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Leseprobe #2 zu »Liebe auf Schamanisch«

E-Book-Cover zu »Liebe auf Schamanisch«
© Leone_V/shutterstock.com | Cover: Juliane Schneeweiss, www.juliane-schneeweiss.de, Model: © Rido/shutterstock.com

Im letzten Blogbeitrag habe ich Euch die spirituellen Aspekte meines Romans »Liebe auf Schamanisch« vorgestellt. Diesmal enthülle ich nicht nur das vollständige Cover, sondern habe zugleich auch eine weitere Leseprobe für Euch, nämlich aus der schamanischen Welt des Buches.

 

Ihr erinnert Euch daran, dass Schamanen mitunter durch die Dimensionen reisen können, ohne dabei ihren Körper zu verlassen. Auch Patrick lernt das während seiner Ausbildung bei Alma Hinrichsen. Bei seiner ersten Reise wird er von seinem Krafttier begleitet, einem Drachen namens Ximaio. Mit ihm hat er sich zuvor von Herz zu Herz verbunden und sollte eigentlich wissen, dass er ihm vertrauen kann. Eigentlich …

Leseprobe aus der schamanischen Welt des Buchs

Spitze, verrostete Schreie erklangen. Erst drangen sie nur vereinzelt zu mir durch, dann bemerkte ich sie immer häufiger. Außerdem schienen sie näherzukommen.

»Mach die Augen auf und sieh die Folgen deiner Angst«, tönte Ximaio in meinem Kopf.

Immer noch hing ich verkrampft auf seinem Rücken und klammerte mich an seinem Hals fest.

»Unser Flug wird ungemütlich. Deine Angst nimmt Gestalt an.«

»W-was?«

»Schauen musst du schon selbst.«

Vorsichtig richtete ich mich ein wenig auf und sah uns von seltsamen schwarzen Wesen umschwirrt. Gab es Fledermäuse, die so groß wie Menschen waren? Davon hatte ich noch nie gehört. Außerdem hatten sie bizarre Vogelköpfe mit massiven Schnäbeln, die mit winzigen, rasiermesserscharfen Zähnen besetzt waren. Sie ließen schon nichts Gutes erahnen, aber richtig Angst jagten mir erst die Flügel ein: An ihnen bemerkte ich je eine Klaue mit beunruhigend spitzen Nägeln.

»W-was ist das?«, flüsterte ich. Das Blut gefror in meinen Adern.

»Das sind Angstfresser. Sie leben von den Ängsten der Menschen. Deine scheinen noch immer sehr massiv zu sein, sonst hättest du diese Wesen nicht in solchen Scharen angelockt.«

Das war nicht real. Das war ein Albtraum. Ich würde in meinem Bett erwachen, nassgeschwitzt und verängstigt, aber ich wäre in Sicherheit.

»Täusche dich nicht, Seelenseher. Du bist hier in der Wirklichkeit. Da gelten gänzlich andere Regeln.«

»W-welche?«, flüsterte ich.

»Ängste oder andere negative Gefühle kann man hier nicht verstecken. Sie nehmen Gestalt an und kommen unmittelbar zu dir zurück.«

»K-kann ich etwas dagegen t-tun?«

»Stelle dich deinen Ängsten und werde dir bewusst, wer du in Wahrheit bist.«

Da waren wir wieder. Ich und meine Ängste und mein nicht vorhandenes Selbstvertrauen. Ich hatte gedacht, dass ich sie heute Morgen in dem See losgeworden war. Offensichtlich war das ein Irrtum.

»Du lässt sie nicht gehen. Sie sind zu einem Teil deines Wesens geworden«, murmelte Ximaio in meine Gedanken hinein.

Ich sah mich um. Die Angstfresser umkreisten mich, als wäre ich eine willkommene Beute. Ich war genau das, wenn ich nicht schnellstens meine Ängste loswurde. Nur wie sollte das auf Kommando gehen?

»Wer bist du?«, fragte Ximaio.

Sie kamen näher. Manch einer wurde vorwitzig und hackte mit seinem Schnabel nach mir. Noch erwischten sie mich nicht. Ich schloss die Augen.

»Wer bist du?«, hakte er erneut nach.

Ich hatte die Gabe des Seelensehens. Ich konnte in die Seelen der Menschen blicken und ihre Bedürfnisse und Lebensaufgaben erkennen. Als Seelenseher war ich dazu berufen, Botschafter der Seelen zu sein. Was das bedeutete, wusste ich nicht, aber ich war bereit, es zu erfahren. Ja, ich wollte meine Aufgabe annehmen.

Ein Krächzen explodierte in meinem Ohr. Gleich darauf schoss ein Schmerz durch meine Schulter. Ich riss die Augen auf. Die Schulternaht meiner Jacke sah aus, als wäre sie zerfetzt worden. Ungläubig starrte ich auf das blutige Loch und den Angstfresser, der krächzend davonflog. Weitere dieser Wesen machten ebenfalls Anstalten, sich auf mich zu stürzen.

»Stopp!«, rief ich. Das Bild erstarrte. »Das ist mein Platz! Ich bin Ximaios Drachenreiter.«

Die Herzensverbindung, schoss es mir durch den Sinn, ich muss sie aktivieren. Wieder schloss ich die Augen, blendete meine Umwelt aus und konzentrierte mich einzig auf den Lichtwirbel, der sich heute Morgen zwischen Ximaio und mir vereinigt hatte.

»Spüre die Verbindung zwischen uns«, drängte mich mein Drache.

Ich nahm die Wärme seines Körpers wahr, auch die Bewegungen seiner Schwingen. Aber so sehr ich mich auch anstrengte, die Lichtverbindung wollte sich nicht einstellen. Mein Magen zog sich zusammen. Schon vernahm ich wieder das lustvoll triumphierende Krächzen der Angstfresser. Ein Zupfen an meiner Stirn und mein drittes Auge öffnete sich. Da war er endlich: der Lichtbogen zwischen Ximaio und mir. Auf meiner Seite war er blass und schmal, während er bei meinem Drachen in kräftigen Farben leuchtete.

Ich richtete mich auf und berührte ihn. Eigentlich hatte ich ihn dadurch stärken wollen, doch ich erreichte das genaue Gegenteil: Auf meiner Seite wurde der Lichtbogen durchlässig und riss schließlich ganz ab.

Sofort stießen die Angstfresser durch und schnappten nach mir. Mit einem Schrei verlor ich das Gleichgewicht und kippte von Ximaios Rücken.


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