[Interview] Wer ist Kari Lessír?

Kari Lessír, aufgenommen von Sandra Bollhöfer (2017)
Kari Lessír, aufgenommen von Sandra Bollhöfer (2017)

Mal ein Interview der anderen Art: Während der Leser-Challenge zu »Plus Size für die Liebe« durften mir die Teilnehmer*innen all die Fragen stellen, die ihnen auf dem Herzen lagen. Was sie schon immer mal von mir – oder einer anderen Autor*in – wissen wollten. Ich habe mich darauf eingelassen, ihnen zwei Tage Zeit gegeben, um sich Gedanken zu machen, und dann wirklich jede einzelne Frage beantwortet. Schnuppert rein in mein Leser-fragen-die-Autorin-antwortet-Interview.

Wird es eine Fortsetzung zu „Plus Size für die Liebe“ geben?

Einen vollwertigen vierten Band wird es zur Seelenreise-Reihe nicht geben. Doch bevor ihr jetzt in Tränen ausbrecht, verrate ich euch, dass es stattdessen eine abschließende Novelle geben wird. Wer den Roman bereits gelesen hat, weiß (aus dem Nachwort), dass ich eine Episode nur angerissen habe: Patricks Drachenreise. Sie hätte Mias Geschichte gesprengt. Deswegen habe ich sie für einen Zusatzband aufgespart. Geplant sind achtzig bis neunzig Seiten, eben eine klassische Novelle, an die ich mich nach der Sommerpause setzen werde.

Außerdem habe ich vor, Claire (aus »Plus Size für die Liebe«) noch einmal genauer zu beleuchten. Geplant hatte ich sie als völlig unwichtige Nebenfigur, aber sie bekam im Verlauf der Geschichte eine interessante Biografie. Diese Frau möchte ich gerne näher kennenlernen und ergründen, warum sie so ist, wie sie ist.

Dieses Buch würde dann allerdings nicht mehr zur Seelenreise-Reihe gehören, sondern ein »Stand-alone«-Roman werden. Vergleichbar mit »Blind Date mit der Liebe«.

Wie bist du auf das Thema »Plus Size« gekommen?

Das Thema Übergewicht hat sich ungeplant in meine Seelenreise-Reihe eingeschlichen, auch wenn Mia seit Anfang an ständig auf Diät ist. Dieser Aspekt sollte nur eine Nebenfigur lebensecht werden lassen, aber Mia hatte eindeutig anderes vor. Sie wollte ein eigenes Buch und eine eigene Geschichte.

Davon abgesehen ist mir das ständige Auf-Diät-Sein nicht vollkommen fremd; in meiner Familie und meinem privaten Umfeld gibt es solche Frauen. Und so kam eins zum anderen, ergänzt durch Recherche und Fantasie.

Wie viel Autobiografisches steckt in Mia?

Nicht viel, nur wenige Momente. Ihre Bulimie-Vergangenheit stammt z.B. von mir, aber das ist nur ein winziger Aspekt der Figur. Der Rest ist Mia pur und hat mit mir als Mensch wenig zu tun. Ich bin weder ein Prinzipienreiter noch ein Sportmuffel. Ich habe Mia so geschaffen, dass sie für meinen Geschmack überzeugend wirkt.

Könntest du dir vorstellen, auch über Magersucht oder Bulimie zu schreiben?

Natürlich, wenn es die Figur erfordert. Das wäre allerdings die Voraussetzung. Ich gehe beim Schreiben immer so vor, dass erst die Idee entsteht, dann entwerfe ich die Figuren, anschließend die Handlung. Wenn mich also eine Figur bittet, sie mit diesem »Problem« auszustatten, würde ich das tun. Recherchieren kann ich alle notwendigen Themen.

Wie sehen deine zukünftigen Pläne aus?

Zwei habe ich ja schon angedeutet: die abschließende Novelle der Seelenreise-Reihe und der Roman um Claire. Außerdem habe ich in der Schublade einen zweibändigen Jugend-SciFi-Thriller schlummern, der endlich überarbeitet werden will. Die nächsten ein, zwei Jahre werde ich also beschäftigt sein.

Könntest du dir vorstellen, auch mal einen Krimi oder Thriller zu schreiben?

Für Jugendliche habe ich mich schon an eine solche Geschichte gewagt, aber für Erwachsene kann ich mir das nicht vorstellen. Ich spüre Gewalt und Negativität körperlich, selbst beim Lesen oder Fernsehen. Ich will darüber nicht auch noch schreiben. Der Jugendthriller läuft auf einer anderen Ebene ab, die für mich in Ordnung war.

Warum bist du Selfpublisher und nicht bei einem Verlag? Du hättest doch die besten Chancen …

Mit dem Jugend-SciFi-Manuskript werde ich mich (mal wieder) auf den Weg zu einer Agentur oder einem Verlag machen. Meine bisherigen Werke waren dafür nicht eindeutig genug einem klassischen Genre zuzuordnen. So lauteten zumindest die Rückmeldungen vor einigen Jahren, bevor ich entschied, selbst ist die Frau.

Kari Lessír mit Musik auf den Ohren an ihrem Arbeitsplatz (2016)
Kari Lessír mit Musik auf den Ohren an ihrem Arbeitsplatz (2016)

Wolltest du schon immer Autorin werden?

Nein. Erst wollte ich Pfarrerin werden, danach habe ich mich um meine zweite Leidenschaft, das Klarinettespielen, gekümmert, und an der Musikhochschule Frankfurt Klarinette, später an der Universität Musikwissenschaft studiert. Erst durch die Arbeit bei einer Tageszeitung während des Studiums reifte der Gedanke, beruflich schreiben zu wollen. Und so landete ich bei einem Verlag, wo ich zwanzig Jahre lang in Redaktion, Lektorat und Produktion gearbeitet habe.

Hörst du Musik beim Schreiben?

Natürlich, dafür gehört Musik viel zu sehr zu meinem Leben. Allerdings wähle ich die Stücke gezielt aus, denn die Musik hat einen gewaltigen Einfluss auf Körper, Geist und Seele. Kurz gesagt, dürfen die Stücke keinen Text enthalten und die Stimmung muss zur jeweiligen Szene passen. Vieles davon ist Klassik, der Rest New Age.

Hast du bestimmte Schreibrituale, z.B. die Lieblingstasse immer dabei?

Nein, nur eine alltägliche Praxis: Ich schreibe morgens, sobald Ruhe in der Wohnung eingekehrt ist. Bevor ich mich allerdings an den Schreibtisch setze, gehe ich in die Meditation. Ich beruhige meine Gedanken, verbinde mich mit meinem Hohen Selbst und der geistigen Welt und öffne mich für Botschaften, die zu mir kommen möchten. Vieles, was ich in meinen Romanen weitergebe, habe ich so empfangen. Fast möchte ich sagen, ES schreibt. Zumindest stellenweise.

Wo schreibst du am liebsten?

Entweder ganz klassisch an meinem Schreibtisch, wo ich einen großen Bildschirm habe, oder mit dem Laptop im Lesesessel, der im Wohnzimmer steht.

Wie machst du dir Notizen? Klassisch auf dem Papier oder digital?

Wenn es schnell gehen muss oder ich unterwegs bin, nutze ich die Diktierfunktion meines Smartphones. Ansonsten habe ich für Ideen und Impulse ein großes Notizbuch, das an meinem Arbeitsplatz liegt.

Was inspiriert dich?

Das Leben selbst. Ein einzelnes Wort, das ich aufschnappe; eine Notiz im Internet, eine Kurzmeldung in der Zeitung; Impulse, die ich in der Meditation erhalte.

Was gefällt dir am besten beim Schreiben?

Dass ich in neue Welten eintauchen kann, sie mit Menschen, Emotionen und »Botschaften« füllen und diese dann an meine Leser*innen weitergeben darf. Schreiben ist meine Berufung, meine Leidenschaft.

Die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, ist nicht zu verachten.
Die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, ist nicht zu verachten.

Welches Genre liest du selbst am liebsten?

Liebesromane mit Tiefgang. Die Figuren müssen dreidimensional sein, müssen Ecken und Kanten haben, die mich berühren. Ich möchte spüren können, wie sie sich entwickeln und wie sie aufeinander zugehen. Außerdem mag ich Sachbücher aus dem Bereich Persönlichkeitsentwicklung, gerne auch mit einer spirituellen Komponente, wie sie zum Beispiel der Schirner Verlag vertreibt. Lesen hilft mir, mich weiterzuentwicklen und immer näher zu mir selbst zu kommen. Gewissermaßen die beste Version von mir selbst auszugraben.

Was liebst du an deinem Körper am meisten?

Diese Frage darf natürlich im Rahmen unserer Challenge zu »Plus Size für die Liebe« nicht fehlen! Heute liebe ich meinen Körper so, wie er ist. Voll und ganz. Inzwischen macht es mir Spaß, mich zu zeigen und mich sehen zu lassen. Neulich habe ich mir das erste Mal in meinem Leben freiwillig ein Kleid gekauft – und liebe es, es zu tragen. Früher gab es bei mir nur lange Hosen und weite Blusen. Ich schätze, einige von euch kennen das auch.

Inzwischen stehe ich dazu, dass ich klein bin, helle Haut habe und nicht braun, sondern rot werde. Und mit fünfzig ist natürlich auch nicht mehr alles so straff wie vor zehn oder zwanzig Jahren. Was soll’s? Ich bin schön, so wie ich bin. Und ich kann über mich selbst lachen – bei meinen herrlichen Grimassen!

Wenn man in deiner Umgebung Urlaub machen würde, welche Orte wären sehenswert?

Spontan empfehle ich an Wiesbaden die klassizistischen Altbauten aus der Zeit zwischen 1900 und 1910, die bis auf wenige Ausnahmen den Krieg relativ unversehrt überlebt haben und auch heute noch wunderbar erhalten sind. Und dann solltet ihr mit der Nerobergbahn, die ich in »Blind Date mit der Liebe« eingebaut habe, auf den Neroberg fahren. Sie ist sogar noch älter und original erhalten. Von oben habt ihr einen Rundum-Blick über Wiesbaden und Mainz und könnt entspannt im Taunus wandern: Wald, Ruhe, Natur direkt vor der Haustür einer quirligen Stadt.

Kommentar schreiben

Kommentare: 6
  • #1

    Caroline Régnard-Mayer (Montag, 26 Juni 2017 10:40)

    Liebe Kari,
    Ein wirklich gelungenes Interview und echt gute Fragen dabei. Bei einer Antwort hätte ich gleich die nächste Frage. ... Ein anderes Mal. Teile gerne.
    Liebe Grüße
    Caro

  • #2

    Kari (Montag, 26 Juni 2017 11:22)

    Danke, liebe Caroline. Die stellst du mir dann bei passender Gelegenheit � Und danke fürs Teilen.
    Herzliche Grüße
    Kari

  • #3

    Karin Konrath (Montag, 26 Juni 2017 21:38)

    Liebe Kari,
    tolle Antworten auf unsere Fragen, ich konnte einiges über dich erfahren. Lg Karin

  • #4

    Kari (Dienstag, 27 Juni 2017 08:24)

    Das freut mich, liebe Karin.
    Lieben Gruß und noch einen schönen Tag
    Kari

  • #5

    Nadine (Sonntag, 02 Juli 2017 11:51)

    Ein sehr erfrischendes und tolles Interview :-D. Und die Autorin kommt sehr sympathisch rüber. Es ist wirklich verdammt wichtig, zu leben zu lieben und zu lachen! Ok, Pfarrerin wäre jetzt absolut nicht meine Wahl, aber ich bin auch nicht sehr gläubig ;-). Sehr schöne Fragen und interessante Antworten. lg Nadine von Nannis Welt

  • #6

    Kari (Freitag, 21 Juli 2017 13:03)

    Liebe Nadine,
    frisch aus dem Urlaub zurück entdecke ich deinen Kommentar zu meinem Blogbeitrag. Vielen Dank für dein Lob. :-) Ich freue mich, dass dir das Interview gefällt. Es war ein wunderbares Erlebnis, die Fragen der Challengeteilnehmerinnen zu beantworten. Frei nach dem Motto: Yeah, endlich mal was Neues, was Leserinnen so wissen wollen. ;-)
    Liebe Grüße
    Kari