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Bücher mit Nachhall #1: Anne Franks Tagebuch

Das Tagebuch der Anne Frank in der aktuellen Ausgabe der S. Fischer Verlage
Das Tagebuch der Anne Frank in der aktuellen Ausgabe der S. Fischer Verlage

Es gibt Bücher, die liest man, hat ein paar schöne Stunden, stellt sie anschließend ins Regal und gut ist. Daneben gibt es welche, die noch lange nach der Lektüre nachklingen. So ein Buch ist für mich Anne Franks Tagebuch. Ich weiß noch wie heute, dass ich es mit elf oder zwölf Jahren gelesen habe. Damals hatte ich selbst gerade begonnen, Tagebuch zu schreiben, und wollte wissen, wie andere das machen. Ob ich mir damals etwas dabei gedacht habe, als ich mir genau dieses Buch aus der Bücherei ausgeliehen habe? Keine Ahnung. Vielleicht bin ich einfach nur darüber gestolpert, oder meine Eltern haben es mir dort in die Hand gedrückt. Oder das Schicksal, wer weiß das schon.

Meine eigene Kindheit in Anne Franks "Nähe"

Möglich wäre das zumindest. Denn ich bin genau dort aufgewachsen, wo auch Anne Frank gelebt hat: im Frankfurter Stadtteil Dornbusch. Ihr Geburtshaus am Marbachweg und auch ihre nächste Lebensstation in der Ganghoferstraße waren mein Umfeld. Dort spielte ich, traf mich mit Freundinnen und ging auf meinem Schulweg regelmäßig daran vorbei. Ahnte ich damals schon etwas von Anne Franks Schicksal?

Brennende Neugierde

Vielleicht hing meine Lektüre aber auch mit der Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ zusammen. Das war 1979, ich war damals fast zwölf Jahre alt. Ich weiß, dass meine Eltern nicht wollten, dass ich das sehe. Auch ich hätte einem Kind in dem Alter nicht erlaubt, eine solche Sendung zu sehen. Aber ich ließ mich nicht daran hindern. Ich schnappte mir unseren damaligen Minischwarzweißfernseher (in hippem 70er Jahre Orange ^^), stellte die Lautstärke auf extrem leise und sah die Serie heimlich im Kinderzimmer (Sorry, Mama und Papa, dass ihr das jetzt so erfahrt). Die Geschichte und die Bilder waren ein Schock. Ich war entsetzt und dennoch fasziniert — und am nächsten Tag in der Schule todmüde, aber mir war das egal. Ich WOLLTE das sehen. Ich hatte schon damals den Drang zu wissen, was während des Dritten Reiches geschehen ist und worüber nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wurde, zumindest als ich klein war. Mein Drang ging weiter, zog sich über Anne Franks Tagebuch bis hin zu meinem Studienschwerpunkt „Die Judenverfolgung im Dritten Reich“ während meines Geschichtsstudiums an der Frankfurter Goethe-Universität. Ich WOLLTE es wissen.

Liebes Tagebuch ...

Nun gut, nach „Holocaust“ wusste ich es, auch wenn mich die Bilder schrecklich aufgewühlt haben. Anne Franks Tagebuch war nicht ganz so dramatisch, aber es hat mich inspiriert. So wie sie wollte ich auch meine Tagebuch führen. Gut fünfzehn Jahre habe ich durchgehalten, danach — während des Berufslebens — nahm die Regelmäßigkeit zunehmend ab, bis ich es irgendwann ganz sein ließ. Heute verarbeite ich meine Erlebnisse anders. Manches notiere ich und reflektiere es schriftlich, aber nicht mehr in einem Tagebuch.

Der Schreibvirus war ansteckend

Aber Anne Frank hat noch mehr in meinem Leben bewirkt: Ihr Traum vom Schreiben wurde auch mein Traum, als ich mit zwölf Jahren meinen ersten Romanversuch startete. Immerhin sind 90 Seiten zusammengekommen, Hand geschrieben in zusammengeklebten DIN A5-Schulheften, die ich genauso vor meiner Umwelt versteckte wie Anne Frank ihr Tagebuch. Ob das so sinnig war — zumindest in meinem Fall —, sei dahin gestellt. Denn so hat es Jahrzehnte gedauert, bis ich mich traute, mit meinen Geschichten an die Öffentlichkeit zu gehen.

Gibt es auch in Ihrem Leben Bücher, die Sie nachhaltig beeinflusst haben? Dann erzählen Sie mir davon. Ich selbst werde zu diesem Thema in loser Folge weitere Blogbeiträge schreiben, denn es gibt noch weit mehr Bücher, die mich geprägt haben.

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