· 

[Werkstatt #2] Wie gehe ich mit meinen Ideen um?

Hell strahlende Glühbirne auf einem Hintergrund aus Holz. Das Bild stammt von pixabay.com.
Foto: pixabay.com

Wenn ich mit anderen Menschen über meinen Beruf, das Schreiben von Romanen, spreche, kommt früher oder später das Thema »Ideen« auf: Woher denn die Ideen zu den Büchern kommen? Und ob ich denn genug Ideen habe – oder ob sie mir vielleicht irgendwann einmal ausgehen könnten?

Ja, das ist ein ganz entscheidender Punkt für einen Autor oder eine Autorin. Ohne Ideen kann ich nicht schreiben. Sie sind das Fundament, auf dem ich mit meinen Geschichten aufsetze. Ich gebe zu, dass es durchaus auch schon Momente in meinem Leben gab, in denen die Kreativität versiegt war. Den Blogartikel dazu kannst du hier gerne nachlesen. Seitdem weiß ich, wie wichtig Ideen sind, und freue mich über das ehrliche Interesse meiner Gesprächspartner.

An erster Stelle stehe ich selbst

Petrolfarbenes Notizbuch und gelber Kuli, aufgenommen von Kari Lessír
Notizbuch | Foto: Kari Lessír

Wenn ich mit mir im Reinen bin und es mir körperlich, geistig und seelisch gut geht, fließen meine Ideen. Also ist es für mich essentiell, mich zuerst einmal um mich selbst zu kümmern. Das tue ich über tägliches Meditieren, regelmäßige Waldspaziergänge und Jin Shin Jyutsu nach Irene Lauretti. Diese drei Aspekte sind die Basis, auf der meine Ideen auftauchen, wobei es bei mir oft so ist, dass eine Idee eine neue nach sich zieht. Deswegen ist es wichtig, sie zu notieren.

Zu Beginn, wenn ein Gedanke noch vage und nicht so recht greifbar ist, kommt er in mein Notizbuch – zu den vielen anderen Ideen, die durch mein Hirn spuken. Darin blättere ich regelmäßig und ergänze die Einträge. Und wenn dann ein solcher Gedanke langsam Form anzunehmen beginnt, wandert er in mein Autorenprogramm Scrivener. Dort eröffne ich für ihn ein neues Projekt und beginne um die anfängliche Idee immer mehr Inhalt zu spinnen, bis die Figuren und die Handlung stehen, sodass ich mit dem Schreiben anfangen kann. In der Theorie. Praktisch habe ich oft noch andere Projekte im Vordergrund, sodass die Idee auch in Scrivener noch weiter reift, bis sie – manchmal erst nach Jahren – endlich an der Reihe ist.

Warum ein Autorenprogramm?

Das Autorenprogramm Scrivener hat den großen Vorteil, dass es ein sehr mächtiges und zugleich überaus flexibles Tool ist, das mir nahezu unendliche Möglichkeiten des Arbeitens bietet. So kann ich dort zum Beispiel – anders als in einem reinen Textverarbeitungsprogramm wie Word oder OpenOffice – mit Hilfe von Figurenblättern Figuren entwickeln und organisieren, Recherchematerial sammeln, Handlungsorte anlegen und mit Inhalten aus Bild, Text und Ton ergänzen. Und natürlich entwerfe ich in Scrivener die Handlung, und zwar szenenweise, was mir immer wieder die Möglichkeit gibt, diese Sinnabschnitte beliebig zu verschieben.

Ideen sind flüchtige Wesen

Ich komme wieder zu den »Ideen« zurück: In meinem Fall sind sie genauso schreckhaft wie Träume. Wenn ich sie nicht sofort notiere, flattern sie auf Nimmerwiedersehen davon. Kennst Du das auch? Genau deswegen nutze ich mein Notizbuch oder – zum Beispiel beim Spazierengehen – die Diktierfunktion meines Smartphones, um sie festzuhalten und auszuspinnen. Natürlich kann es auch mal ein Foto sein, aber das ist bei mir eher selten. Optische Eindrücke kann ich relativ gut abspeichern, da ich ein visueller Mensch bin.

Über das Auftauchen einer Idee

Manchmal kommen mir Ideen auch während des Schreibens an einem Projekt. Das geschah zum Beispiel bei der Arbeit am aktuellen, dritten Band der Seelenreise-Reihe. Eine Nebenfigur hat mich so fasziniert, dass ich um sie nun einen eigenen, in sich abgeschlossenen Roman entwerfe. Mit diesem Buch werde ich meine nicht-spirituellen Liebesromane ergänzen, deren Auftakt »Blind Date mit der Liebe« gewesen ist.

Die Idee um diese Figur ist bislang nur im Notizbuch notiert, aber noch nicht ins Autorenprogramm umgezogen. Noch darf sie sich vorwiegend in meinem Kopf ausbreiten, mal hier anklopfen, mal dort vorbeischauen. Außerdem spüre ich, dass mit diesem Buch eine Recherche-Reise zusammenhängen wird. Darauf freue ich mich schon ganz besonders. Das heißt nämlich, ich darf und werde in »Land und Leute« eintauchen, um ein Gefühl für die Figur und ihre Herkunft zu erhalten.

Gibt es noch mehr?

Sind Dir Aspekte zum Themenkreis »Ideen« unklar geblieben? Habe ich irgendetwas noch nicht angesprochen, vielleicht weil es für mich »logisch« ist – oder ich es vielleicht nicht im Fokus habe, weil ich anders arbeite? Wenn ja, dann frag einfach im Kommentarbereich. Ich antworte gerne.

 

Die nächsten Teile der Beitragsreihe erscheinen jeweils exklusiv am Monatsende im Newsletter und zur Mitte des Folgemonats hier auf dem Blog.

  1. Ausbildung zum Autor
  2. Ideenentwicklung
  3. Figurenentwicklung
  4. Handlungsentwicklung/Plotten
  5. Dramaturgie
  6. Recherche
  7. Rohmanuskript vs. Überarbeitung
  8. Buchsatz
  9. Rezensenten-Team
  10. Netzwerken
  11. Marketing

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Claudia (Dienstag, 21 Februar 2017 18:01)

    Schönen guten Abend,

    habe deinen Artikel über Twitter entdeckt und bin dem Link direkt mal gefolgt.... :)
    Dein Artikel über das "flüchtige Wesen" Idee hat mir sehr gut gefallen. *daumen hoch* Ich habe deine Seite bzw. den Bericht mal mit einem Link bei uns im Forum verlinkt :) damit noch andere hier herfinden.. :)
    Werde auch deine nächsten Themen gespannt verfolgen.

    lg von einer kleinen Hobbyautorin :)

  • #2

    Kari (Dienstag, 21 Februar 2017 19:40)

    Liebe »Hobbyautorin« ;-)

    genau so habe ich auch mal angefangen. Wir alle. Was uns dabei alle verbindet, ist die Liebe zum Schreiben und zum Geschichtenspinnen. Dafür ist dein/euer Forum wunderbar geeignet; ich habe mal einen Blick gewagt. :-)

    Viel Spaß weiterhin und Danke schön für Dein Lob.

    Kari