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Sei doch nicht so empfindlich!

Pusteblume vor blauem Himmel
Foto: pixabay.com

Gibt es Menschen, die besonders sensibel sind? Die Gefühle und Emotionen ihrer Mitmenschen deutlicher, vielleicht stärker oder »ungefilterter« empfangen? Meine Antwort ist ein klares »Ja«. Ich bin in meinem Leben schon vielen Menschen begegnet, auf die diese Beschreibung zutrifft.

Einige von ihnen hatten vorausschauende Träume, d.h. in ihren Träumen ahnten sie Ereignisse voraus, die später tatsächlich stattfanden. Andere konnten hinter die Fassade von Menschen blicken und nahmen hinter dem freundlichen, nach außen gezeigten Gesicht ganz andere Botschaften wahr. Wieder andere konnten keinen Krach ertragen oder mussten sich von Menschenmengen fernhalten, weil sie das körperlich überforderte.

Sind diese Menschen krank? Verrückt? Oder — neutral formuliert — einfach anders?

Nein, diese Menschen sind hochsensibel. Neben ihrer besonderen Feinfühligkeit ist und war ihnen allen gemeinsam, dass sie sich gering schätzten, missachteten und teilweise sogar für ihre Gabe schämten. Dabei ist diese Hochsensibilität in meinen Augen genau das: eine Gabe. Für mich hat sie den gleichen Stellenwert wie jedes andere Talent. Wie eine besondere intellektuelle Befähigung, wie ein künstlerisches Talent oder auch eine besondere Körperbeherrschung in Gestalt eines Sporttalents. Es gibt natürlich noch viel mehr »Gaben« als die von mir geschilderten, doch mir geht es in diesem Beitrag — und in meinem Roman »Liebe auf Schamanisch« — um die Hochsensibilität.

Hochsensibilität in »Liebe auf Schamanisch«

In »Liebe auf Schamanisch« habe ich Hauptfigur Patrick — neben seiner Gabe des Seelensehens — auch die der Hochsensibilität gegeben. Neben den Seelenbotschaften anderer Menschen empfängt er deren Gefühle und Emotionen. Allerdings hat er nie gelernt, mit diesen beiden Gaben umzugehen. Stattdessen überrollen ihn die Bilder und Emotionen, ohne dass er sich ihnen entziehen könnte. Sein einziger Ausweg ist es, sich von den Menschen so weit wie möglich fern zu halten. Statt seine Gaben zu leben, haben sie ihn zum Außenseiter gemacht.

Anlaufstellen für Hochsensible

Vielleicht fühlt sich ein hochsensibler Mensch hin und wieder als »Außerirdischer«, als »aus der Norm gefallen« oder andersartig. Doch das muss kein Dauerzustand sein. Als erste Anlaufstelle gibt es im Netz hilfreiche Seiten, die zu Fachliteratur und auf Hochsensibilität spezialisierte Coaches verlinken. Dazu gehören:

An Literatur kann ich folgende Bücher empfehlen, die ich selbst bereits gelesen habe und als hilfreich sowie sehr informativ betrachte:

  • Susan Marletta-Hart: Leben mit Hochsensibilität — Herausforderung und Gabe. Aurum Verlag
  • Barbara Arzmüller: Sensible Menschen — Gute Wege zum Schützen und Stärken. Schirner Verlag
  • Anne Heintze: Außergewöhnlich normal: Hochbegabt, hochsensitiv, hochsensibel: Wie Sie Ihr Potential erkennen und entfalten. Ariston Verlag

Zu wissen, dass man hochsensibel oder hochsensitiv ist, ist eine Sache. Eine andere, sich mit dieser Konstitution wohlzufühlen.

Für Patrick in »Liebe auf Schamanisch« führt der Weg über Schutzrituale zu ihm selbst. Er muss erst mit sich selbst im Reinen sein und sich so annehmen, wie er ist, dann kann er ein erfülltes Leben führen. Seine »Überempfindlichkeit« geht dadurch natürlich nicht weg. Er bleibt weiterhin empfänglich für die Schwingungen, Energien und Gefühle anderer Menschen. Aber er lernt, sich vor dem »Zuviel« zu schützen und seine Fähigkeit als Gabe zu betrachten, nicht mehr als Fluch. Genau darin liegt der alles entscheidende Unterschied.

Wie kann man sich schützen?

Möglichkeiten des Schutzes gibt es viele. Angefangen von alltagspraktischen Tipps bis hin zu spirituellen Ritualen. Welche man für sich in Erwägung zieht und ausprobiert, bleibt jedem Menschen selbst überlassen. Eine große Bandbreite findest Du in folgenden Büchern:

  • Susan Marletta-Hart: Leben mit Hochsensibilität — Herausforderung und Gabe. Aurum Verlag
  • Barbara Arzmüller: Sensible Menschen — Gute Wege zum Schützen und Stärken. Schirner Verlag
  • Susanne Hühn: Spiritueller Schutz im Alltag — 16 kleine Übungen für die Seele. Schirner Verlag
  • William Bloom: Wie schütze ich meine Aura? Mit einfachen Übungen für den Alltag. Aquamarin Verlag

Noch einmal möchte ich darauf hinweisen, dass die besondere »Spürigkeit« trotz des Schutzes nicht aus Deinem Leben verschwinden wird. Du bist ihr nur nicht mehr so ausgeliefert und kannst leichter mit ihr Frieden schließen; und das ist letztlich der einzige Weg, um als hochsensibler Mensch ein erfülltes Leben führen zu können. Zumindest meiner Meinung nach.

Auf den eigenen Körper hören

Wichtig ist es meiner Einschätzung nach auch, den Signalen des eigenen Körpers zu vertrauen. Und sie wahr- und ernst zu nehmen. Wenn alle anderen die ganze Nacht lang in der Disco abtanzen können, Deine Sinne aber bereits nach einer Stunde überreizt sind, macht es wenig Sinn, Dich den Rest der Nacht auf der Tanzfläche zu quälen. Wozu? Um dazuzugehören? Um anerkannt zu werden? Um nicht aufzufallen? Doch was ist der Preis dafür? In der Regel körperliche Beschwerden, die sich irgendwann nicht mehr ignorieren lassen. Klar gibt es Mittel und Wege, auch diese Signale auszuschalten; aber auch diese »Vergewaltigung« funktioniert nur über eine begrenzte Zeit (die sich natürlich über Jahre erstrecken kann). Irgendwann ist aber definitiv der Saft raus und die Batterie leer. Und dann?

Hochsensibilität ist eine Gabe wie ein hoher Intellekt oder ein künstlerisches Talent.  [click & tweet]

Alleinsein und neue Kraft tanken

Ein wunderbarer Ausgleich — und für viele Hochsensible essentiell — ist das Alleinsein. Sie brauchen Ruhe, mitunter sogar in der Natur, um abzuschalten, die überreizten Sinne zu beruhigen und wieder zu Kräften zu kommen. Wer spirituell unterwegs ist, greift vielleicht zusätzlich auf Achtsamkeitsübungen oder Meditationen zurück. Eher sportlich ausgerichtete Menschen freunden sich möglicherweise mit Yoga an. Hauptsache dabei ist, dass die Sinne abschalten können und das ganze Körper-Geist-System wieder neue Kraft tankt.

Schutz- und Reinigungsrituale

Manchmal mag das nicht ausreichen. Du fühlst Dich dennoch ausgelaugt und überfordert, obwohl — objektiv betrachtet — gar kein Grund dazu besteht. Mir hilft es in einem solchen Fall, mein Energiefeld bzw. meine Aura zu reinigen. Dazu gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, die Du alle in den oben genannten Büchern findest. Hier nur eine kleine Auswahl:

  • Mein Lieblingsreinigungsritual ist ein Meersalzbad oder — noch besser — eine Runde Schwimmen im Meer. Wichtig ist dabei die mentale Botschaft, alle Energien abzulösen, die man aufgenommen hat und die nicht zu einem selbst gehören und einem auch nicht dienlich sind.
  • Auch eine Dusche, falls Du keine Möglichkeit für ein Bad hast, eignet sich für eine energetische Reinigung. Dann solltest Du sie mit der Vorstellung einer Lichtdusche kombinieren, die ebenfalls alle fremden, aufgenommenen Energien ablöst. Sowohl im Bad als auch unter der Dusche solltest Du die Haare mitwaschen.
  • Wenn Dir Engel vertraut sind und Du lieber um himmlische Hilfe bitten möchtest, kannst Du Dich an Erzengel Michael wenden. Auch ihn kannst Du darum bitten, alle Energien aus Deinem Energiefeld abzulösen, die nicht zu Dir gehören und Dir nicht dienlich sind.
  • Wer mit Heilpendeln von Josef Baj arbeitet (so wie ich), kann auch sein Isis-Osiris-Pendel um die Energieablösung und Reinigung bitten.
  • Mit Salbei lässt sich nicht nur die Wohnung räuchern, sondern auch die Aura reinigen. Danke für den Tipp, Clia von Café Clia.

Doch wenn Du gar nicht erst in die Situation kommen möchtest, Dich hinterher reinigen zu müssen, kannst Du es im Vorhinein mit einem Schutz versuchen, sodass eine potentiell belastende Situation erst gar nicht so wirkt. Auch dazu findest Du in den oben angeführten Büchern eine Reihe von Vorschlägen. Ich gebe im Folgenden ein paar Anregungen zum Ausprobieren:

  • Du kannst Erzengel Michael jederzeit um Schutz bitten. Nicht nur vor Unfällen, sondern auch vor Energien, die Dir nicht dienlich sind. Parallel kannst Du Dir dazu eine Hülle aus blauem Licht vorstellen, die dich komplett umhüllt.
  • Auch den persönlichen Schutzengel oder die Engel allgemein kannst Du um Schutz Deiner Aura bitten.
  • Auch die Vorstellung einer weißen Lichthülle, ergänzt durch ein dreifaches goldenes Gitternetz, ist eine gute Schutzmöglichkeit. Ich persönlich mag dieses Schutzritual besonders gerne.
  • Alternativ kannst Du Schutzsymbole, Mineralien, wie z.B. den Achat, Dein Krafttier oder auch Düfte verwenden. Dabei sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist, dass Du Dich dabei wohlfühlst.

Es gibt kein richtig oder falsch

Hochsensibilität ist ein Phänomen, das noch nicht erschöpfend erforscht ist. Entsprechend vielseitig sind die Möglichkeiten, damit umzugehen. Ich habe hier in diesem Blogbeitrag einen kleinen Überblick gegeben aus verschiedenen Ecken der Literatur, die sich mit diesem Thema befassen. Man kann das alles rein sachlich oder psychologisch angehen, aber auch durchaus einen esoterisch-spirituellen Ansatz wählen. Meiner Ansicht nach ist das keine Frage des Entweder Oders, sondern der persönlichen Vorliebe. Für den einen passt der sachliche Ansatz besser, für den anderen vielleicht Engel oder Kristalle oder noch etwas ganz anderes. Probiere einfach aus, was sich für Dich richtig anfühlt und als hilfreich erweist. Als hochsensibler Mensch hast Du schließlich ein erstklassiges Instrument dafür: Deine Sensitivität.

In diesem Sinne wünsche ich Dir ein fröhliches Experimentieren und eine gute Zeit mit Dir selbst.

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Kommentare: 6
  • #1

    Jacqueline Spieweg (Montag, 30 November 2015 18:46)

    Liebe Kari,

    vielen Dank für diesen tollen Beitrag.

  • #2

    Kari (Montag, 30 November 2015 20:08)

    He, freut mich, dass Dir der Beitrag gefällt. War mir eine Herzensangelegenheit, dieses Thema noch mal ausführlicher zu behandeln.
    Danke dir, Jacqueline :-)

  • #3

    ANJA (Dienstag, 01 Dezember 2015 09:27)

    Toller Post !
    Obwohl , es klingt fast so als wenn ein hochsensibler Mensch unbedingt Hilfe braucht Das sehe ich nicht so ! Jedenfalls nicht jeder ! Auch glaube ich nicht das sich hochsensible Menschen 'gering ' schätzen . Ich sehe es auch als eine besondere Gabe auf die man Stolz sein kann !
    Lieve Grüsse Anja

  • #4

    Kari (Dienstag, 01 Dezember 2015 09:53)

    Liebe Anja,
    Danke für Dein Feedback - und den Besuch auf meinem Blog.
    Es ist so, wie du schreibst: Unterstützung braucht mit Sicherheit nicht JEDER hochsensible Mensch. Doch die, die ich persönlich kennenlernen durfte, die mussten erst mal erkennen, welchen Schatz sie in sicher bergen. Sie waren immer nur klein gemacht worden. Allerdings stammen sie durchgängig auch aus einer Generation, die nur auf Leistung gedrillt war (Fast- bzw. Ü50). Bei jungen Menschen sieht das heute ganz anders aus. Das habe ich auch auf vielen Youtube-Videos zum Thema gesehen - und mich freut das total!!
    Wenn ich mit meinem Posting nur einen Menschen erreiche, der über seine Empfindlichkeit nachdenkt und sagt »Oh, vielleicht ist es ja doch was Gutes, so sensibel zu sein«, dann habe ich mein Ziel erreicht.
    Dir auch einen lieben Gruß zurück, Kari

  • #5

    Myna Kaltschnee (Freitag, 04 Dezember 2015 23:47)

    Super Artikel! Ich bin selbst hochsensibel und es fällt mir nicht immer leicht, das als "Gabe" zu betrachten. Dennoch hat mir dein Beitrag Mut gemacht und mir mal wieder gezeigt, dass ich kein "Außerirdischer" bin, auch wenn ich mich manchmal so fühle.

  • #6

    Kari (Samstag, 05 Dezember 2015 10:20)

    Liebe Myna,
    das freut mich! Ich wünsche Dir noch viele solche Momente, in denen Du zu Dir stehen kannst. In denen Du das Maß bist, nicht »die anderen«.
    Liebe Grüße,
    Kari