7 Tipps für den souveränen Umgang mit negativen Rezensionen

Mann arbeitet am Laptop.
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Diese Situation kennt jeder Autor: Endlich ist dein Buch online erhältlich. Regelmäßig schielst du auf die Verkäufe und wartest auf die ersten Rezensionen. Endlich tauchen sie auf, allerdings nicht so, wie erhofft: drei Sterne, zwei Sterne und schließlich sogar nur ein Stern! Das muss ein Troll sein! Jemand will dir schaden. Die vermeintlich schuldigen Autorenkollegen sind schnell ausgemacht und in Facebook an den Pranger gestellt.

Kommt dir das bekannt vor? Prima, dann bist du hier genau richtig. Denn eine solche Reaktion ist zwar menschlich und nachvollziehbar, aber objektiv betrachtet schadest du dir damit selbst.

 

Auch aus einer negativen Rezension lässt sich ein Gewinn ziehen. [click & tweet]


Als Autor stehst du in der Öffentlichkeit. Als Selfpublisher noch viel mehr, schließlich bist du allein für dein Marketing zuständig. Mühsam hast du dir dein Ansehen in den verschiedenen Social Media-Kanälen aufgebaut, tummelst dich in Foren, bloggst und twitterst. All das setzt du mit einem unüberlegten Ausraster aufs Spiel.

Nein, kommentarlos schlucken sollst du die Negativkritik wiederum auch nicht. Aber es gibt einen sinnvolleren Weg, damit umzugehen. Die folgenden 7 Tipps zeigen dir, wie es möglich ist, auch aus einer schlechten Rezension Gewinn zu ziehen.

1. Tief durchatmen

Das erste Leserfeedback zu deinem Buch ist aufgetaucht. Zwei Sterne, vielleicht sogar nur einer, ergänzt mit einem vernichtenden Urteil im Begleittext. Du bist entsetzt. Es juckt dir in den Fingern, sofort darauf zu antworten. STOPP! Bleib ruhig und atme tief durch. So emotional solltest du keinesfalls einen Kommentar tippen, auch nicht mit einem Fakeaccount. Finger weg von der Tastatur!

2. Distanz wahren

Was du jetzt brauchst, ist Abstand. Schließ die Website, mach den Computer aus, befasse dich mit ganz anderen Dingen und geh vielleicht sogar an die frische Luft. Tue alles, was dir hilft, dich zu beruhigen. Verzichte auf ein Posting auf deiner privaten Facebookseite oder der Fanpage, und spare dir den Anruf bei deinen Freunden und Verwandten. Bleib bei dir selbst und komm zur Ruhe.


Negative Kritik verletzt das eigene Ich. Genau darum solltest Du Dich zuerst kümmern. [click & tweet]

3. Wahrheit suchen

Geht’s wieder? Dann ist es Zeit, dir Gedanken darüber zu machen, ob vielleicht – diese Möglichkeit besteht immer – ein klitzekleines Quentchen Wahrheit in der Kritik steckt. War es nur eine Nullachtfünfzehn-Aussage à la „Ich hatte mir mehr von dem Buch versprochen“, darfst du das Thema abhaken und zur Tagesordnung übergehen. Doch wenn der Rezensent sachlich ausführt, was ihn gestört und zu der negativen Einschätzung gebracht hat, solltest du über seine Worte nachdenken. Vielleicht mahnen auch andere Leser Ähnliches an? Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass an der Kritik etwas dran sein könnte.

4. Kritik annehmen

Inzwischen hast du für dich geklärt, ob die kritische Meinung des Lesers berechtigt ist. Falls ja, solltest du sie annehmen, denn Fehler bieten ein großartiges Potential: Du kannst aus ihnen lernen und es in Zukunft besser machen. Klasse, oder?

5. Veränderungen planen

Was genau hat den Leser an deinem Buch gestört? War es die Rechtschreibung? Dann könnte ein Korrekturlauf für Abhilfe sorgen. Hat es an der Dramaturgie oder der Figurengestaltung gemangelt? Hierzu gibt es zahlreiche Bücher mit nützlichen Tipps. Vielleicht kannst du auch in einem Autorenforum um Feedback bitten. Auch Testleser, die weder deine Freunde noch mit dir verwandt sind, können dir weiterhelfen.

Weitere Hinweise zum Überarbeiten findest Du in meiner Roman-Überarbeiten-Reihe auf diesem Blog.

6. Text überarbeiten

Belässt du dein Buch in seiner jetzigen Form? Oder erwägst du eine Überarbeitung? Dieser Schritt ist zwar aufwändig, aber du erhöhst dadurch die Chancen deines Buches auf dem Markt – und verfeinerst dein Autorenhandwerkszeug.

Ich persönlich habe mich bei meinem letzten Buch für die zweite Option entschieden und gute Erfahrungen damit gemacht. Aber es gehört Mut dazu, seine Fehler einzusehen und ein Manuskript erneut in die Hand zu nehmen.

7. Höflich bleiben

Wenn dich die Kritik noch immer wurmt und du sie keinesfalls unkommentiert stehen lassen möchtest, dann solltest du das nur mit ausreichend Abstand tun – zeitlich wie emotional. Argumentiere sachlich und verzichte auf persönliche Angriffe. Von einem Autor wird erwartet, dass er kritisches Feedback wegstecken kann. Was du konkret daraus mitnimmst, sieht der Leser ja in der überarbeiteten Neuauflage oder im nächsten Buch. ^^


Bleib im Umgang mit Deinen Lesern immer höflich - und damit professionell. [click & tweet]

Und jetzt?

Wenn du dich an den sieben genannten Regeln orientierst, gehst du in Zukunft gelassener mit negativen Lesermeinungen um und erhältst durch sie zudem noch Hinweise, an welchen Aspekten deines Autorenhandwerkszeugs du feilen solltest. So gesehen ist kritisches Feedback doch gar nicht so schlecht, oder?


Schreib mir im Kommentar, wie du mit Kritiken umgehst. Ich bin gespannt auf deine Sicht der Dinge. Außerdem gibt es im Pressebereich zu diesem Thema eine Pressemeldung im PDF-Format. Wenn du sie nutzt und veröffentlichst, bitte ich um eine Quellenangabe und einen Backlink zu meiner Seite.

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Kommentare: 5
  • #1

    Angela (Dienstag, 27 Januar 2015 15:34)

    Das hast Du sehr schön geschrieben Kari!
    Bisher habe ich aus negativer Kritik einiges dazu lernen können. Wie Du aber auch schon angemerkt hast, gibt es auch jene, die sind eben nicht der passende Leser für das Buch, dazu sind die Geschmäcker und Ansichten auch zu unterschiedlich.
    Ich selbst habe vor vielen Jahren einen Krimi verfasst, von dem ich so überzeugt war. Viele Testleser - Lektoren waren da jedoch anderer Meinung. Erst viele Jahre später, hab ich mir den Text noch mal vorgenommen, komplett umgearbeitet. Inzwischen habe ich sehr viele gute Reaktionen erhalten, mit denen ich zufrieden bin.
    Es hat sich also gelohnt, die Kritik sacken zu lassen - durchzuatmen - und neu anzufangen!

  • #2

    Kari Lessír (Dienstag, 27 Januar 2015 20:03)

    Liebe Angela, das freut mich!! Bis jetzt haben mir Deine Bücher jedenfalls immer sehr gut gefallen, angefangen von der Drachenseele über die Identität-Bände.
    Nun, ich spreche ja hier in meinem Beitrag auch aus eigener Erfahrung. ^^ "Wunschträume" haben meine LeserInnen in der ersten Fassung nicht hundertprozentig gemocht. Mit Einschränkungen gewissermaßen. ;) Das konnte ich als kleine Perfektionistin natürlich so nicht stehen lassen ...
    Ich freue mich also, dass Du meine Erfahrung und Überlegung bestätigst.
    Liebe Grüße, Kari

  • #3

    Claudia (Mittwoch, 28 Januar 2015 08:37)

    Hallo Kari,
    kann mich nur anschließen, dass das Thema negative Rezensionen und die verschiedenen Aspekte gut von Dir beschrieben wurde.
    Einen Punkt möchte ich noch ergänzen. Es gibt leider auch negative Rezensionen (nicht nur bei Büchern), die unsachlich und persönlich geschrieben werden ohne Begründung warum etwas nicht gefällt. Ich schreibe selbst auch Buchrezensionen und achte immer darauf, dass ich positive und negative beschreibe, weil ich die Arbeit des Autors auch respektiere.
    Viele Grüße
    Claudia

  • #4

    Kari (Mittwoch, 28 Januar 2015 09:54)

    Liebe Claudia,
    Danke für diesen Aspekt bei Rezensionen! Negative Rezensionen, die unsachlich und persönlich verletzend formuliert sind, halte ich für die am schwierigsten zu ertragenden Bewertungen. Schließlich greifen sie mich als Mensch an. Und wenn dann noch eine Begründung fehlt ... Nein, solche Rezensionen gehören eigentlich gar nicht in die Öffentlichkeit. Da brauche ich als Autor schon sehr viel Selbstbewusstsein, um damit umgehen zu können.
    So wie du das beschreibst, sollte auch in meinen Augen die ideale Rezensionen aussehen: positive Aspekte nennen, Negatives erwähnen, aber immer sachlich und neutral bleiben. Nicht den Autor als Mensch angreifen.
    Danke für deinen Kommentar, Claudia.
    Lieben Gruß, Kari

  • #5

    Angela (Mittwoch, 28 Januar 2015 15:03)

    Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich Dich für meine Bücher gewinnen konnte!

    Herzlichen Dank, liebe Kari!

    Möge Dein Buch ein großer Erfolg werden!