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[Werkstatt #8] Wie liest es sich angenehm?

Aufgeschlagenes Taschenbuch
Blick in das Taschenbuch von »Plus Size für die Liebe: Seelenreise #3«

Sobald das Manuskript eines Romans fertig überarbeitet ist und auch die Rückmeldungen von Lektorat, Korrektorat und Testleser*innen eingepflegt sind, geht es für mich im nächsten Schritt darum, wie ich den Text optisch aufbereite, damit er sich angenehm liest. An dieser Stelle gehe ich von mir selbst aus: Ein Buch, bei dem ich mich durch die Seiten quäle, weil zum Beispiel die Zeilen sehr dicht untereinander hängen oder so lang sind, dass ich beim Lesen den Finger mitlaufen lassen müsste, um nicht den Textfluss zu verlieren, lege ich ziemlich schnell zur Seite. Da mag mich der Inhalt noch so sehr interessieren.

Beim eBook kann ich durch die Einstellungen meines Readers einigermaßen für Abhilfe sorgen; beim gedruckten Buch habe ich diese Möglichkeit nicht. Deswegen ist in meinen Augen die Gestaltung eines Papierbuchs genauso wichtig wie der Inhalt. Darum geht es in meinem heutigen Blogbeitrag im Rahmen der Reihe »Blick in die Werkstatt«.

Kleinigkeiten, die Großes bewirken

Noch bevor ich das Manuskript aus dem Autorenprogramm Scrivener, in dem ich arbeite, exportiere, gehe ich die Steuerzeichen durch und überprüfe Folgendes:

  • Gibt es doppelte oder fehlende Leerzeichen?
  • Hat sich an Stelle eines Gedankenstrichs (–) eventuell ein (kürzerer) Trennstrich (-) eingeschlichen?
  • Sind die Auslassungspunkte in Gestalt des »Dreipunkts«, einem eigenständigen Satzzeichen (…), korrekt verwendet?
  • Sind Gedankenstriche und Auslassungspunkte durch geschützte Leerzeichen an das vorangehende bzw. nachfolgende Wort gehängt, sodass sie nicht plötzlich einzeln am Ende oder Anfang einer Zeile stehen?

Buchsatz

Sobald die formalen Vorarbeiten am Manuskript abgeschlossen sind, exportiere ich die finale Datei im docx-Format und wende mich dann dem eigentlichen Buchsatz zu. Dabei hat der Satz des eBooks andere Anforderungen als der eines Printbuchs. Ich erstelle also zwei Versionen des eigentlichen Buchs, die auf einer einzigen docx-Datei basieren.

eBook ist nicht gleich Taschenbuch

Da ich meine eBooks nicht ausschließlich auf einer Online-Plattform zum Kauf anbiete – ich liebe auch an diesem Punkt die Vielfalt –, ist es für mich wichtig, die zugrundeliegende Datei plattform-unabhängig zu erstellen. Sie muss auf allen Portalen und allen gängigen eBook-Readern inklusive Smartphones, Tablett-PCs und Computerwelten gleichermaßen fehlerfrei funktionieren, sonst würde das eBook nicht zum Verkauf zugelassen. Die Datei soll mit allen Leseprogrammen harmonieren und für die Nutzer*innen möglichst flexibel einstellbar sein, d.h. Schriften, Schriftgröße, Zeilenabstände, Hintergrundfarbe gebe nicht ich vor, sondern wählen die Leser*innen gemäß ihren Vorlieben aus. Insofern ist es mein (persönliches) oberstes Ziel, eine neutrale, möglichst schnörkelfreie mobi- oder epub-Datei zu erstellen, die problemlos durch die Anforderungsprofile aller Portale läuft.

Das Taschenbuch dagegen wird als fertig produziertes Objekt, d.h. gedruckt und gebunden von der Druckerei an die Buchhandlungen oder Online-Buchportale ausgeliefert. Da gebe ich vor, wie das Buch letztlich aussieht, und entscheide dadurch, ob es dem Leser Spaß macht, sich in den Text zu vertiefen. Deswegen bemühe ich mich um folgende Punkte:

1. Weißfläche

Bei der Gestaltung der Buchdoppelseiten achte ich auf ausreichend Weißfläche (= Leerraum bzw. Rand rund um den Fließtext). Es wirkt deutlich einladender, wenn der Text nicht von Rand zu Rand und von oben bis unten läuft, auch wenn das bedeutet, ein paar Seiten mehr im Buch zu haben.

Um eine möglichst »helle« Wirkung der Buchdoppelseiten zu erzielen, experimentiere ich zusätzlich mit dem Zeilenabstand in Verbindung mit der Schriftgröße. Ist der Zeilenabstand nämlich zu gering, bekomme ich zwar viel Text auf die Buchseite, diese wirkt aber »schwarz« und damit wenig lesefreundlich.

2. Schriften

Für Mengentext (wie zum Beispiel in Zeitungen und eben auch in Büchern) hat es sich bewährt, Schriften mit Serifen, d.h. mit winzigen Schnörkeln zu verwenden, da diese beim Lesen eine gedachte Verbindung zu den sie umgebenden Buchstaben bilden. Entsprechend wähle ich für den Fließtext eine gebräuchliche, möglichst nicht zu weit laufende Serifenschrift aus, wie z.B. die Times New Roman oder Garamond. Hier macht es Sinn, sich auf bewährte Schriften zu verlassen, weil sie unseren Augen vertraut sind.

Anders ist es bei Buchumschlag- und Kapitelüberschriften. Die dürfen durchaus ein wenig »gewagter« sein, solange sie gut lesbar sind sowie zum Cover und dem Genre passen. Ich persönlich beschränke mich dabei auf eine weitere Schrift. Mehr als zwei halte ich für den Buchsatz für zu viel. Das würde vom Inhalt auf die Gestaltung lenken und damit den Lesefluss behindern. So zumindest meine Meinung.

3. Klassische Satzregeln

Unter den klassischen Satzregeln sind mir die Regeln zu den Absatzumbrüchen und zu den Worttrennungen wichtig. Ich vermeide die sogenannten »Schusterjungen« und »Hurenkinder«, d.h. Einzelzeilen am Ende bzw. am Beginn einer Seite.

Auf den Fotos hier siehst du, was ich meine (zum Vergrößern bitte aufs Bild klicken):

Auch bei Trennungen achte ich darauf, nie mehr als drei Trennungen im Absatz zu nutzen und nicht beim Übergang zwischen zwei Seiten zu trennen, denn auch das stört den Lesefluss (siehe das Bild oben).

Erwähnen möchte ich noch, dass man bei Absätzen zur besseren Lesbarkeit die erste Zeile einrücken kann, wie du das auf den Fotos oben siehst, aber niemals zu Beginn eines Kapitels oder nach einem Szenenwechsel. Da bleibt der Zeilenbeginn unangetastet.

 

Weitere Tipps zum Thema, falls du selbst mit dem Gedanken spielst, ein Buch zu setzen, findest du übrigens hier:

Die nächsten Teile der Beitragsreihe erscheinen jeweils exklusiv am Monatsende im Newsletter und zur Mitte des Folgemonats hier auf dem Blog.

  1. Ausbildung zum Autor
  2. Ideenentwicklung
  3. Figurenentwicklung
  4. Handlungsentwicklung/Plotten
  5. Dramaturgie
  6. Recherche
  7. Rohmanuskript vs. Überarbeitung
  8. Buchsatz
  9. Rezensenten-Team
  10. Netzwerken
  11. Marketing

Du hast weitere Vorschläge oder Wünsche? Dann schreib sie mir gern in den Kommentarbereich. Genauso Deine Meinung zum Thema.

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