Zehn Jahre auf hundertzwanzig Seiten

Das Jahr 2003 markiert in meinem Leben eine wichtige Zäsur: Ich habe mich selbst entdeckt. Das klingt vielleicht ein wenig pathetisch, doch das war definitiv ein ganz besonderer Moment, als ich Anfang 2003 mein erstes Romanprojekt startete und Ende des Jahres mit kurzen Textformen zu experimentieren begann. Sie hatten genau die richtige Länge, um mich mit verschiedenen Inhalten auseinanderzusetzen – und im nächsten Schritt die Formalien einer typischen Kurzgeschichte, Erzählung oder eines Märchens auszubauen.

Aus dieser Zeit stammen Erzählungen wie »Annas Traum« über eine unglückliche Verliebtheit und »Ticket nach Hamburg« über einen Sprachkurs im Ausland und Gewalt in einer Beziehung. Bei diesen Texten habe ich während des Überarbeitens ganz bewusst darauf verzichtet, sie auf mein heutiges Sprachniveau anzuheben. Natürlich sind sie überarbeitet und lektoriert, aber sie dürfen als Erzählungen einer damals noch jungen Autorin am Beginn ihrer Laufbahn erkennbar bleiben.

Lehrjahre

Danach hatte ich im wahrsten Sinn des Wortes »Blut geleckt«: Alles, was in irgendeiner Form an Büchern und Schreibkursen für mich erhältlich und erreichbar war, habe ich mitgenommen. Einen kleinen Überblick dazu findest du in diesem Blogartikel. Außerdem begann ich 2008 mit einem dreijährigen Fernstudium an der Schule des Schreibens. Damit erfüllte ich mir einen langgehegten Wunsch. Viele der während des Studiums verfassten Hausarbeiten habe ich in den Sammelband aufgenommen. Dazu gehören die echten Kurzgeschichten, die zwischen 2008 und 2011 entstanden sind und die charakteristischen Merkmale aufweisen, auf die ich in diesem Blogbeitrag konkret eingegangen bin.

Roman-Schnipsel

Drei der Kurzgeschichten sind Ausschnitte aus einem unveröffentlichten Romanprojekt, das ich abgebrochen habe, weil es zu düster zu werden drohte. Meine Hauptfigur Johanna verharrte in einer unglücklichen gewalttätigen Ehe, weil sie durch den Verlust ihres Kindes innerlich erstarrt war. Erst eine zarte neue Liebe gab ihr die Kraft, aus ihrem Gefängnis auszubrechen. Eine Ahnung davon geben die Kurzgeschichten »Der Waldsee«, »Dad ist cool« und »Das Duell«.

Außerdem habe ich mich mit »Der Reitunfall« auch mal an einem Krimi versucht, aber ich muss gestehen, dieses Genre ist nicht so meins. Auch wenn Regionalkrimis schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich sind und mir immer wieder nahegelegt wird, zum »Groß-Rauskommen« endlich mal einen Krimi zu schreiben. Ich verpacke meine Botschaften lieber in spirituelle Liebesromane – oder kurze Textformen wie in »Träume, die im Regen splittern«.

Ohne Liebe geht es nicht

Überhaupt sind Liebe und Selbstliebe auch in diesem Buch ein wichtiges Thema, das immer wieder auftaucht. Nicht von ungefähr gibt es zwei Rubriken zur »Liebe«, aber nur jeweils eine zu den anderen Alltagsthemen wie Kindheit, Familie, Träume etc.

Es war einmal ...

Sterntaler vorm Abendhimmel. Das Bild stammt von pixabay.com
Sterntaler | Foto: pixabay.com

Eine besondere Bedeutung haben für mich die beiden Märchen, die ursprünglich Metaphern gewesen sind und die ich im Rahmen meiner Ausbildung zum Neurolinguistischen Programmieren (NLP-Practitioner) verfasst habe. Beide enthalten eine tiefergehende Botschaft, die ich jeweils in poetische Bilder verpackt habe, sodass ich sie damals im Rahmen einer Trance meinen Klienten »einpflanzen« konnte. Die Trance fehlt natürlich in der Sammlung, und die Texte selbst habe ich von der »märchenhaften« Metapher zum genretypischen Märchen umformuliert.

Der rote Faden

Einer meiner Lieblingstexte der Sammlung ist die Erzählung »Taxi zum Himmel«, in der ich den schweren Fahrradunfall einer Kollegin aufgearbeitet habe. Außerdem taucht zum ersten Mal hier der Aspekt »Hochsensibilität« auf, der mir 2007 noch nicht bewusst war. Ich kannte damals nur zwei Freundinnen, die sehr unter den Gefühlen ihrer Mitmenschen litten. Aber das Thema ließ mich nicht mehr los, sodass ich es in dieser Geschichte – und dann später in meinem Roman »Liebe auf Schamanisch« – aufgegriffen habe. In der Zwischenzeit hatte ich mich ausführlich mit diesem Phänomen auseinandergesetzt und einen Verein für hochbegabte (und hochsensible) Kinder in Wiesbaden und Umgebung mitbegründet. Und so schließt sich der Kreis von einer Geschichte hin zum Alltag und der praktischen Hilfe für Betroffene.

Alle Blogbeiträge zum Thema:

  1. Kurze Textformen im Überblick
  2. Jedes Buch hat eine Geschichte
  3. Zehn Jahre auf hundertzwanzig Seiten

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Kommentare: 2
  • #1

    Karla Rosmarin (Mittwoch, 26 April 2017 16:23)

    Liebe Kari,

    bislang habe ich nur einen deiner Romane gelesen, aber der hat mir gut gefallen. Schön, dass ich jetzt auch auf dein Blog gestoßen bin und hier erfahre, was es noch alles von dir zu entdecken gibt!

    Verstehe ich dich richtig, das Hochsensitive der Figuren in deinen Geschichten fußt auf ganz persönlichen Erfahrungen?

    Liebe Grüße,
    Karla

  • #2

    Kari (Mittwoch, 26 April 2017 22:18)

    Liebe Karla,

    das verstehst du vollkommen richtig. Ich glaube, wenn ich nicht selbst mit hochsensiblen und hochsensitiven Menschen zu tun hätte (Familie, Freunde, zu betreuende Kinder), hätte ich mich nicht so in das Thema einfinden können. Erst seitdem ich beobachtet habe, dass es Menschen gibt, die »irgendwie anders« empfinden, begann ich, mich damit zu beschäftigen. Bücher, Filme, Austausch mit anderen und schließlich meine Geschichten, in denen meine Erfahrungen eingeflossen sind. Ein insgesamt spannendes Thema.

    Lieben Gruß
    Kari