Was versteckt sich hinter NLP?

Schriftzug NLP mit der Frage: »Was ist das eigentlich?«

NLP. Drei ominöse Buchstaben, auf die ich heute näher eingehen möchte. Hand aufs Herz: Hast Du schon mal von NLP gehört? Vielleicht hast Du in der Vergangenheit eine Therapie oder ein Coaching in Anspruch genommen, in dessen Verlauf der Therapeut bzw. Coach mit NLP-Techniken gearbeitet hat. Oder Du denkst eher an windige Verkäufer, die ihre »armen Opfer« so lange bequatschen, bis diese ihnen alles abkaufen. Das sind zwei mögliche Assoziationen mit NLP. Ich will Dir allerdings hier sachlich und ganz in Ruhe erklären, was NLP wirklich ist.

NLP ist zuerst einmal die Abkürzung für den Begriff »Neurolinguistisches Programmieren«. Es ist eine Methode, die zwischenmenschliche Kommunikation und das Verständnis füreinander zu verbessern. Zu diesem Zweck beschäftigt sich NLP damit, wie unser Gehirn Sinnesreize und von außen kommende Impulse wahrnimmt, bewertet und mit vorhandenen Informationen verknüpft.
Schauen wir im Folgenden auf die Bedeutung der drei Buchstaben:

1. N = Neuro

Wir nehmen die Welt über unsere fünf Sinne wahr, d.h. über die Augen, die Ohren, die Zunge, die Nase und die Haut. Alles, was uns darüber erreicht, wird vom Gehirn gefiltert, mit bereits vorhandenen Erfahrungen verglichen — und zugeordnet oder aussortiert. D.h. wir bewerten in Sekundenbruchteilen und bestätigen uns dadurch selbst unsere Sicht der Dinge.

2. L = Linguistisch

Auch an uns gerichtete Sprache, sei es in gesprochener oder in geschriebener Form, wird von unserem Gehirn gefiltert, bewertet und sortiert. Deswegen geben Menschen dasselbe Ereignis auf unterschiedliche Art und Weise wieder. Dabei hat jeder von ihnen recht: Jede Person hat ihre ureigene Sicht der Dinge, weil sie in ihrem Leben einzigartige Erfahrungen und Lernprozesse durchgemacht hat. Selbst Geschwister sind in der Regel unterschiedlich geprägt.

3. P = Programmieren

Programmieren meint in diesem Zusammenhang nicht das Erstellen von Computersoftware; es geht vielmehr um die Wechselwirkung von Sinneswahrnehmung und der anschließenden Wiedergabe durch Sprache, die durch das »Programmieren« neu ausgerichtet wird. Das bedeutet, wenn mich ein Erlebnis belastet, kann ich mit Hilfe von NLP (und einem professionellen Therapeuten oder Coach) ergründen, welche Wahrnehmungsfilter mich zu dieser ganz speziellen Sicht der Dinge geführt haben, und diese dann verändern, d.h. neu »programmieren«. Dadurch lerne ich, die Welt anders wahrzunehmen, wodurch das ursprüngliche Problem oft innerhalb kurzer Zeit seinen Schrecken verliert und der Alltag dadurch leichter wird.

(Quelle: Barbara Seidl: »NLP — Mentale Ressourcen nutzen.« Haufe Verlag, 3. Auflage 2015, S. 8-12)

Geht’s bitte auch etwas konkreter?

Coach und Klient im Gespräch | Foto: pixabay.com
Coach und Klient im Gespräch | Foto: pixabay.com

Natürlich. Wenden wir uns der Praxis zu. Wer seriös mit NLP arbeitet, ist daran interessiert, sich im Gespräch auf Augenhöhe mit seinem Gesprächspartner zu befinden und ihn genau dort abzuholen, wo dieser jetzt steht. Das bedeutet, dass ich mich als NLP-Anwender auf meinen Gesprächspartner einstelle. Ich richte meine Kommunikation exakt auf mein Gegenüber aus, um sicherzustellen, dass meine Botschaft auch wirklich korrekt ankommt. Das bedeutet nicht, mein Gegenüber auszutricksen! Der Inhalt bleibt unverändert, nur die Worte sind angepasst. So wähle ich für einen auditiven Menschen andere Sprachbilder als zum Beispiel für einen visuellen Typen. Entsprechend kann ich mich auch mit meiner Körperhaltung der meines Gesprächspartners anpassen, um eine gemeinsame Basis zwischen uns zu schaffen. Denn genau darum geht es.
Zusätzlich bietet NLP einen üppigen Methodenkoffer, um einen Klienten (oder Patienten) aus einer scheinbar ausweglosen Situation zu befreien und ihm neue Perspektiven (= Lösungen) aufzuzeigen.

NLP befähigt Dich, Deinem Gesprächspartner auf Augenhöhe zu begegnen. [click&tweet]

Einsatzbereiche von NLP

Ein ganz klassischer Einsatzbereich von NLP ist natürlich das Coaching, denn zum Handwerkszeug des zertifizierten NLP-Anwenders gehören nach den erfolgreich bestandenen Prüfungen eine Vielzahl von Techniken, die Klienten helfen, ihre bisherige Sicht der Welt nachzujustieren. Auch andere Therapeuten nutzen NLP gerne als Zusatzqualifikation. So kenne ich etwa einen praktizierenden Schamanen, der zugleich NLP-Practitioner (wie auch ich) ist.
Eine weitere Einsatzmöglichkeit von NLP sind Betriebs- oder Personalräte bzw. Mitarbeiter von Personalabteilungen. D.h. Bereiche, in denen viele Mitarbeitergespräche stattfinden, bei denen es wichtig ist, dass sie zu einem für beide Seiten positiven Ergebnis führen.
Natürlich sind auch viele Verkaufs- und Kundenberater in NLP geschult. Im positiven Fall, um wirklich die Bedürfnisse ihres Gesprächspartners herausarbeiten zu können; im negativen Fall, um auf Biegen und Brechen alles an den Mann (oder die Frau) zu bringen.

Warum lernt eine Autorin NLP?

Zuerst einmal habe ich das für mich getan. Am Jahreswechsel 2011/2012 steckte ich am Tiefpunkt einer Krise, in die ich im Verlauf von sechs Jahren immer tiefer hineingeschlittert war. Ich fand einfach nicht den Ausgang! Damals rieb ich mich seit Jahren zwischen all meinen Talenten (als Scannertyp habe ich davon massig, das kannst Du mir glauben), dem Brotjob als Verlagsangestellte und meiner Familiensituation als alleinerziehende Mutter eines kleinen Jungen auf. Ich taumelte von einem Burnout zum nächsten und fand keine Zeit, mich zu erholen oder meinem Leben eine neue Richtung zu geben. Ich musste schließlich funktionieren; zumindest nahm ich das für mich als gesetzt an.
Da stieß ich auf einen Coach, der mir eine Ausbildung zum NLP-Practitioner vorschlug, um zum einen etwas Neues zu lernen (was für mich ja immer DAS Argument schlechthin ist), zum anderen um meine seelischen und körperlichen Nöte zu heilen. Was soll ich sagen? Es hat funktioniert. 😀

NLP war meine Initialzündung

Noch während der NLP-Ausbildung beendete ich nach zwanzig Berufsjahren mein bestehendes Arbeitsverhältnis und beschloss, mich als freie Autorin selbständig zu machen. Diesen Schritt habe ich keine Sekunde bereut. Endlich hatte ich die Zeit, mich intensiv um meine Leidenschaft, das Schreiben, zu kümmern. Keine Kompromisse mehr, keine durchgearbeiteten Nächte, keine geklauten Wochenenden mehr. Ich war angekommen.
Letztes Jahr meinte ich dann, diese Erfolgsstrategie noch einmal wiederholen zu müssen, indem ich den nächsten Schritt der NLP-Ausbildung, den Master, anschließen wollte. Doch das ging schief. Mein Körper verweigerte mir seinen Dienst. Und da ich inzwischen gelernt hatte, auf mich selbst zu hören, akzeptierte ich die Botschaft — und brach den Kurs ab.

Alles umsonst, oder?

Nein, keineswegs. Einerseits wende ich die Techniken im Alltag und im Berufsleben an, z.B. in Gesprächen und Diskussionen mit anderen. Lehrergespräche sind da ein ganz hervorragendes Übungsfeld. 😉 Andererseits war ich so begeistert von diesem Methodenpool, dass ich NLP auch in meinen Roman »Liebe auf Schamanisch« eingewoben habe. Die Techniken, mit denen die weise alte Frau (Alma, die Schamanin) den Seelenseher Patrick auf seine Aufgabe vorbereitet und ihn zum Botschafter der Seelen ausbildet, basieren zum Teil auf NLP. So verwende ich etwa die Leinwandtechnik, wenn der fertig ausgebildete Patrick mit den Seelen seiner Klienten kommuniziert. Außerdem sind viele der Träume und Visionen eigentlich Metaphern, in die ich Botschaften für meine Figuren verpackt habe. Genau so, wie man das auch im NLP-unterstützten Coaching tut.
Wer also glaubt, dass »Liebe auf Schamanisch« ein schlichtes Fantasiegebilde ist, der irrt. Darin steckt sehr viel mehr. Unter anderem eben ein echtes Coach-Klient-Verhältnis zwischen Alma und Patrick, das ihn am Ende tatsächlich dazu befähigt, ein neuer Mensch zu werden — und zu sein.

Neugierig geworden?

Auf NLP oder das Buch? Letzteres kannst Du über meinen Shop, den Buchhandel oder das Internet beziehen. Und NLP kannst selbstverständlich auch Du lernen. Allerdings solltest Du Dich nach seriösen Anbietern umschauen. Eine Woche mit achtzig Seminarteilnehmern mag vielleicht den Abschluss in kurzer Zeit für wenig Geld bringen, aber mit Sicherheit keinen nachhaltigen Veränderungseffekt an Dir selbst. Doch genau darum geht es bei der ersten Stufe der NLP-Ausbildung, dem Practitioner: die Techniken lernen und im Coach-Klient-Verhältnis innerhalb des Kurses einüben bzw. als Klient behandelt werden. Und das braucht Zeit, um sich zu festigen. Zusätzlich gibt es eine Abschlussarbeit und eine praktische Prüfungsaufgabe, die beide vorbereitet sein wollen. Ich habe damals zehn Wochenenden innerhalb von zwölf Monaten gebucht. Natürlich gehen auch Drei-Tages-Modelle mit einer etwas kürzeren Laufzeit, z.B. im Rahmen von zehn Monaten. Und der Ausbilder sollte selbst eine Trainerlizenz und langjährige NLP-Erfahrung vorweisen können. Sonst lässt Du besser die Finger weg.

In jedem Fall wünsche ich Dir viel Spaß dabei — und tiefgreifende Erkenntnisse. Erzähl mal davon. Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

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Kommentare: 4
  • #1

    Regina (Samstag, 25 Juni 2016 00:40)

    Danke für den tollen Einblick. Ein wirklich interessantes Thema.

  • #2

    Kari (Montag, 11 Juli 2016 20:52)

    Da habe ich doch glatt vergessen, Dir zu antworten, Regina. Aber auf FB haben wir uns ja anschließend ausführlich ausgetauscht, sodass Du nicht im luftleeren Raum hängen geblieben bist. Auch wenn es hier auf dem Blog so aussieht.

  • #3

    Georg (Montag, 11 Juli 2016 20:56)

    Hallo Kari,

    ein sehr interessantes Thema, mit dem man sich ausführlicher befassen sollte. Bei Fragen kann ich mich wohl an Dich wenden?

  • #4

    Kari (Montag, 11 Juli 2016 21:08)

    Na klar, Georg. So weit ich dir helfen kann, tue ich das.
    Viele Grüße und einen schönen Abend,
    Kari