Auftritt eins des Schuldirektors

Foto: racorn/shutterstock.com
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Vor dieser Szene hatte ich mir ziemlich Gedanken gemacht. Wie reagiere ich als Mann, wenn ich mit dem Vorwurf des Kindesmissbrauchs konfrontiert werde? Flippe ich aus? Verstumme ich? Brülle ich wie ein Stier und schlage alles kurz und klein? Und dann auch noch meine Hauptfigur Patrick mit ihrer besonderen Gabe und ihrer Affinität zu Kindern, was ihn ja gerade erst in diese Zwickmühle gebracht hat.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor war eine ganz neue Figur, die ich hier zum ersten Mal habe auftreten lassen. Der Schuldirektor, Patricks Vorgesetzter. Bislang kannte ich ihn noch nicht. Wir hatten noch nicht miteinander zu tun gehabt. Ich wusste nicht, wie er in dieser Situation reagieren würde. Erwartet hatte ich, dass er sich ziemlich knallhart verhält. Der Vorwurf des Kindesmissbrauchs ist kein Kavaliersdelikt. Ich sah ihn schon die Polizei rufen und mich in Band zwei der "Wunschträume" die große Polizeiermittlungsakte aufklappen. Aber der Schuldirektor hat sich ganz anders verhalten. Ja, auch er hat Patrick bis auf Weiteres vom Unterricht suspendiert – nachdem er sich mit ihm unterhalten hat, um seine Sicht der Dinge zu erfahren. Der Schulleiter will jetzt erst mal klären, was überhaupt vorgefallen ist. Da bin ich echt gespannt, wie das weitergeht. Denn die Eltern des Jungen, die diesen Vorwurf auf den Tisch gebracht haben, kenn ich auch noch nicht …

 

Seltsame Arbeitsweise, denkt Ihr? Oder dass ich spinne? Nein, ich denke nicht. Ich entwickle von neuen Figuren immer erst einen Figurensteckbrief inklusive Foto, und dann werfe ich sie ins Geschehen und schaue, was passiert. Mitunter dreht sich die Handlung in eine ganz andere Richtung, als ich ursprünglich geplant hatte.

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