· 

Persönlich oder privat, das ist hier die Frage

Foto: pixabay.com
Foto: pixabay.com

Mein Blogartikel zur #Blogparade »Brauchen Frauen eine beste Freundin?« hat eine kleine Diskussion ausgelöst, die ich zum Anlass genommen habe, mir ein paar Gedanken zu machen.


Ist es zu persönlich, eine Meinungsverschiedenheit zu thematisieren, ohne dabei private Details preiszugeben?

Bevor ich weiter philosophiere, halte ich eine Begriffsklärung für unabdingbar. »Privat« und »persönlich« werden zwar im allgemeinen Sprachgebrauch als synonym genutzt — sogar der Duden gibt beide Begriffe als Synonyme an —, aber das ist so nicht ganz korrekt.

Begriffsdefinition

»Persönlich« ist laut Duden etwas, das eine bestimmte Person charakterisiert, das sie auszeichnet und einzigartig macht. »Privat« dagegen meint alles, was keinen offiziellen, dienstlichen Charakter hat. Das Wort stammt aus dem Lateinischen von »privatus«, was so viel heißt wie »getrennt/befreit von (öffentlichen bzw. staatlichen Pflichten)«. Laut Wikipedia bezeichnet »privat« Gegenstände, Bereiche und Angelegenheiten, die abgeschlossen sind und deswegen nicht der Allgemeinheit offenstehen. Privates gehört nur zu einer Person oder einem in sich geschlossenen Personenkreis, der in einem engen Vertrauensverhältnis steht, was z.B. auf die Familie oder einen Freundeskreis zutrifft.

Rein von der Begrifflichkeit wird hier deutlich, dass die Worte eigentlich zwei vollkommen verschiedene Dinge bezeichnen, die im allgemeinen Sprachgebrauch — und damit auch im Duden — vermischt werden.

Ein Beispiel muss her

In der Praxis würde das also Folgendes bedeuten: Auf meiner »Über mich«-Seite schreibe ich zum Beispiel, dass ich mich in meiner Freizeit für hochbegabte Kinder und Jugendliche engagiere. Das ist eine persönliche Information, weil sie mich als Person charakterisiert und meinen Lesern hilft, sich von mir ein genaueres Bild zu machen. Warum ich das tue und wie genau mein Engagement aussieht, habe ich nicht preisgegeben, weil diese Beweggründe mit intimen Details verknüpft sind, die ich der Öffentlichkeit nicht zugänglich machen möchte. Das ist privat.

Was bedeutet das für die Diskussion zur Blogparade?

Wenn ich die Begriffsdefinitionen berücksichtige, bin ich der Meinung weder zu persönlich geworden zu sein noch Privates in die Öffentlichkeit gezerrt zu haben. Natürlich ist die Information, dass ich — wie sicher viele andere Frauen auch — über Jahrzehnte hinweg eine beste Freundin hatte, diese Freundschaft aber leider zerbrochen ist, persönlich. Aber private Details, etwa warum diese Freundschaft auseinander gegangen ist, was ich versucht — bzw. nicht versucht — habe, um die Freundschaft zu retten, ob ich schuld oder nicht schuld am Ende der Beziehung bin, sind in dem Beitrag nicht zur Sprache gekommen. Diese hätten nichts, aber auch gar nichts in der Öffentlichkeit zu suchen.

Meine Vorschläge, sich nach dem Ende einer solchen Freundschaft trotzdem für die gemeinsame schöne Zeit zu bedanken und ein Vergebungsritual für die ehemalige Freundin abzuhalten, sind meine persönliche Meinung, wie man mit einer solchen Situation umgehen kann. In meinen Augen sind das keine privaten Details.

Zurück zur Begrifflichkeit

Persönlich ist nicht privat, und in den sozialen Medien sollte man tunlichst vermeiden, private Themen breit zu treten. Persönliches ist allerdings mitunter angebracht, um dem Leser oder Kunden eine genauere Vorstellung von dem Menschen hinter dem Produkt (Buch, Dienstleistung etc.) zu geben.

Darum heißt die Devise für die Kommunikation im Social Web »Persönlich, aber nicht privat«, wie dies Sascha Theobald bereits 2013 im Rahmen einer Blogparade von Annette Schwindt (schwindt-pr) formuliert hat.

In diesem Sinne wünsche ich Dir ganz persönlich einen erholsamen Abend und guten Wochenstart — und wende mich meinem Privatleben zu.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Farbenfreundin (Sonntag, 22 November 2015 09:43)

    Schön zu lesen. Auch ich hatte das Thema der Blogparade aufgenommen und dann aber beim Schreiben gemerkt, wie schwierig die Abgrenzung zu "Privat" ist. Ja, persönlich schreiben, bloggen, kommunizieren... aber dann doch nicht so privat werden... gerade beim Thema Freundschaft ein schwieriges Unterfangen.
    Ich hab's dennoch versucht und mit etwas Verspätung ist dann also in der kommenden Woche mein Blogparade-Beitrag online.
    Das Thema fand ich einfach zu gut! Ja, weil...

  • #2

    Kari (Sonntag, 22 November 2015 12:18)

    Liebe Farbenfreundin,
    schön zu lesen, dass dir der Unterschied ebenfalls aufgefallen ist. Gerade bei einem so persönlichen Thema wie Freundschaft ist es wirklich schwer, persönlich zu schreiben, ohne allzu privat zu werden ...
    Gerade deshalb bin ich sehr gespannt auf deinen Blogbeitrag.
    Lieben Gruß,
    Kari