schluss ein bisschen was zum Schmunzeln

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht auch bei mir hin und wieder ein klitzeklein wenig anders aus. So ist es mir beim Cover für die Novelle passiert, dass am Ende der Titelsuche — und nach Abschluss der Überprüfung, ob die Titel noch frei sind — ein Vorschlag eintrudelte, der alle begeistert hat. Auch mich. So habe ich ihn unbesehen zur Grafikerin geschickt …

Soll ich fortfahren? Wir hatten das Cover bereits final verabschiedet, als ich den Prozess abbrechen musste, um einen neuen Buchtitel zu suchen, der (a) noch nie verwendet worden war und (b) dennoch zum Buchinhalt sowie vom Textumfang her aufs Cover passte. Ich habe sprichwörtlich »Blut und Wasser« geschwitzt. Deswegen halte ich mich normalerweise an die Theorie — bis mir das Leben dazwischen kommt …

Weitere Beiträge der Reihe:

1. Was ist eine Novelle?

2. Worum geht es in der Seelenreise-Novelle?

3. Auf dem Weg zum Cover der Novelle

Kommentar schreiben

Kommentare: 0