Textverarbeitung contra Autorensoftware (2)

Notizblock mit Stift und Spitzer
Foto: pixabay.com

Intensiv getestet habe ich in den letzten Tagen die beiden großen Autorenprogramme Papyrus Autor und Scrivener. In das kostenlose yWriter dagegen habe ich nur kurz reingeschaut und mich auf Youtube mit ein paar Tutorials informiert. Inzwischen bin ich soweit, dass ich denke, eine Entscheidung gefällt zu haben. Ich werde mein Glück mit Scrivener probieren.

Scrivener hat eine klar strukturierte Oberfläche, die mich in ihrer Anmutung an meine Mac-Zeiten als Zeitschriftenlayouterin erinnert. Ich habe mich also gleich zuhause gefühlt, während Papyrus Autor mit seiner buchhalterischen Oberfläche mich erst mal innerlich hat zusammenzucken lassen. Doch das sind Äußerlichkeiten, nicht die wichtigeren inneren Werte.

 

Papyrus Autor mag das Paradies für Autoren sein. Es bietet so unglaublich viele Möglichkeiten zu strukturieren, zu schreiben, zu formatieren, zu gestalten, zu überarbeiten und stilistisch zu entwirren, dass es mich in die Flucht geschlagen hat. Leider, dabei hatte mich die Softwarepräsentation auf der letzten Frankfurter Buchmesse überhaupt erst auf die Idee gebracht, meine gewohnten Word-Pfade zu verlassen.

 

Scrivener ist schlanker, reduzierter und für meinen Geschmack ausreichend. Folgende Punkte haben mir dabei besonders gut gefallen:

  1. Zum Schreiben kann ich in einen Vollbildmodus wechseln kann, der die gesamte Hintergrundumgebung ausblendet, so dass ich mich wirklich auf das konzentrieren kann, weswegen ich vor dem Rechner sitze. Das kann ich in Papyrus simulieren, aber eben nur annähernd. Der Hintergrund mit seinen Notizen bleibt immer sichtbar. Mich stört das. Wenn ich kreativ schreibe, brauche ich’s kuschelig, am besten mit einem schönen Tee und inspirierender Musik.
  2. Andererseits kann ich die Notizen neben meinem aktuellen Projekt sehen, wenn ich wieder in der normalen Programmansicht bin, sie aber auch in Form von kleinen Karteikärtchen auf einer optisch schönen Pinnwand betrachten und umstrukturieren.
  3. Interessant finde ich die strikte Trennung von Schreiben und Ausgeben. Ich muss nicht im Vornhinein entscheiden, wie ich die Stammseiten, ähnlich einem DTP-Programm, anlege, sondern definiere erst nach dem Schreibprozess, für welchen Zweck ich die Daten benötige. Diese Trennung war für mich im ersten Moment überraschend, doch je mehr ich damit experimentiert habe, empfand ich sie als logisch und sehr angenehm. Ich will schreiben und keine Stammseiten formatieren.
  4. Auch die Art, wie Scrivener mit einzelnen Dokumenten umgeht, hat mir gut gefallen. Ich kann sie in verschiedene Ebenen verschieben, ich kann sie zu Ordner verwandeln, die ihrerseits wieder Texte enthalten.

Vermissen werde ich allerdings die schöne Überarbeitungsfunktion von Word, die Papyrus Autor in ähnlicher Form anbietet. Doch wenn ich ehrlich bin, habe ich sie nie wirklich zum Korrigieren benutzt, eher als Sicherheitspuffer, um den alten Text nicht gleich löschen zu müssen. Der eigentliche Korrekturprozess findet bei mir auf dem Papier, nicht auf dem Bildschirm statt. Deswegen hat mich die Stilanalyse von Papyrus Autor auch so kirre gemacht, weil ich so nicht arbeiten kann.

 

Ob ich den Duden vermissen werde, der in Papyrus Autor integriert ist? Das wäre ein Aspekt gewesen, der mich wirklich fasziniert hätte. Aber den Duden kann ich mir auch zusätzlich auf meinen Rechner laden, wenn ich es denn brauche. Bislang habe ich auch in Word ohne integrierten Duden gearbeitet und bei Bedarf im Internet nachgeschlagen. Die Zukunft wird weisen, ob ich an diesem Punkt noch mal eine Änderung vornehmen muss.

 

Bei yWriter hat mir einzig und allein das integrierte Storyboard gefallen. Aber sich deswegen das Programm zu installieren, erscheint mir dann doch zu aufwändig. Ich werde checken, ob ich was Vergleichbares mit Scrivener Outliner erreichen kann.

 

So springe ich erst mal in die Fluten von Scrivener, entwickle neue Projekte und berichte in weiteren kleinen Blogbeiträgen von meinen Erfahrungen.

Weitere Teile der Reihe:

(1) Textverarbeitung contra Autorensoftware

(2) Textverarbeitung contra Autorensoftware (Teil 2)

(3) Erste Schritte mit Scrivener

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