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Im Gespräch mit Autorin Dr. Angela Fetzner

Sara Belin im Porträt
Foto: privat

Liebe Angela, du bist schon seit einigen Jahren als Sachbuchautorin für die unterschiedlichsten Themen im Bereich »Gesundheit« unterwegs, und zwar durchaus erfolgreich, wie ich anmerken möchte. Was genau sind deine thematischen Schwerpunkte?
Von Beruf bin ich Apothekerin, deshalb schreibe ich natürlich schwerpunktmäßig allgemein verständliche Gesundheitsratgeber. Ich schreibe über Themen, welche die Menschen bewegen und die mich auch persönlich interessieren – und natürlich sind das immer Themen, mit denen ich mich gut auskenne und zu denen ich etwas zu sagen habe. Besonders möchte ich mit meinen Büchern auch eine Versöhnung von Schulmedizin und Naturheilkunde erreichen – denn keiner der beiden Bereiche kann ohne den anderen existieren. Wenn ich mit meinen Büchern der Leserin/dem Leser einen Anstoß zu einer gesünderen Lebensweise und mehr Lebensqualität gebe, macht mich das glücklich und gibt mir neuen Anreiz für meine Bücher.

Deine erste Veröffentlichung als Selfpublisherin war ein Erfahrungsbericht über die Partnersuche auf Online-Dating-Portalen (»Null Bock auf Mr. Cock«). Was hat dich dazu veranlasst, danach vorwiegend Sachbücher herauszubringen?
Nun, zuvor hatte ich schon bei einem Pharmakologiebuch („Facts Arzneimittel“) als Herausgeberin mitgewirkt. An meinem ersten eigenen Buch „Null Bock auf Mr Cock“ hatte ich vier lange Jahre gearbeitet, das Buch ist sozusagen das Ergebnis meiner persönlichen Erfahrungen mit der Welt des Internetdatings. Parallel dazu hatte ich aber schon mein zweites Buch „Gesund und ausgeglichen mit der Säure-Basen-Balance“ fertiggestellt, welches kurze Zeit nach „Null Bock auf Mr Cock“ erschien. Danach war mir klar, dass ich hauptsächlich dem Genre „Gesundheitsbücher“ treu bleiben wollte, da dies ja meine eigentliche Domäne ist – und es sind eben auch meine Gesundheitsbücher, welche meine Leserschaft lesen möchte.

Der Name »Fetzner« steht für Kompetenz

Wenn ich online nach Sachbüchern recherchiere, beispielsweise zum Thema »Gesund Abnehmen«, stoße ich relativ schnell auf Publikationen von dir – und natürlich anderen Autoren. Das Thema geht schließlich viele von uns an. Was unterscheidet deine Bücher von denen anderer Autoren? Warum sollte ich den Ratgeber von Frau Dr. Fetzner kaufen und nicht den der Konkurrenz?
Gesundheitsbücher gibt es viele. Hierzu muss man aber sagen, dass ein Großteil der Gesundheitsbücher von Laien geschrieben werden. Ich vermute, dass mindestens 90 % der Selfpublisher, welche Gesundheitssachbücher über Amazon veröffentlichen, Laien sind und keinerlei medizinische oder pharmazeutische Ausbildung haben. Damit dies dem Leser nicht auffällt, schreiben genau diese geschätzten 90 % der Autoren unter einem Pseudonym – und nicht nur ein Pseudonym wird verwendet. Die Autoren glänzen auch mit nicht vorhandenen Doktortiteln, sie „sind“ Psychologen, Ernährungswissenschaftler, Ernährungsberater, Heilpraktiker usw. Dazu kommen noch gefakte (käufliche) Fotos von jungen, dynamisch wirkenden Personen – welche diese Autoren aber natürlich gar nicht sind. Der Fantasie des Betrugs sind hier keinerlei Grenzen gesetzt.
Auf diese Weise wollen diese Fake-Autoren Kompetenz vortäuschen, welche sie in Wirklichkeit natürlich nicht besitzen. Liest man die „Bücher“ dieser falschen Autoren durch, werden dort bestenfalls nutzlose Hinweise gegeben – ich habe aber auch schon „gute“ Ratschläge gesehen, welche dem Leser das Leben kosten können… Das Problem ist hierbei, dass die Leser den scheinbaren Experten vertrauen und als Laien ja auch gar nicht merken, was in solchen „Büchern“ vom Stapel gelassen wird.
Ich dagegen schreibe nur unter meinem eigenen Namen – und stehe eben mit meinem Namen und meiner Kompetenz zu meinen Aussagen – ich hoffe, das ist nun nicht zu hochtrabend gesagt. Ich bin aber der festen Ansicht, dass jeder Schuster bei seinen Leisten bleiben sollte, jeder Sachbuchautor also nur über Themen schreiben sollte, mit denen er sich wirklich gut auskennt. Da ich auch nur mit meinem Namen schreibe, kann ich auch nicht – wie diese Fake-Autoren es häufig tun – monatlich das Pseudonym wechseln, wenn das alte sozusagen „verbrannt“ ist.
Im Übrigen gibt es das Phänomen der Täuschung auch bei Verlagen – hier schreiben oft Philologen oder ähnliche Personengruppen Gesundheitssachbücher. Das wäre gerade so, als ob ich jetzt anfangen würde, über Philologie zu schwadronieren. Authentisch kann man nur in dem Bereich sein, in dem man Wissen vermitteln kann. Im Übrigen schreibe ich meine Bücher auch durchweg selbst, auch hier will ich authentisch sein und mir nicht billigen Content einkaufen, der meist nichts wert ist.

Du schreibst unter deinem Namen. Das ist der eine Aspekt, doch wie ist es mit dem Fachwissen? Was verbindet dich ganz konkret mit den Gesundheitsthemen, über die du schreibst?
Ich schreibe ja nicht nur Bücher, sondern arbeite auch in der Apotheke, und zwar als Chefvertretung in verschiedenen öffentlichen Apotheken sowie Krankenhausapotheken in ganz Deutschland. Der Kontakt zum Kunden und zu den Kolleginnen ist mir sehr wichtig, so erfährt man, was die Menschen bewegt. Durch den Bezug zur Praxis bleibt der Mensch stets im Mittelpunkt. Oft kommen verzweifelte, schwer kranke Menschen in die Apotheke – dort Trost zu spenden und zu helfen, ist schwierig, macht aber dankbar und demütig. Durch die Arbeit in der Apotheke habe ich auch Gelegenheit, regelmäßig Fortbildungen zu besuchen und immer auf dem neuesten Stand der Pharmazie zu sein. Nicht zuletzt mag ich die gute Zusammenarbeit mit netten Kolleginnen, wie ich sie in vielen Apotheken treffe.

Nach welchen Kriterien wählst du deine Themen aus? Wann und wie weißt du, worüber du als nächstes schreiben wirst?
Ich habe eine Liste mit verschiedenen Buchideen. Bevor ich ein neues Buch beginne, schaue ich mir diese Liste an und wähle das nächste Projekt dann danach aus, für welches Thema ich gerade ein Faible habe. Natürlich behalte ich dabei auch im Auge, welches Thema die Leser interessieren könnte. Manchmal schreibe ich auch Themen, die mich selbst interessieren, für die aber nur eine kleine Leserschaft in Frage kommt.

Trends kann man beobachten – oder sie begründen

Könnte man dich vielleicht sogar als »Trendsetterin« bezeichnen?
Naja, ich habe das erste deutsche Buch über „Clean Food“ geschrieben – der Trend kommt ja aus den USA und ich habe schon sehr früh davon gehört und lebe auch teilweise nach den Prinzipien von „Clean food“. Auch „Chia“ ist ein sehr beliebtes Thema, hier habe ich das zweite auf dem deutschen Markt erhältliche Buch geschrieben. Natürlich haben gleich viele der Fake-Autoren – diese schreiben ihre Bücher nicht nur nicht selbst, sondern sie haben auch keine eigenen Ideen – auch „Clean food“-Bücher geschrieben, freilich von minderwertiger Qualität. Bei „Chia“ war die Entwicklung noch schlimmer, man meinte, fast jeden Tag kam ein neues Chia-Buch auf dem Markt. Solche Fake-Autoren studieren genau die Verkaufszahlen am Markt, entsprechend wählen sie ihre Themen. Hier geht es nicht um die Leidenschaft am Schreiben oder darum, Wissen zu vermitteln – hier geht es leider nur ums Geldverdienen, mit mehr oder minder unmoralischen Methoden.

Auf meinem Blog gibt es ab nächstem Jahr eine Beitragsreihe über meine Arbeit als Liebesromanautorin. Wie gehst du als Sachbuchautorin vor, wenn du ein neues Buch entwickelst? Gibt es konkrete Schritte, die gleich bleiben, und solche, die je nach Thema und Sachgebiet variieren?
Meine Arbeitsweise unterscheidet sich vollkommen von Deiner, ich arbeite – ganz im Gegensatz zu Deiner akribischen Arbeitsweise – schon etwas ungeplant. Ich habe zwar ein Grundgerüst, wie ein Buch inhaltlich am Ende aussehen soll, viele Gedanken und Themen kommen mir aber erst beim Schreiben. So ist die Vorgehensweise auch bei jedem Buch anders, einfacher wäre es sicher, es gäbe da konkrete Schritte. Viele Autoren schreiben ja auch zunächst das Inhaltsverzeichnis und arbeiten dann alle Punkte nacheinander ab, diese Arbeitsweise ist mir aber fremd.

Die Frage des persönlichen Stils

Ist es an diesem Punkt noch mal unterschiedlich, ob man im Auftrag eines Verlages schreibt, was du als sogenannte »Hybridautorin« machst, oder ob man als Selfpublisherin in Eigenverantwortung schreibt?
Ich habe neben einem Buch über Ärzte- und Apothekerwitze („Kommt ein Mann zum Arzt“) noch ein Buch über Cannabis („Weißbuch Cannabis“) geschrieben, beides bei der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft Berlin (MWV-Verlag Berlin). Grundsätzlich ist die Arbeitsweise – Recherche und anschließendes Niederschreiben der Ergebnisse – die gleiche. Ein Wissenschaftlicher Verlag legt natürlich größeren Wert auf ein Literaturverzeichnis, auch ist die Sprache weniger salopp wie bei meinen selbstverlegten Büchern. Die Kombination von Verlagsarbeit und Selfpublishing ist für mich ideal und ich hoffe, meine Arbeit in dieser Form fortsetzen zu können.

Hier erwähnst du einen Aspekt, der mir selbst bei deinen Büchern aufgefallen ist: Du hast einen unverwechselbaren Stil. Du schreibst humorvoll, ein wenig blumig, ein wenig akademisch und doch gut verständlich. Gibt es dabei einen Unterschied zwischen deinen selbstverlegten und deinen Verlagsbüchern? Oder bleibst du dir sprachlich grundsätzlich treu?
Im Großen und Ganzen bleibe ich – ob es nun Verlagsarbeit oder Selfpublishing ist – meiner Sprache treu. Natürlich muss man bei der Arbeit für einen renommierten Wissenschaftsverlag auch gewisse Rücksichten nehmen – jeder Verlag hat eine Corporate Identity – also ein Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit und eine gewisse Philosophie. Wer also als Autor bei einem solchen Verlag veröffentlicht, muss sich da schon etwas anpassen. Das sehe ich aber nicht als Selbstverleugnung an, sondern auch die eher wissenschaftliche Sprache hat ihren Charme – jede Sprache und jede Ausdrucksweise hat also ihren Sinn und ihre Zielgruppe.

Dr. Angela Fetzner im Internet

Ganz herzlichen Dank, liebe Angela, für das Gespräch. Es war mir ein Vergnügen, so lange und ausführlich mit dir zu plaudern.

Liebe Kari, auch dir herzlichen Dank für das Interview. Es hat mir großen Spaß gemacht, mich mit dir zu unterhalten.

Und hier findest Du Dr. Angela Fetzner im Internet:

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