[Blogparade] Autorenmarketing im Web - hilfreich oder unnütz?

Meine geschätzte Autorenkollegin Vera Nentwich hat eine Blogparade zum Thema „Autorenmarketing im Web – hilfreich oder unnütz?“ ins Leben gerufen. Nachdem ich über Google+ darauf aufmerksam wurde und die ersten Beiträge gelesen habe, reifte in mir der Gedanke, auch meinen Senf dazuzugeben. Als heutige Selfpublisherin und frühere Verlagsmitarbeiterin. Das schärft den Blick und spitzt die Feder. ^^

Die Blogparade läuft noch bis zum 28.2.2015 und richtet sich an Autoren und Buchblogger, die sich mit diesem Thema auf ihren Blogs beschäftigen sollen. Die bisherigen Beiträge sind auf alle Fälle schon sehr interessant und lesenswert.

Neiden Autoren einander die Butter auf dem Brot?

Ich bin nicht nur Autorin, sondern zugleich auch Leserin. Bücher verschlinge ich regelrecht und durchforste immer den Markt nach interessanten Romanen. Früher war keine Buchhandlung vor mir sicher, heute habe ich etliche Buchblogs abonniert, um mich inspirieren zu lassen. Auch von anderen Autoren habe ich Fanpages abonniert und verfolge ihr Tun. Dabei fällt mir mitunter auf, dass es Autoren gibt, die ihre Werke gnadenlos überall anpinnen. Kaum hat man die Freundschaftsanfrage angenommen, bekommt man die Buchwerbung um die Ohren geklatscht. Mich stößt das ab.


Andere Autoren kämpfen rücksichtslos um jeden einzelnen Leser, ganz so als ob Susi Musterfrau keinesfalls mehr den Roman von Heinz Autorenhausen lesen würde, sobald sie die Schmonzette von Lisa Topautorin entdeckt hat. Sind wir wirklich so konkurrenzgeil?

Gemeinsam kommt man weiter, auch als Autor

Wie viel angenehmer ist das Autorenleben, wenn man sich gegenseitig unterstützt. Das kann mit gemeinsamen Werbeaktionen, Lesungen oder Gewinnspielen sein. Oder einfach durch das Teilen von Postings, ehrlich gemeinten Glückwünschen und gegenseitige Unterstützung in Autorenforen.

Teilen heißt mehr vom Ganzen

Ich selbst teile immer Beiträge anderer Autoren. Gerade weil ich so viel lese, und zwar vor allen Dingen von Selfpublishern, bekomme ich natürlich vieles mit und poste weiter. Man mag es nun glauben oder nicht: Ich kann mich riesig darüber freuen, wenn ein Autorenkollege (m/w) ein tolles Buch geschrieben hat und mir wundervolle Stunden geschenkt hat. Das muss ich dann einfach weiter verbreiten und andere von dem Buch überzeugen. Ich glaube an dieser Stelle einfach mal an das Gute im Menschen und hoffe, dass andere Autoren das ähnlich sehen und ebenso verfahren.

Meine Marketing-Kanäle

Natürlich betreibe ich selbst auch Marketing. Dazu nutze ich meine Facebook-Fanpage, eine Google+-Seite und einen Twitter-Account. Inhaltlich poste ich überall dasselbe, aber die Teaser sind ein wenig unterschiedlich, weil sich die Leser und die Lesegewohnheiten von Kanal zu Kanal unterscheiden. Ganz hilfreich ist dafür Buffer, mit dem man Postings vorbereiten und terminieren kann, sodass man nicht alles „per Hand stricken“ muss.

 

Dabei versuche ich mich an die 5-3-2-Regel zu halten: 5 Beiträge, die ich weiter teile, 3 Beiträge zu meinen Büchern und 2 persönliche Beiträge. So hat mir das mal PR-Fachfrau Manuela Seubert erklärt. Wenig verkaufsfördernd empfinde ich dagegen sich ständig wiederholende Postings der Marke „Kauf mein Buch“. Das nervt auf Dauer und dürfte auch anderen so ähnlich gehen.

In Gruppen schwimmt man im eigenen Saft

Eine weitere Marketingmöglichkeit sind Gruppen auf Facebook und Google+. Ich muss gestehen, dass ich nur in ganz wenigen, ausgewählten Gruppen bin, weil mich das ewig gleiche „Kauf mein Buch“ anödet. Es gibt positive, sehr lebendige Gruppen, in denen ich gerne unterwegs bin, aber von den meisten halte ich mich fern. Leser findet man hier in der Regel nicht. Die Autoren sind unter sich und schwimmen im eigenen Saft.

Und sonst so?

Was ich sonst noch als Marketing betreibe? Pressetexte verfassen und verteilen, mich um Lesungen bemühen, mich bei Qindie engagieren, Schreibkurse für hochbegabte Kinder und Jugendliche ausrichten und mich in jeder Hinsicht weiterbilden – fachlich und menschlich. Mein persönliches Highlight sind allerdings Leserunden.

Was hat denn eine Leserunde mit Marketing zu tun?

Ganz einfach: Sie ist eine hervorragende Möglichkeit für einen Autor, mit seinen Lesern in Kontakt zu kommen. Allerdings sollte man kritikfähig sein und viel Zeit mitbringen. Denn nur wer intensiv mit seinen TeilnehmerInnen diskutiert, nimmt das Optimum aus einer Leserunde mit. Mich hat eine solche Leserunde auf lovelybooks dazu inspiriert, ein bereits veröffentlichtes Buch erneut komplett zu überarbeiten und zu relaunchen. Mit durchschlagendem Erfolg!

Autorenblog oder Homepage?

Das ist, glaube ich, eine Frage der Zeit und des Engagements. Ein Blog will und muss regelmäßig gepflegt werden, sonst empfinde ich das als ineffektiv. Unter Marketingfachleuten heißt es, man solle mindestens ein Mal pro Woche einen Blogbeitrag lancieren. So sehe ich das auch. Wenn man als Autor dafür keine Zeit hat, ist eine statische Website – oder eine Mischung aus beidem, wie ich es betreibe – sinnvoller.

Aber bitte - mit zeitnaher Antwort

Und wenn man denn als Autor einen Blog führt, ist es quasi Pflicht, auf alle Kommentare zeitnah zu antworten. Nicht viel anders als in Facebook, Twitter und Google+. Autorenmarketing ist also eine zeitaufwändige Angelegenheit, aber sie macht Spaß, bringt interessante Kontakte und lohnt sich. Spätestens dann, wenn die Buchverkäufe zu steigen beginnen.

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Kommentare: 8
  • #1

    Vera Nentwich (Donnerstag, 05 Februar 2015 21:35)

    Hallo Kari,

    das sind interessante Einsichten. Ich finde das Zusammenschließen mit anderen Autoren auch sehr sinnvoll. Es muss allerdings auch passen. Ich habe schon erlebt, dass es schiefgeht, wenn man völlig unterschiedliche Ansichten hat. Wo verteilst Du denn Deine Pressetexte?
    Herzlichen Gruß,
    Vera

  • #2

    Kari Lessír (Freitag, 06 Februar 2015 10:50)

    Liebe Vera,

    noch habe ich keinen perfekten Verteiler für Pressetexte. Ich entscheide das von Fall zu Fall. Empfehlenswert ist auf alle Fälle prmaximus und deren Liste kostenloser Presseportale (http://www.prmaximus.de/liste-aller-deutschen-und-kostenlosen-presseportale.html). Dort kann man sich nach seinen Bedürfnissen raussuchen, was passt.
    Zuletzt habe ich news4press (http://www.news4press.com/) genutzt, was auch andere Autoren tun.

    Herzliche Grüße,
    Kari

  • #3

    Ann-Bettina (Freitag, 06 Februar 2015 15:29)

    Hallo Kari,
    deine Idee, dass sich Autoren zusammenschließen sollen, finde ich gut.
    Wie viele Bücher schreibt ein Autor im Jahr? Wie viele Bücher liest ein Leser? Der Leser wird also immer auch Bücher anderer Autoren lesen. Von daher finde ich Konkurrenz Quatsch.
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

  • #4

    Claudia Dieterle (Freitag, 06 Februar 2015 16:36)

    Hallo Kari,
    ein offener und ehrlicher Beitrag, gefällt mir. So etwas Ähnliches wie die 5-3-2 Regel mache ich auch, ich finde, es muss gemischt sein, Posts über die eigenen Dinge, plussen und kommentieren von anderen Dingen.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #5

    Kari Lessír (Freitag, 06 Februar 2015 18:47)

    @Ann-Bettina:

    Liebe Ann-Bettina,
    ich meine zumindest ein Konkurrenzgebahren unter Autoren zu empfinden. Vielleicht ist das gar nicht so. Ich weiß es nicht. Was ich allerdings mitbekomme, ist, wie schwer es ist, innerhalb von Qindie etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen, die Masse der Mitqindianer dazuzubewegen, Postings zu teilen und Bewerbungen zu sichten. Ich bin grundsätzlich - auch im Privaten - der Meinung, dass es nur gemeinsam geht. Nur dann erreicht man Leser. Auch wenn man bereit ist, ein Stück vom Kuchen abzugeben. :) Neid und Missgunst führen in die Sackgasse.
    Danke für Dein Feedback,
    Kari

  • #6

    Kari Lessír (Freitag, 06 Februar 2015 18:49)

    @Claudia Dieterle

    Liebe Claudia,
    Danke für deine lobenden Worte. :) Das tut immer gut.
    Ich bemühe mich jedenfalls, meine Beiträge in den verschiedenen Social Media-Kanälen bunt durchzumischen. So wie du auch :)
    Liebe Grüße und einen schönen Abend,
    Kari

  • #7

    Anna Thur (Dienstag, 24 Februar 2015 17:01)

    Liebe Kari,

    das ist ein sehr schöner Artikel. Tatsächlich erlebe ich Dich auch so - offen und kollegial und das ist wirklich keine Selbstverständlichkeit. Gut, dass Du das hier noch mal so formuliert hast.
    Deine anderen Anregungen finde ich gut, bin aber kein Freund von kostenlosen Presseportalen. Als PR-Tante habe ich das einige Jahre genutzt und damit unangenehme Dinge erlebt. Besonders wenn sich Portale verändern oder den Besitzer wechseln, passiert da Einiges. Lieber Journalisten direkt ansprechen, nur leider funktioniert da ein selten genutzter Verteiler wenig, die Kontakte wechseln so schnell.
    Durch Dich bin ich übrigens auch verstärkt auf Q-Indie aufmerksam geworden, das muss ich mir noch mal anschauen.

    Herzlichen Gruß
    Anna

  • #8

    Kari Lessír (Mittwoch, 25 Februar 2015 10:24)

    Liebe Anna,

    Danke für Dein Feedback. Ich freue mich gerade total, dass meine "besondere Marke" - offen und kollegial - auch rüber kommt :)
    Deine Vorsicht bei Presseportalen ist, glaube ich, durchaus angebracht. Ich habe mich nämlich auch schon des Öfteren gefragt, wie man einen Pressetext wieder entfernt. DAS scheint nämlich nicht vorgesehen zu sein (zumindest nicht bei den meisten Portalen). Insofern nutze ich sie nur selten. Lieber sind mir Twitter, FB und G+ ;)
    Oh, wie schön, dass ich Dich verstärkt auf Qindie aufmerksam gemacht habe. Das ist eine gute Initiative - und ein kunterbunter Haufen. Unsere Absicht, Independent-Literatur salonfähig zu machen, weil es darunter "ausgezeichnete" Bücher gibt, trägt langsam, ganz langsam Früchte. Ich denke da an den Selfpublisher-Verband, die Öffnung von Verdi für Selfpublisher und natürlich auch die Vielzahl der SP-Dienstleister. Es geht raus aus der Schmuddelecke!

    Herzliche Grüße,
    Kari