Der Selfpublisher, ein (gem)einsames Wesen?

Foto: pixabay.com
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Die Frage nach der Zusammenarbeit von Autoren scheint ein faszinierendes Thema zu sein. Vera Nentwich hat dieses Thema in einer Blogparade aufgespürt und in einem Blogbeitrag vertieft, ebenso Georg Sandhoff in einer eigenen Blogparade zum Thema „Können Selfpublisher Kooperation?“. Ich gehe dem Gedanken hier jetzt noch mal mit einem leicht variierten Ansatz nach.

Was Selfpublisher von den Steinzeitmenschen lernen können

Vera Nentwich kommt in ihrem Beitrag zu dem Ergebnis, dass es auch für Selfpublisher sinnvoll sei, sich zusammenzutun. Was schon dem Steinzeitmenschen das Überleben gesichert hat, kann für Autoren nicht falsch sein, auch wenn jeder Autor sein eigenes Buchbaby und seinen ureigenen Stil feil bietet.

Die gute Nachricht dabei ist, so schnell ein Buch gelesen ist, so schnell ist keines geschrieben. D.h. die Nachfrage nach guten Büchern ist ausreichend groß, egal ob sie von Verlags-, Hybrid- oder Indie-Autoren verfasst wurden. In meinen Augen bedeutet das eben auch, dass wir Selfpublisher uns nicht gegenseitig die Leser streitig zu machen brauchen. Mein Stil und meine Bücher sind einzigartig, genauso wie dein Stil und deine Bücher. Wer meine Bücher liebt, mag vielleicht auch deine, vielleicht aber auch nicht. Aber ist das ein Grund, mit ausgefahrenen Ellenbogen durch die Facebook-Gruppen zu taumeln und alle rücksichtslos mit der eigenen Werbung zuzupflastern?

Nein.

Wo geht es lang?

Es gibt Autorinnen, die sich sehr erfolgreich zusammengetan haben und sich gegenseitig bewerben (und mitunter wechselseitig rezensieren). Inwieweit das dann wirklich „ernsthafte“ Rezensionen sind, soll hier nicht das Thema sein, aber Fakt ist, dass es — zumindest in meinen Augen — sehr sympathisch rüberkommt, wenn man als Autor auf gute Bücher eines Kollegen hinweist. Das setzt nämlich eigene Größe und Selbstbewusstsein voraus, weil man dem Kollegen Erfolg gönnt. (Und gemäß dem Gesetz der Anziehung erhalte ich dann selbst, was ich meinen Mitmenschen gönne, aber dies nur am Rande.)

Zumindest alleine ist nicht der Weg

Alleine bekommt kein Selfpublisher seine PS auf die Straße. Davon bin ich fest überzeugt. Denn „alleine“ würde ja bereits all die vielen hilfreichen Beta-Leser ausschließen, genauso wie Coverdesigner und Lektoren. Das Wort „alleine“ sollte man als Selfpublisher aus seinem Wortschatz streichen. Das ist eine Illusion.

Welcher Autorenverband darf's sein?

Neben dem neu gegründeten Selfpublisher-Verband, den Vera Nentwich erwähnt und dem sie beigetreten ist, gibt es weitere Möglichkeiten von organisierten Zusammenschlüssen. Ich habe mich neben dem Verband deutscher Schriftsteller (VS) für Qindie entschieden, und das bereits im Mai 2013. Qindie steht für Qualität und Independet-Literatur. Werk für Werk wird bei uns begutachtet, wenn es von Autoren eingereicht wird, ob es handwerklich, d.h. Inhaltlich, stilistisch, gestalterisch etc. einer Verlagspublikation gleich kommt. Und so ist die Qualität auch das Aufnahmekriterium, bewertet von der Gemeinschaft der Qindie-Autoren, -Leser und -Blogger.

Die Steinzeitmentalität des Menschen ...

Aber auch Qindie zeigt die alte Steinzeitmentalität, die Vera Nentwich so schön schildert. Auch hier braucht es „Leittiere“, die das Ziel vorgeben und Dinge in die Hand nehmen, damit einige andere mitmachen und unterstützen. Meiner Meinung nach liegt dieses Phänomen in der Natur des Menschen. Es engagieren sich nie hundert Prozent, sondern grundsätzlich nur ein kleiner Prozentsatz, der noch ein paar andere motivieren kann, mehr aber auch nicht. Das ist in Firmen so, in Kirchengemeinden, auf Elternabenden — und eben auch unter Autoren.

... sollte man als Autor über Bord werfen

Trotzdem halte ich die Zusammenarbeit unter Autoren für enorm wichtig. Das kann im Großen ein Verband sein, wie Qindie, der Selfpublisher-Verband oder die eWriter, und im Kleinen ein Zusammenschluss von Autoren, die im selben Genre schreiben, wie z.B. der Schattenwelt-Report oder der Autorinnenzusammenschluss „Jade McQueen“.

Ich bin und bleibe der Meinung, es geht nur gemeinsam, wenn man als Selfpublisher Erfolg haben möchte. Alles andere ist Ego Streicheln, dilettantisch und schlichtweg eine Illusion.

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Kommentare: 6
  • #1

    Vera Nentwich (Donnerstag, 12 März 2015 19:39)

    Hallo Kari,
    zwischen der Hinzuziehung bezahlter Dienstleister und echter Kooperation sehe ich schon noch einen Unterschied. Aber ich stimme dir absolut zu, dass mehr Kooperation sinnvoll wäre. Allerdings bin ich skeptisch, ob dies realisierbar ist. Denn die Faktoren, die ich in meinem Artikel aufgezählt habe, wiegen schwer. Aber wer weiß, was die Zukunft noch bringen wird. :-)
    Herzlichen Dank für deine Replik!
    Lieben Gruß,

    Vera

  • #2

    Kari Lessír (Donnerstag, 12 März 2015 20:20)

    Liebe Vera,

    natürlich, da hast du recht. Zwischen Dienstleistern und Kooperationen besteht ein Unterschied. Mir ging es um den Aspekt des Allein Arbeitens, der sich sowohl im Keine Kooperationen Eingehen als auch im Auf Dienstleister Verzichten zeigt.
    Ich bin dann einfach mal Optimist und vertraue darauf, dass Autoren, die sich zusammentun, deutlich weiter kommen als Einzelkämpfer. Zumindest kann ich das an den beiden oben genannten Beispielen beobachten.

    Liebe Grüße,
    Kari

  • #3

    Oliver (Samstag, 14 März 2015 00:54)

    Neben dem Faktum, dass das Thema bzw. die Leitfrage unterirdisch ist, weil sie mit einem einfachen Ja vollständig beantwortet ist gibt noch die Erwiderung auf Vera ein tendenziöses Geschmeckle mit: warum sollten oder müssten Autoren die zusammenarbeiten weiterkommen? Woran sollte den ein Masstab zur Beurteilung angesetzt werden und was für ein Kriterium herangezogen? Und warum ist das wichtig, woher dieser metaphysische Wetbewerbsgedanke mit imaginären Figuren.

  • #4

    Kari Lessír (Samstag, 14 März 2015 23:15)

    @Oliver
    Ich bin gerade vom Netzwerken mit meinen Qindie-Kollegen von der Leipziger Buchmesse zurückgekommen. Eine tolle Zusammenarbeit, die es wert ist, sich dafür zu engagieren.
    Ach ja, Danke für den Kommentar.

  • #5

    Georg Sandhoff (Sonntag, 15 März 2015 00:15)

    Hallo Kari,

    Ich habe deinen Post gerade gelesen. Nimmt man deinen, Veras und meinen Post zusammen, so zeichnet sich meines Erachtens bereits eine Tendenz ab, welche Aspekte bei Kooperationen eine Rolle spielen: 1. Kooperationen sind schwierig 2. Kooperationen, die gelingen, machen die Beteiligten erfolgreicher, als sie es alleine wären und 3. Es gibt nur wenige "Macher", die alles am Laufen halten.

    Interessante Unterschiede gibt es in den möglichen Kooperations formen. Ich bin gespannt, was sich im weiteren Verlauf der Blogparade noch ergibt.

    Viele Grüße,

    Georg

  • #6

    Kari Lessír (Sonntag, 15 März 2015 10:52)

    Lieber Georg,
    Danke für deinen Kommentar zu meinen Gedanken. Ich denke, deine drei Positionen treffen es sehr genau: Es ist nicht einfach, aber es lohnt sich, wenn Selfpublisher kooperieren. Und es braucht einen Taktgeber, damit eine solche Zusammenarbeit am Laufen bleibt.
    Herzliche Grüße,
    Kari