[Werkstatt #1] Braucht ein Autor eine Ausbildung?

Buddha-Figur neben einem Bücherstapel
Was braucht es, um als Autor gut vorbereitet durchzustarten? | Foto: Kari Lessír

Plakative Frage, oder? Was meinst Du? Ich behaupte hier an dieser Stelle: »Ja, wenn ein Autor seine Leser berühren und fesseln will, braucht er eine Ausbildung.« Wobei diese These natürlich auch für Autorinnen gilt. 😉 Nun, wie siehst Du das? Genauso? Oder ein wenig anders? Dann lass uns darüber reden – in meinem ersten Beitrag zur Blogreihe »Blick in die Werkstatt«. Ich bin gespannt auf deine Meinung und auf Dein Feedback. Auf geht’s. Steigen wir gleich ins Thema ein.

Ein Gegenargument zu meiner These könnte lauten: »Schreiben kann jeder. Also kann auch jeder Autor sein.« Da ist was Wahres dran, wenn wir einfach mal ausklammern, dass es natürlich auch hierzulande Menschen gibt, die Schwierigkeiten mit dem Schreiben haben. Schreiben bedeutet, Buchstaben zu Worten zu verbinden, diese zu Sätzen zusammenzufügen und daraus ein sinnvolles Ganzes zu formen. Das lernen wir alle in der Schule und nutzen diese Fähigkeit dann in Studium und Beruf.

Also, ist meine These widerlegt?

Ich behaupte, nein. Zumindest nicht, wenn man den Anspruch hat, als Autor Erfolg zu haben und die Leser wirklich ernsthaft zu erreichen. Dafür gibt es so viele Regeln und Techniken, die normalerweise nicht in der Schule unterrichtet werden. Bei Dir schon? Dann gratuliere ich Dir, denn das ist meiner Erfahrung nach die Ausnahme.

Sieben Schritte vom Schreiberling zum Autor

Nun also Butter bei die Fische. Was ist in meinen Augen der Weg vom bloßen Schreiben zum Autor?

1. Viel lesen

Klingt simpel, ist aber für mich das A und O eines guten Autors. Wer nicht über den eigenen Tellerrand schaut und regelmäßig in geschriebener Sprache badet, entwickelt meiner Einschätzung nach nicht das notwendige Gespür für das Handwerk eines Autors. Denn genau das ist es in meinen Augen: Als Autor zu schreiben, ist ein Handwerk, das man zu einem Großteil lernen und über Jahre hinweg verfeinern kann. Dabei ist es allerdings wichtig, immer wieder zu schauen, wie formulieren andere, wie gestalten andere ihre Figuren, ihre Texte, ihre Dialoge, wie entwickeln sie den Spannungsbogen, wie sprechen sie mich an, wie reißen sie mich mit – oder eben nicht. Und wenn es einem Kollegen nicht gelingt, mich zu faszinieren, woran mag es liegen? Was stört mich an seinem Text?

2. Schreibratgeber studieren

So blöd es vielleicht klingen mag, aber Schreibratgeber sind sehr sinnvoll. Hier ist geballtes Wissen auf wenigen Seiten gebündelt. Du kannst Dich auf einige wenige Aspekte konzentrieren, sie markieren, ausprobieren und dann an neue Themen herangehen. In guten Schreibratgebern – und nur solche empfehle ich dir – sprechen Fachleute, Experten, erfolgreiche Autoren, die bereits selbst veröffentlicht haben und mitunter pädagogische Erfahrung mit dem Weitergeben in Gestalt von Seminaren oder Workshops gesammelt haben.

Falls Dich dieser Punkt interessiert, empfehle ich Dir die Homepage des Autorenhaus-Verlages. Von denen habe ich sehr viele Ratgeber gelesen und durchgearbeitet, d.h. unterstrichen, markiert, mit Anmerkungen versehen und immer wieder ausprobiert.

Ganz besonders liebe ich:

  • Sol Stein: »Über das Schreiben«
  • Alexander Steele: »Romane und Kurzgeschichten schreiben«
  • Lajos Egri: »Literarisches Schreiben«
  • Angeline Bauer: »Liebesromane schreiben«
  • Elizabeth George: »Wort für Wort«
  • Susanne Konrad: »Emotionen«
  • Stephen King: »Das Leben und das Schreiben«

3. Workshops oder Seminare besuchen

Irgendwann kommt der Tag, an dem es Dir nicht mehr genügt, nur theoretisch Wissen durchzuarbeiten. Zumindest mir ging es so. Ich fing dann an, Workshops und Seminare zu verschiedenen Autorenthemen zu suchen. Bei einer solchen Präsenzveranstaltung habe ich einen oder mehrere Dozenten, die auf meine Bedürfnisse eingehen – zumindest soweit es die Gruppengröße zulässt. Ich persönlich habe zuerst die hiesige Volkshochschule unsicher gemacht; die Kurse sind für den Anfang günstig und durchaus informativ. Danach habe ich mich an verschiedenen Schreibakademien weitergebildet, die auf einem höheren Niveau arbeiten und dafür mehr in die Tiefe gehen.

Hier ein kleiner Überblick, der keine Wertung darstellt und auch keine Vollständigkeit für sich beansprucht:

4. Fernstudium

Irgendwann kam dann der Tag, an dem ich spürte, ich will noch mehr wissen, noch intensiver das Autorenhandwerk lernen. Da habe ich ein mehrjähriges Fernstudium zu mehreren Bereichen des belletristischen Schreibens begonnen. Anbieter für ein solches Studium gibt es mehrere – mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Dauer. Allen gemeinsam ist allerdings – und das ist in meinen Augen der Vorteil –, dass man gezwungen ist, über mehrere Monate und Jahre hinweg kontinuierlich am Thema zu bleiben. Ich durfte mich drei Jahre lang jeden Monat mit einem Lehrheft auseinandersetzen und hatte Übungsaufgaben sowie eine große Hausarbeit anzufertigen, die korrigiert und lektoriert wurde. Dadurch erhielt ich erstmals sinnvolles Feedback von außen – und das war nicht immer nur positiv. Da lernst Du dann schon mal auf negative Rezensionen gelassen zu reagieren 😉

Mögliche Anbieter hierfür sind zum Beispiel:

5. Hochschulstudium

Hörsaal | Foto: pixabay.com
Hörsaal | Foto: pixabay.com

Wenn Du bereits während deiner Schulzeit den Drang verspürst, Autor oder Autorin werden zu wollen, hast Du natürlich auch die Möglichkeit, ein entsprechendes Hochschulstudium aufzunehmen. Das ist dann eine Ausbildung vom Feinsten, wenn auch keine Garantie dafür, hinterher als Autor die Bestseller-Charts zu stürmen.

Studiengänge gibt es in Leipzig und Hildesheim:

6. Viel Schreiben

Unter dem Punkt »Fernstudium« habe ich es schon erwähnt: Ein Autor muss regelmäßig schreiben. Auch an Tagen, an denen Du keine Lust oder keine Zeit hast. Egal. Schreiben ist ein Handwerk, und das will geschmeidig gehalten werden.

Ich habe das in meinem ganzen Leben immer so gehandhabt, selbst als ich noch nicht professionell geschrieben habe. Während Schule und Studium war es das Tagebuch, später im Beruf Berichte, Protokolle und Artikel für Zeitungen sowie Sachbücher.

Du kannst das tägliche Schreiben auch dafür nutzen, um die sogenannten »Morgenseiten« nach Julia Cameron zu verfassen; das bedeutet, direkt nach dem Aufstehen gleich als erstes drei Seiten oder fünfzehn Minuten lang ohne Nachdenken und den Stift abzusetzen (sic! Morgenseiten verfasst man mit der Hand) zu schreiben. Das ist eine bewährte Kreativitätstechnik, die ich zum Beispiel in Phasen nutze, in denen das Schreiben durch persönliche Probleme blockiert ist.

Wenn Du bereits an einem Werk arbeitest, ist es wichtig, Dich jeden Tag dranzusetzen und etwas »zu Papier zu bringen«. Schlecht Geschriebenes ist allemal besser als Nichtverfasstes: Ersteres kann man am nächsten Tag überarbeiten; letzteres existiert gar nicht.

7. Aus Fehlern lernen

Eigentlich eine Banalität, aber ich will es trotzdem an dieser Stelle noch mal sagen: Ein Autor lernt nie aus. Ich entdecke immer wieder neue Techniken und Themen, sei es beim Lesen fremder Werke oder eines neu erschienenen Schreibratgebers. Das inspiriert mich. Das bringt mich weiter.

Auch negatives Feedback in Gestalt von Ein- oder Zwei-Sterne-Rezensionen ist ein Weg, um daraus zu lernen – und es in Zukunft besser zu machen. Zu diesem Thema gibt es übrigens einen älteren Blogbeitrag, den ich Dir ans Herz lege, falls Du bei kritischen Rezensionen regelmäßig vor Wut aus der Haut fährst.

Dogma oder Vorschlag?

Wie komme ich eigentlich zu dieser – zugegeben – subjektiven Liste? Nun, das ist ganz einfach: Die Punkte – mit Ausnahme des Hochschulstudiums – spiegeln meinen Weg wider, den ich eingeschlagen habe, um mich 2012 als Autorin selbständig zu machen. Davor lagen zwanzig Jahre, in denen ich mein Handwerkszeug verfeinert habe: angefangen durch meine Berufstätigkeit in der Lokalredaktion einer Tageszeitung sowie später in der Sachbuchredaktion und dem Lektorat eines Fachverlages. Zehn Jahre vor meiner Selbständigkeit begann ich neben meinem Hauptberuf, die oben aufgeführten Schritte zu gehen und tue das auch heute noch. Nur das Hochschulstudium habe ich ausgelassen, da ich bereits einen Universitätsabschluss mitbringe.

Autor zu sein ist in meinen Augen nichts, was man einfach mal so nebenbei tut. Das ist ein Beruf, der mit viel langjähriger Arbeit einhergeht. Der Erfolg, den die Leser und die Kollegen sehen, ist nur der sprichwörtliche Gipfel des Eisbergs. Die Basisarbeit geschieht im Stillen – ohne Applaus und Zuschauer.

Und nun bist Du dran: Wie beantwortest Du für Dich die Frage »Braucht ein Autor eine Ausbildung?«

Die nächsten Teile der Beitragsreihe erscheinen jeweils exklusiv am Monatsende im Newsletter und zur Mitte des Folgemonats hier auf dem Blog.

  1. Ausbildung zum Autor
  2. Ideenentwicklung
  3. Figurenentwicklung
  4. Handlungsentwicklung bzw. Plotten
  5. Dramaturgie
  6. Recherche
  7. Rohmanuskript vs. Überarbeitung
  8. Rezensenten-Team
  9. Netzwerken
  10. Marketing

Du hast weitere Vorschläge oder Wünsche? Dann schreib sie mir gern in den Kommentarbereich. Genauso Deine Meinung zum Thema.

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Kommentare: 6
  • #1

    Irene Lauretti (Sonntag, 15 Januar 2017 20:13)

    Toll und super informativ! Sollte jeder Autor und Miechte-gern-Autor lesen! ! Danke dir! Irene Lauretti, Autorenkollegin

  • #2

    Kari (Sonntag, 15 Januar 2017 21:10)

    Liebe Irene,
    herzlichen Dank für Dein Lob. � Freut mich sehr, dass Dir der Beitrag gefällt.
    Viele Grüße
    Kari

  • #3

    RomansArt (Montag, 16 Januar 2017 08:49)

    Guter Text. Allerdings glaube ich, wenn man sich zu sehr danach richtet wie andere schreiben, dass dann der eigene Stil auf der Strecke bleibt. Beobachte ich bei vielen studierten Kunstmalern. Das Bild ist handwerklich gut gemalt, aber es fehlt dem Bild eine Seele. So ist es gewiss auch als Autor.

  • #4

    Kari (Montag, 16 Januar 2017 09:15)

    Das ist ein sehr gutes Argument, RomansArt. Ich gebe dir vollkommen recht. Ich denke, die Kunst besteht bei jeder Form des künstlerischen Ausdrucks darin, die Regeln zu kennen und dann ganz bewusst zu brechen.
    Ich habe schon davon gehört, dass man zu Beginn in Zeichenklassen die großen Maler »kopiert«, um sich mit ihrem Stil auseinanderzusetzen, und dann im nächsten Schritt darüberhinaus geht.
    Ganz entscheidend ist in jedem Fall, wie Du richtig schreibst, den eigenen Weg bzw. Stil zu finden. Sonst bleibt die Kunst seelenlos. Eine billige Kopie.
    Danke für Deinen Kommentar
    Kari

  • #5

    Annette Meißner (Mittwoch, 18 Januar 2017)

    Genau so sehe ich das auch.
    Schreiben kann fast jeder Mensch, doch ist es oft nicht für den Leser geeignet, auch wenn es manche Selfpublisher meinen. Oft ist die Idee zum Buch klasse, doch die Umsetzung ist einfach grauenhaft. Angefangen mit Rechtschreibfehler, über grauenhafte Perspektivwechsel bis hin zu ständigen Wiederholungen. Ich habe schon so einige Manuskripte gelesen, bei denen mir fast die Haare ausgefallen wären.
    Wenn der Autor Talent hat und bereit ist, sich weiterzubilden, dann kann er gute Bücher in die Welt schicken. Wenn nicht, dann nicht.
    Ich finde Deinen letzten Absatz total treffend und schicke Dir viele Grüße aus dem kalten Solingen rüber,
    Annette

  • #6

    Kari (Mittwoch, 18 Januar 2017 11:08)

    Liebe Annette,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Es beruhigt mich, dass es auch andere »Büchermenschen« gibt, die es für wichtig erachten, sich als Autor bzw. Autorin weiterzubilden und sich NICHT NUR auf seine »Genialität« zu verlassen.
    Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht auch die andere Sichtweise gelten lasse. Natürlich habe ich auch von Kollegen Bücher gelesen, die gleich mit ihrem ersten Werk den Knaller formuliert haben. Davor ziehe ich den Hut. In meinen Augen ist das allerdings die Ausnahme.
    Übrigens ist Deine Website ganz großartig. Werde ich gleich mal weiter stöbern.
    Herzliche Grüße
    Kari