[Werkstatt #7] Fertig? Dann raus mit dem Buch!

Frau im Gegenlicht am Notebook. Das Foto stammt von dedivan1923 bei www.123rf.com
Schnell getippt und veröffentlicht. Ist doch ganz einfach, oder? | Foto: © dedivan1923/www.123rf.com

Eigentlich möchte ich es gar nicht glauben, doch mitunter habe ich das Gefühl, dass in den Köpfen mancher Menschen ein verzerrtes Bild des Autorenlebens klebt: Zwei, drei Monate an einer Geschichte geschrieben, heute das Wort »Ende« darunter gesetzt, morgen noch mal durchgelesen und übermorgen bei KDP – wahlweise neobooks, bookrix oder einem anderen Dienstleister – hochgeladen. Yeah! So geht Schreiben und Buchveröffentlichen heute.

NICHT.

Behaupte ich zumindest.

In meinem Verständnis als Autorin – oder sogar Schriftstellerin – habe ich an diesem Punkt nur ein Rohmanuskript verfasst, das sich vielleicht mit einem Rohdiamanten vergleichen lässt, wie ich schon mal in einem früheren Blogbeitrag ausführlich erklärt habe. Für mich beginnt jetzt die zweite Hälfte der Arbeit an der Geschichte, nämlich die Überarbeitung. Und die steht immer an, egal ob ich als Verlagsautor*in oder Selfpublisher*in unterwegs bin.

Wieviel Überarbeitung darf es sein?

Der Unterschied ist an dieser Stelle eher weniger, ob ein Verlag das Buch herausbringt oder ob man das selbst tut, sondern wie ausführlich und dadurch gründlich man das Projekt im Vorhinein geplant hat. So zumindest meine persönliche Erfahrung und das Resümee aus diversen Gesprächen mit Kolleg*innen.

Ist ja auch nachvollziehbar, dass ein Autor*in, der seine Story vor dem Schreiben akribisch durchstrukturiert und aufs Genaueste, vielleicht sogar kapitelweise geplant hat, einen wahrscheinlich geringeren Überarbeitungsaufwand hat als jemand, der völlig frei zu fabulieren beginnt. Der der Geschichte den Freiraum gibt, sich während des Notierens frei zu entfalten, und dadurch selbst zum Beobachter seiner Story und Figuren wird.

Er – oder sie – muss nämlich im Nachhinein überprüfen,

  • ob der Anfang zum Ende passt,
  • ob sich die Figuren logisch weiterentwickelt haben,
  • ob alle Orte, Beschreibungen u.ä. sinnvoll aufeinander aufgebaut sind,
  • ob Namen, Dialoge, uvm. aufeinander abgestimmt sind,
  • etc.
Ein Diamant auf einem Kohlestück. Foto von rtimages über www.123rf.com
Foto: © rtimages/www.123rf.com

»Überarbeiten« selbst sollten in meinen Augen grundsätzlich alle Autoren, da eine Erstfassung immer nur ein unpolierter Edelstein ist. Manchmal reicht ein kleines Tuch, um den Staub abzuwischen; manchmal braucht es Hammer und Meißel, um den Edelstein aus gröberem Material herauszulösen.

Ich liebe es zu überarbeiten

Ich selbst wende diese Regel auf alle Texte an. Selbst Blogartikel, so wie diesen, haue ich nicht direkt nach dem Schreiben raus. Auch sie müssen mindestens über Nacht ruhen, bevor ich sie mir erneut durchlese, umformuliere, dann noch einmal anhöre und letzte Sprachretuschen vornehme. Erst dann gebe ich sie frei.

Wie ich bei meinen Romanen vorgehe, kannst du sehr ausführlich in dieser Beitragsreihe nachlesen, die ich vor einigen Jahren veröffentlicht habe.

Der Schritt in die Öffentlichkeit

Erst nach dem Überarbeiten gebe ich das Manuskript nach außen, nämlich ins Lektorat, dann ins Korrektorat und anschließend an die Testleser, d.h. mein Rezensenten-Team. Manchmal – so wie bei »Plus Size für die Liebe« – laufen die letzten beiden Schritte auch parallel ab. Dann habe ich nur noch einen einzigen Überarbeitungsschritt, bei dem ich die Änderungsvorschläge aus dem Korrektorat und von den Testlesern gleichzeitig einpflege.

Die Ausführungen des Lektorats allerdings warte ich immer ab, bevor ein Text an die Öffentlichkeit geht. Als solche betrachte ich auch meine Testleser; sie sind professionelle Blogger, die von mir Qualität erwarten – und erhalten. Schließlich rezensieren sie meine Bücher ja auch.

Überarbeiten ist ein Reifungsprozess

Auf den beiden Fotos siehst du jeweils den Beginn des Romans »Plus Size für die Liebe«. Links habe ich die erste Fassung platziert (mit einem Klick aufs Bild wird es größer), rechts die mehrfach überarbeitete und zweimal lektorierte Version aus dem Taschenbuch (auch dieses Foto lässt sich per Klick vergrößern). Nicht nur die Sprache hat sich gewandelt; auch die Erzählstimme ist eine andere geworden.

Da ich so viele Einzelschritte beim Überarbeiten habe, dauert diese Phase bei mir relativ lange. Sechs Monate sind im Augenblick die Regel, wobei ich selbst etwa drei Monate benötige. Danach kommen Lektorat, Korrektorat und Testleser, immer wieder ergänzt durch das Einfügen der Änderungen. Erst dann beginne ich mit dem Buchsatz und veröffentliche anschließend das Werk.

Interessiert Dich das Thema »Buchsatz«? Der nimmt nämlich bei mir auch rund eine Woche in Anspruch, da ich mich bemühe, alle klassischen Satzregeln zu berücksichtigen. Ich kann dazu gerne einen Blogbeitrag im Rahmen dieser Reihe verfassen, wenn Du mir entsprechend Rückmeldung gibst. Also schreib mir das doch bitte als Kommentar unter diesen Artikel.

Die nächsten Teile der Beitragsreihe erscheinen jeweils exklusiv am Monatsende im Newsletter und zur Mitte des Folgemonats hier auf dem Blog.

  1. Ausbildung zum Autor
  2. Ideenentwicklung
  3. Figurenentwicklung
  4. Handlungsentwicklung/Plotten
  5. Dramaturgie
  6. Recherche
  7. Rohmanuskript vs. Überarbeitung
  8. Rezensenten-Team
  9. Netzwerken
  10. Marketing

Du hast weitere Vorschläge oder Wünsche? Dann schreib sie mir gern in den Kommentarbereich. Genauso Deine Meinung zum Thema.

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Kommentare: 2
  • #1

    Angela Planert (Donnerstag, 14 September 2017 11:20)

    Ein super toller Beitrag von Dir!

    Beim Überarbeiten - so finde ich jedenfalls - kann man noch tiefer und intensiver in seine Figuren einsteigen.

    Ganz viel Erfolg wünsche ich Dir!

  • #2

    Kari (Donnerstag, 14 September 2017 11:50)

    Danke schön für dein Lob, liebe Angela! Aus dem Mund einer Kollegin freut mich das ganz besonders. :-)
    Ja, mir geht es beim Überarbeiten so ähnlich wie dir: Alles Plotten und Planen im Vorhinein ersetzt nicht eine gründliche Überarbeitung. Die Figuren gewinnen noch mal ordentlich an Tiefe. Auch die Handlung wird straffer, die Dramaturgie präziser.
    Und Danke von Herzen für deine lieben Wünsche! :-*
    LG Kari