Wozu braucht unsere Welt Großmütter?

Eine alte Dame hält ein Kleinkind im Arm, das sie auf die Backe küsst.
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Frankreich feiert am kommenden Sonntag den Tag der Großmutter. Dieser Ehrentag existiert dort bereits seit knapp dreißig Jahren und hat inzwischen eine fast größere Bedeutung als der Muttertag. Und hier in Deutschland? Da hat es bis 2012 gedauert, bis man überhaupt begonnen hat, einen solchen „Feiertag“ zu etablieren. Am zweiten Sonntag im Oktober. Haben Sie schon mal davon gehört? Eben, ich auch nicht. Deswegen also hier der Blogbeitrag.

Was bringt denn so ein Omatag?

Das ist eine gute Frage, denn wenn es ihn in Frankreich und auch in anderen Ländern schon lange gibt, muss er eine Berechtigung haben. Die Frage ist, welche? Zwar freut sich Ihr lokaler (selbstverständlich auch der virtuelle) Florist auf die Blumenbestellung für Oma, doch wozu das Ganze? Um die Wirtschaft ein Stück weit anzukurbeln? Nein, in erster Linie geht es darum, sich daran zu erinnern, wofür die eigene Großmutter steht.

  • Meine zum Beispiel war immer für mich da, zumindest hat sich das für mich als Kind so angefühlt.
  • Wenn sie genäht, gekocht und gebacken hat, durfte ich dabei sein und ihr helfen. Dabei hat sie die Dinge so ganz anders gemacht als meine Eltern, die arbeiten gingen und mit meinen kleineren Geschwistern beschäftigt waren.
  • Und als Oma älter wurde, habe ich ihr zugehört, sie im Krankenhaus besucht und ihr Mut gemacht, jeden Tag aufs Neue anzugehen. Schrittchen für Schrittchen. Ein Motto, das ich übrigens von ihr übernommen habe.

Während ich dies niederschreibe, spüre ich schon, worum es beim „Omatag“ wirklich geht: um das Würdigen und Danken. Okay, wenn Sie meinem Blog schon länger folgen, wissen Sie, dass das Thema „Dankbarkeit“ bei mir gerade sehr aktuell ist. Nichtsdestotrotz ist es auch für Großmütter (und Großväter) wichtig.

Danke für alles, was du getan hast, Oma!

Hände von drei Generationen: Kleinkind, junge Frau, alte Frau
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Danke Sagen geht natürlich mit einem Blumenstrauß, einer Schachtel Pralinen oder - wie bei meiner Oma - mit einer Flasche Eierlikör, dem guten wohlgemerkt ^^. Doch das ist nur der äußere Schein. Wichtiger ist vielmehr der echte Dank, das Gefühl, das von Herzen kommt und zu Herzen geht. Den man auch Jahrzehnte nach Omas Tod noch loswerden kann, denn dafür ist es nie zu spät. Mit Dankbarkeit und Würdigung kann man eine Lebensleistung ehren, die bis 1945 oftmals von Leid und Entbehrungen geprägt war. Erst unsere Großeltern haben es möglich gemacht, dass wir heute eine siebzig Jahre dauernde Friedenszeit in Mitteleuropa erleben. Davor haben sich die Menschen häufig im Großen wie im Kleinen „die Köpfe eingeschlagen“, während des 20. Jahrhunderts sogar zwei Mal kurz hintereinander.

So gut wie heute ging es keiner unserer Vorfahrengenerationen, zumindest in den meisten Fällen. Wir werden heute älter, sind (meistens) gesünder und haben (in der Regel) mehr Möglichkeiten, unser Leben nach unseren Wünschen zu gestalten. Das verdanken wir unseren Großeltern — und Eltern.

Aber auch im Kleinen, im direkten Familienkontakt leisten Großmütter und Großväter Großartiges. Ohne sie würden viele von uns ihren Alltag nicht gestemmt bekommen. Sie auch nicht?

Also: Danke, Oma. Danke, Opa.

Der Rat der Großmütter

Der Rat der Großmütter ist noch einmal eine ganz andere Institution. Ich bin erst vor rund zwei Jahren über das „International Council of Thirteen Indigenous Grondmothers“ gestolpert. Sie sind eine Gruppe von dreizehn alten weisen Damen, die sich 2004 aus vielen noch existierenden Naturvölkern dieser Welt zusammengefunden haben. Ihr Anliegen ist es, uns „moderne Menschen“ daran zu erinnern, dass wir eine Verantwortung gegenüber „Mutter Erde“ haben. Wir sind hier zu Gast, nicht die Herren, die irgendwann auf einen anderen Planeten wegziehen können, sobald wir unseren zugrunde gerichtet haben.

Fällt Ihnen was auf?

Genau, unter den indigenen Großmüttern gibt es keine Großmutter aus Europa. Nun, gut, das mag daran liegen, dass es hier keine Naturvölker mehr gibt. Dafür aber andere, ebenfalls weise alte Damen, die mit ihrer Spiritualität und Mutter Erde verbunden sind. 2010 haben auch sie sich verbunden und den Rat der Großmütter gegründet. Ihr „Machtwort“ finde ich sehr, sehr schön — und extrem wichtig. Allein es zu lesen, erdet und macht deutlich, wo wir Menschen stehen bzw. stehen sollten.

Das Machtwort des Rats der Großmütter
Das Machtwort des Rats der Großmütter

Seelenseher trifft Großmutter

Diesem europäischen Kreis der Großmütter erweise ich im zweiten Band der Wunschhexen-Trilogie meine Referenz. Wer Band eins, „Wunschträume“, bereits gelesen hat, kennt den Seelenseher und weiß um seine Schwierigkeiten in Beruf und Partnerschaft. Im Fortsetzungsband kümmere ich mich in erster Linie um ihn und zeige ihm einen Weg aus seinen Problemen heraus. Das ist ein Weg zu sich selbst, ein Weg, auf dem ihn „meine“ Großmütter Europas begleiten.

Sie sind ein wenig anders aufgestellt als die tatsächlich existierende Gruppe, aber ihr Ziel deckt sich: Das alte Wissen, die Spiritualität und die Verbundenheit mit Mutter Natur wiederzubeleben und auf deren Bedeutung aufmerksam zu machen.

Sind das denn wirklich Großmütter?

Da frage ich gleich zurück: Ist es tatsächlich so elementar wichtig, ob weise Frauen tatsächlich Großmütter sind, d.h. Kinder und Kindeskinder geboren haben? Die meisten von ihnen — soweit ich das recherchieren konnte — mit Sicherheit, weil das Leben so ganz natürlich geflossen ist. Aber die Qualität einer „Großmutter“, auch die Ihrer, kommt aus dem Herzen, und dem ist es gleichgültig, ob man eigene oder vielleicht fremde Kinder großgezogen hat. Ob man sich als Erzieherin, Lehrerin, Pflege- oder Adoptivmutter, vielleicht als Kinderkrankenschwester oder Hebamme um unsere Zukunft gekümmert hat. Es geht um eine Geistes- und Herzenshaltung.

In diesem Sinne wünsche ich allen, nicht nur den französischen Großmüttern, einen wundervollen Omatag und den spirituellen Großmüttern Europas und der Welt den ihnen gebührenden Einfluss und Erfolg. Für unsere Zukunft und die unserer Kinder und Kindeskinder.

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