Billig oder preiswert − wo ist da der Unterschied?

Manchmal stolpere ich über Blogartikel, die sofort Bilder, Worte und Sätze in mir aufkommen lassen. So geschehen in den letzten Tagen bei Mara Stix’ Artikel mit dem wunderbaren Titel »7 Gründe, warum du endlich das verlangen solltest, was du wert bist«. Obwohl Mara Stix sich mehr an Trainer und Online-Unternehmer richtet, tauchten vor meinem inneren Auge sofort Bilder von kostenlosen und 99 ct-E-Books auf, die wild mit Armen, Fähnchen und Sonstigem winkten und um meine Gunst buhlten. Und ich? Folgte ich dem »Kauf mich!«-Geschrei? Nein, ich ging weiter, nahm mir einen in Leder gebundenen Folianten aus dem Regal, zog mich in eine ruhige Ecke zurück und begann, darin zu lesen.

Was ich damit sagen will? Der Gedanke, ein Buch möglichst billig auf den Markt zu bringen, um so Heerscharen von Lesern und Leserinnen anzulocken, ist bestechend. Je billiger, desto mehr Leute kaufen. Klare Sache, oder? Natürlich, die Discounter machen’s schließlich vor. Das Prinzip mag auch zu Beginn einer solchen Preisfestsetzung funktionieren. Doch andere Autoren sind nicht dumm (im Gegenteil); die Verkaufsstrategie spricht sich rum und so gibt es zunehmend mehr kostenlose und 99 ct-E-Books auf dem Markt.

Die Kunst, sich abzuheben

Und jetzt? Wie kann ich mich jetzt aus der Masse abheben? Noch billiger? Noch schneller was Neues nachschieben? Wobei ich mich frage, in welcher Schlagzahl man als Autor langfristig produzieren kann: vielleicht im 3-, 5- oder 7-Tagesrhythmus? Oder dürfen es auch ein paar (wenige) Wochen oder Monate sein? Ja, ich spiele mit Absicht auf das faszinierende Experiment von Jenny Karpe an, die Mitte Februar in drei Tagen die Rohfassung eines Romans geschrieben hat und der ich für ihre Neugierde und ihre Offenheit zu ihrem Vorgehen meinen Respekt zolle.

Aber zurück zum Thema. Was biete ich dann an, wenn ich in einem solch hohen Tempo schreibe? Wie passen Textreifung, Überarbeiten, Lektorat, Korrektorat und Satz in diese knappen Veröffentlichungsphasen? Wie lange halte ich das durch — körperlich, geistig und seelisch? Okay, ich verstehe: Es geht ums Geld Verdienen.

Vertrauen ins eigene Buch

Mal ganz ehrlich: Wenn ich E-Books im kostenlosen bzw. 99 ct-Bereich sehe — falls ich überhaupt noch hinschaue —, habe ich oft (nicht immer) das Gefühl, das dem Buch ein Schildchen mit der Aufschrift umhängt »Sorry, ich bin zwar nichts Besonderes, aber lies mich doch bitte, bitte trotzdem. Mein Autor/meine Autorin hat zwar mit Herzblut an mir gearbeitet, aber, naja, so wirklich dolle bin ich doch nicht. Magst du es trotzdem mit mir probieren?« Äh, nein, danke.

Okay, ich gebe zu, ich habe auch mal eine Gratisaktion für eines meiner Bücher gemacht und fühlte mich GIGANTISCH, als mir das über 3.000 »Käufe« einbrachte. Leider stellte ich im Verlauf der nächsten Wochen fest, dass ich anschließend weder neue Leser bzw. Leserinnen noch gute Bewertungen erhielt. Im Gegenteil: Ich fuhr mir zwei ziemlich miese 2-Sterne-Rezis ein.

Der Lesergeschmack

Bei genauerem Nachdenken begriff ich allerdings die Gründe: Ich hatte SuB-Stapler und Billig-Buch-Sammler angesprochen, aber nicht meine Zielgruppe. Und die paar Leute, die trotzdem reingelesen hatten, waren enttäuscht, weil ich ihren Geschmack nicht getroffen hatte. Kann ich ihnen nicht verdenken, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin.

Daraus habe ich für mich gelernt, dass gute Arbeit auch einen guten Preis haben sollte. An erster Stelle sollte MIR meine Arbeit ihren Preis wert sein. Das heißt nicht, dass ich meine Bücher überteuert auf den Markt bringe. Aber zu einem Preis, der es mir ermöglicht, gute Qualität zu liefern: eine in Ruhe gereifte Geschichte, die ich danach kritisch überarbeite und anschließend ins Lektorat und Korrektorat gebe. Das kostet meine Zeit und mein Geld, ganz klar. Aber dafür kann ich auch einen angemessenen Preis von meinen Lesern und Leserinnen verlangen.

Selbst-WERT-Gefühl

Du findest, das klingt arrogant, vielleicht sogar hochnäsig? Mag sein. Allerdings bin ich mir inzwischen dessen bewusst, was ich kann und was ich wert bin. Das hat etwas mit »Selbst-WERT-Gefühl« zu tun. Ich bin der Überzeugung, dass auch das Selbstwertgefühl eines Autors oder einer Autorin stimmig sein muss, um ein qualitativ hochwertiges und angemessen honoriertes Produkt zu erstellen und anzubieten.

Gute Arbeit sollte ihren Preis wert sein. Dafür muss ich mich und meine Arbeit wertschätzen. [click&tweet]

Kleines Beispiel: Mein erstes Buch, an dem ich fünf Jahre gearbeitet und das ich in dieser Zeit sieben Mal umgeschrieben habe, viele Interviews geführt und lange recherchiert habe, kostet noch heute (als E-Book) 7,99 Euro. Ein stattlicher Preis in Anbetracht der vielen Sonderaktionstitel. Gekauft wird es dennoch noch immer. Warum? Weil es ein gut recherchiertes Buch zu einem speziellen Thema ist (Akzeptanz von Behinderten in unserer Gesellschaft), keine Massen-Ramsch-Ware, die ich für 99 ct über den virtuellen Ladentisch werfen müsste.

Und jetzt?

Du fühlst dich auf den Schlips getreten, weil du mit günstigen Preisen großen Erfolg hast und deine Bücher im vier- bis fünfstelligen Bereich monatlich verkaufst? Sorry wegen des Schlips’ — und Glückwunsch zum Erfolg. Ich gönne ihn dir von Herzen und freue mich für dich. 😀 Ich für meinen Teil habe mich allerdings für einen anderen Weg entschieden.

Du stimmst mir zu? Oder hältst meine Meinung für komplett daneben? Im Kommentarbereich können wir gern darüber sprechen.

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